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Das Arbeiten für später üben

Die Oberschülerinnen Laila Feist, Nada Osse und Hevien Sido (v.l) haben in der Luckauer Kita "Sonnenblume" den Berufsalltag einer Erzieherin kennengelernt.
Die Oberschülerinnen Laila Feist, Nada Osse und Hevien Sido (v.l) haben in der Luckauer Kita "Sonnenblume" den Berufsalltag einer Erzieherin kennengelernt. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Luckau. Luckauer Oberschule "An der Schanze" bereitet Schüler mit Praxislernen konkret auf künftige Anforderungen vor. Die Berufsorientierung in Kooperation mit regionalen Betrieben zeigt Erfolge. Birgit Keilbach / bkh1

"Mit Kindern zu arbeiten, ist schon lange mein Wunsch", sagt Laila Feist. Wie sich das Berufsleben anfühlt und welche Anforderungen es stellt, konnte die Achtklässlerin jetzt ganz konkret erfahren. In der Luckauer Kita "Sonnenblume" absolvierte sie in den vergangenen Tagen die Projektwoche "Praxislernen", gemeinsam mit den Klassenkameradinnen Nada Osse und Hevien Sido. Die zwei Mädchen aus syrischen Flüchtlingsfamilien wollen gleichfalls später einmal als Erzieherin arbeiten. Die Woche praktischer Erfahrungen habe sie in ihrem Berufswunsch bestärkt. "Es macht Spaß, mit den Kindern zu spielen, mit ihnen zu basteln und zu essen", erzählt Nada. Kita-Leiterin Dorit Franke bescheinigt den drei Mädchen "wirkliches Interesse und Freude an der Arbeit mit den Kindern. Das spüre ich deutlich." Sie habe auch schon anderes erlebt. Mädchen, die in der Kita ihre praktische Woche nur absolvierten, weil sie eben im Plan stand. Erzieher-Nachwuchs werde gebraucht und Freude am Beruf sei eine wichtige Voraussetzung. Die Praxislernwoche habe sich bewährt.

"Die Mädchen und Jungen können sich orientieren und merken, ob dieser Beruf wirklich ihren Interessen entspricht", sagt Dorit Franke und nennt ein Beispiel. Sina Handrick, die sich vor einigen Jahren genau wie das Trio jetzt in den Arbeitsalltag einfühlte, absolviere in der Kita gerade ihr Praktikum während der Ausbildung zur Sozialassistentin.

Praxisnahe Einblicke in die verschiedensten Berufe erhalten die Luckauer Oberschüler seit 2011 ab Klasse sieben. "In diesem ersten Jahr können sie sich während einer Werkstattwoche in fünf verschiedenen Berufsfeldern ausprobieren; Gastronomie, Holz- und Metallbearbeitung, Nähen und Informatik", erläutert Rona Merkel, Lehrerin für Wirtschaft, Arbeitslehre und Technik. In Klasse acht verbringen sie die Praxislernwoche in einem Betrieb ihrer Wahl. In der neunten und zehnten Klasse absolvieren sie jeweils ein Praktikum, das in Klasse zehn mit einem Bewerbercamp abschließt.

"Es ist wichtig, dass die Schüler in Stufen auswählen können. So finden sie zu dem Beruf, der ihren Interessen und Neigungen entspricht", sagt Rainer Berger, Ausbildungsleiter beim Agro-Service Luckau. Das Unternehmen ist von Anfang an Praxislernen-Partner der Oberschule. Nachwuchs in den handwerklichen Berufen werde gebraucht "und es ist unser Anliegen, dass die jungen Leute hier in der Region eine berufliche Zukunft finden", erklärt der Ausbildungsleiter.

Tom Remmin hat sie beim Agro-Service gefunden. Der 20-jährige Land- und Baumaschinenmechatroniker bekam beim Praxislernen erste Einblicke in den Beruf. "Ich hatte danach schon eine gute Vorstellung, wie die Praxis aussieht." Das Praktikum in Klasse neun machte er in einem anderen Betrieb. In der zehnten Klasse entschied er sich wieder für den Agro-Service, inklusive Vorstellungsgespräch im Bewerbercamp. Das ist für Rainer Berger ein wichtiger Baustein. "Ich erhalte Einblick in die Persönlichkeit des jeweiligen Bewerbers und kann auch schon eine Vorauswahl treffen", erläutert er. Besonders gut gelinge diese stufenweise Heranführung an das Berufsleben, wenn Eltern das Interesse der Kinder gezielt unterstützen und mit der Schule zusammenarbeiten. "Die Eltern haben dabei die größte Verantwortung", betont Rainer Berger. Ebenso bedeutsam sei der regelmäßige Austausch von Berufsausbildern und Lehrern, denn die Anforderungen an die künftigen Lehrlinge seinen vielfältig und erhöhten sich ständig. Dem trage das seit diesem Schuljahr geltende Konzept zur Berufs- und Studienorientierung Rechnung, sagt Rona Merkel. "Nicht nur WAT, sondern jedes Fach muss jetzt diesen an der Praxis orientierten Aspekt in den Lehrplan einbeziehen", erläutert sie. Zum Beispiel ließen sich in Chemie, Biologie und Mathematik konkrete Bezüge zur Landwirtschaft herstellen. Aber auch in anderen Fächern, wie Deutsch oder Fremdsprachen, könnten am Berufsleben orientierte Aufgaben gestellt werden. Die Achtklässler haben Anfang der Woche ihre Ergebnisse präsentiert.

Zum Thema:
Die Luckauer Oberschule "An der Schanze" trägt seit dem Jahr 2011 das Prädikat "Schule mit hervorragender Berufs- und Studienorientierung". Dafür arbeitet sie mit rund 70 Betrieben der Region kontinuierlich zusammen.