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| 14:42 Uhr

Ärztemangel auf dem Land
Das lange Warten auf den Arzt

 Kinderärzte werden in Luckau dringend gesucht. Bisher müssen Eltern mit ihren kranken Sprößlingen nach Lübben fahren.
Kinderärzte werden in Luckau dringend gesucht. Bisher müssen Eltern mit ihren kranken Sprößlingen nach Lübben fahren. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Luckau . Trotz Überversorgung im Kreis mangelt es in Luckau an Ärzten, vor allem an Fachärzten. Die Stadt ergreift nun selbst die Initiative auf der Suche nach Nachfolgern. Von Anja Brautschek

 

Übervolle Wartezimmer, langes Warten auf Termine, neue Patienten werden abgewiesen. Schon jetzt ist die Situation für Ärzte und Patienten mancherorts angespannt. Vor allem an Fachärzten für Kinder- und Augenheilkunde bestünde Bedarf, sagen die Mitglieder des Luckauer Ausschusses für Gewerbe, Tourismus und Stadtmarketing. Das Problem daran: Laut Kassenärztlicher Vereinigung gibt es keinen Mangel im Dahme-Spreewald-Kreis. Vielmehr besteht größtenteils sogar eine Überversorgung an Ärzten.

Die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung haben bereits im Kreistag für Verwunderung gesorgt. Wie kommen Alltagserfahrungen mit den statistischen Zahlen zusammen? Die Frage hat die SPD-Kreistags- und Landtagsabgeordneten Sylvia Lehmann und Tina Fischer zu einer kleinen Anfrage an die Landesregierung bewogen (die RUNDSCHAU berichtete). Und auch in Luckau ist die Debatte neu aufgeflammt. Vor allem der Mangel an einem Kinder- und Augenarzt wird im Alltag deutlich.

Dabei liegt der Versorgungsgrad für Kinder- und Jugendärzte im Landkreis bei rund 140 Prozent. Insgesamt gibt es laut KV neun Kinderärzte in Dahme-Spreewald. Sind das genug? „Die Situation zeigt, dass eine landkreisweite Betrachtung nicht ausreicht“, sagt Harry Müller (UWG/FDP). Der Einwohner- und wirtschaftsstärkere Norden des Kreises verzerre das Bild. In Luckau beispielsweise ist derzeit kein Kinderarzt ansässig. Eltern müssen daher bis nach Lübben fahren. Für Familien ohne Auto eine schwierige Situation. „Meine Frau und ich kennen den Weg dorthin schon fast im Schlaf“, sagt Hans Lamich (Die Linke). Immer wieder würden geflüchtete Familien bei ihm um Rat suchen, wenn ein Kind erkrankt ist und kein Bus fährt. Ähnliches kann auch Walter Exner berichten. Er ist Mitglied im Verein „Mensch Luckau“ und fährt Kinder von Geflüchteten oder aus bedürftigen Familien ehrenamtlich jeden Morgen zu Kita oder Schule. „Luckau will Mittelzentrum werden, und dann gibt es hier so eine Situation. Da müssen wir doch etwas tun“, sagt Walter Exner.

Aus diesem Grund will auch die Stadt Luckau Initiative ergreifen und hat das MHB-Mobil dorthin eingeladen. Dies ist ein Projekt der medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) „Theodor Fontane“. Ziel ist es, Regionen, die von medizinischer Unterversorgung bedroht sind, zu besuchen und in den Fokus zu rücken. Erstmals hat das Mobil mit sieben Medizinstudenten im Oktober des vergangenen Jahres in Guben Halt gemacht. Auch Luckau sollte bereits 2018 angefahren werden, doch der Termin wurde wegen Krankheit verschoben. Nun hat sich das Mobil für Mai erneut angekündigt. „Wir wollen damit Medizinstudenten und Absolventen das Arbeiten in Luckau schmackhaft machen“, erklärt Bürgeramtsleiter Thomas Schäfer.

Kurze Wege, viel Natur, günstige Mieten – aus Sicht des Bürgeramtsleiters bieten ländliche Regionen für junge Ärzte einige Vorteile. Und medizinischer Nachwuchs wird in Luckau dringend gebraucht. Nicht nur in Fachrichtungen wie Kinder- und Augenarzt, sondern auch Nachfolger für Hausärzte sind perspektivisch nötig. Denn von den 32 praktizierenden Ärzten im Mittelbereich Lübben sind rund 40 Prozent bereits älter als 60 Jahre. Fallen diese weg, führt das zu einer Unterversorgung der Region. Mit dem MHB-Mobil sollen daher Brücken gebaut werden zwischen in Luckau niedergelassenen Ärzten und Studenten.