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Dank an stille Helfer in der Pflege

Erika Niendorf, Anke Wolf, Brigitte Karla und Ilona Fengler (v. l.) wurden am Mittwoch von Bürgermeister Gerald Lehmann und Horst Brodatzki, Vorsitzender des Seniorenbeirates (2. und 3. v. l.), als stille Helfer in der Pflege geehrt. Nicht auf dem Foto: Monika Haberland.
Erika Niendorf, Anke Wolf, Brigitte Karla und Ilona Fengler (v. l.) wurden am Mittwoch von Bürgermeister Gerald Lehmann und Horst Brodatzki, Vorsitzender des Seniorenbeirates (2. und 3. v. l.), als stille Helfer in der Pflege geehrt. Nicht auf dem Foto: Monika Haberland. FOTO: Monika Haberland. Foto: be
Luckau. Zum Tag der Altenpflege haben am Mittwochnachmittag im Luckauer Mehrgenerationenhaus Stadt und Seniorenbeirat Menschen Danke gesagt, die sich aufopferungsvoll um schwer kranke Angehörige, aber auch um hilfebedürftige Nachbarn kümmern. Carmen Berg

Auf jedem Teller auf der festlich gedeckten Kaffeetafel liegt ein Spruch: "Unbezahlbar ist die Hand, die hilft, wenn man sie braucht". In diesem Sinne gaben und geben die sechs Ausgezeichneten ihren Mitmenschen das Wertvollste: Ihre Liebe, ihre Kraft, ihre Zeit. So wie die Beesdauerin Monika Haberland, die seit mehr als 20 Jahren ihren schwer kranken Sohn Steffen betreut. Er kann das Bett nur noch mit Hilfsmitteln verlassen, um stundenweise im Rollstuhl zu sitzen. Die Mutter ist für ihn da, so kann der 51-Jährige weiter zu Hause leben. Die Luckauerin Brigitte Karla hat ihren Lebensgefährten Norbert Kulick durch Jahre schwerer Krankheit begleitet, bis er vor wenigen Wochen starb. "Man macht es einfach", sagt sie. "Ihn im Stich zu lassen, das hätte ich nie gekonnt." Ein Satz, wie er häufig an diesem Nachmittag zu hören ist.

Von Erika Niendorf beispielsweise, die sich im Seniorenkreis der Kirchengemeinde engagiert und im vergangenen Jahr einer 98-jährigen Seniorin in besonderer Weise zur Seite stand. "Die alte Dame hatte niemanden mehr", erzählt Erika Niendorf. Obwohl selbst schon Mitte Siebzig, besuchte sie sie mehrmals täglich, kaufte ein, erledigte viele Dinge. Manchmal sei sie an ihre Grenzen gekommen, gibt sie zu, trotzdem habe sie weitergemacht.

Über die Familie hinaus

Auch Ilona Fengler aus Schollen kümmert sich, obwohl sie noch berufstätig ist, um eine Seniorin ohne Familie und besucht sie, so oft es geht, im evangelischen Altenpflegeheim. "Wir fahren spazieren oder verbringen bei schlechtem Wetter Zeit auf dem Zimmer", erzählt sie. Wohl gibt es auch viele Angebote im Heim. "Trotzdem wartet sie immer auf mich", sagt Ilona Fengler.

Über Anke Wolf berichten ihre Kollegen von der Hauskrankenpflege des Deutschen Roten Kreuzes: "Ob Seniorennachmittag, Blutspendetermine. Wann immer es ihr Dienst erlaubt, ist Anke da." Neben ihrem anstrengenden Job als Pflegekraft engagiert sie sich ehrenamtlich bei zahlreichen Veranstaltungen des DRK. Warum sie das tut? Anke Wolf sagt schlicht: "Ich mache das einfach gern".

Von der evangelischen Kirchengemeinde, vom Deutschen Roten Kreuz und weiteren sozialen Trägern stammen die Vorschläge für die Ehrung, die Seniorenbeirat und Stadt zum elften Mal gemeinsam durchführen.

Nachahmer erwünscht

Laut Statistik gibt es 2,6 Millionen Pflegededürftige in Deutschland. Davon werden etwa zwei Drittel von Angehörigen zu Hause gepflegt, "für die Angehörigen in vielen Fällen ein Einsatz, der keinen Feierabend kennt", sagt Horst Brodatzki, Vorsitzender des Seniorenbeirates. Ihren oftmals im Stillen geleisteten Dienst an anderen Menschen soll der Tag der Altenpflege in den Fokus rücken, im besten Falle aber auch zum Nachahmen anregen, so Horst Brodatzki. "Was Du willst, das Dir Menschen tun, das tu ihnen auch", greift Pfarrerin Kerstin Strauch ein Bibelwort auf. "Alt werden will jeder, doch wer jung ist, denkt kaum darüber nach, was das bedeuten kann", so Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). Er regt an, in den Tag der Altenpflege künftig auch junge Leute einzubeziehen. Denn, so der Bürgermeister: "Es sollten sich nicht nur Ältere um die Alten kümmern."

Zum Thema:
Erstmals erfolgte eine Auszeichnung zum Tag der Altenpflege in Luckau postum. Gewürdigt wurde die unlängst verstorbene Marianne Stahr, die hingebungsvoll ihren an Demenz erkrankten Mann gepflegt hatte. Die Urkunde will der Seniorenbeirat zum Andenken an die Mutter dem Sohn übergeben. Etwa eine Million Demenzkranke gibt es laut Statistik deutschlandweit, 70 Prozent von ihnen werden zu Hause durch Angehörige gepflegt.