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| 16:19 Uhr

Tschernobylhilfe
Ritterspiele an der Schlossruine

Gar nicht so leicht. Beim Mittelalterfest konnten sich die Tschewrnobylkinder selbst als Bogenschützen ausprobieren. Foto: be
Gar nicht so leicht. Beim Mittelalterfest konnten sich die Tschewrnobylkinder selbst als Bogenschützen ausprobieren. Foto: be FOTO: LR / Carmen Berg
Dahme. Dahmer Arbeitskreis bietet Tschernobylkindern drei tolle Sommerwochen. Von Carmen Berg

Der Römer hat gewonnen. Der Ritter geht zu Boden. Gebannt verfolgen 14 Kinder aus Weißrussland am Dienstagvormittag den Kampf vor der Schlossruine. Zum Glück ist das Duell nur Schau. Der Sieger hilft dem Unterlegenen, wieder aufzustehen. Das Ritter- und Römerfest gehört zu den Höhepunkten des dreiwöchigen Erholungsaufenthaltes, den ein ehrenamtlicher Tschernobyl-Arbeitskreis bereits im 27. Jahr organisiert. Die Kinder kommen aus dem Gebiet um Bychow und Mogilow, ein Teil von ihnen stammt aus dem Dorf Barkalabawa, das für Arbeitskreis-Mitglied Monika Petras fast so etwas wie eine „zweite Heimat“ ist. Schon oft ist sie hingereist, zuletzt im vergangenen September. „Vor Ort sieht man am besten, welche Kinder unsere Hilfe am dringendsten brauchen“, sagt sie.

Der zehnjährige Anton ist zum ersten Mal in Dahme. Er hatte sich vorgestellt, dass es hier aussehen würde wie in der Schweiz, mit hohen Bergen. Doch die flache Landschaft sei auch schön. Gefragt, was ihm in Dahme am besten gefalle, sagt der blonde Pfiffikus wie wohl alle aus der Gruppe: „Baden.“

Viele Kinder leiden infolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl an einem geschwächten Immunsystem. In den drei Wochen sammeln die Jungen und Mädchen neue Kraft für ein ganzes Jahr, erklärt Betreuerin Ina Urbanowitsch. Auf dem Programm stehen Baden, Wandern, Kegeln, aber auch Spiel und Spaß mit einheimischen Grundschul- und Hortkindern, ein Kinderfest mit dem Verein Wolfsstein in Mehlsdorf, Ausflüge sowie eine Disco in der Uckroer Gaststätte. „Ich bin gerührt, dass uns nach all den Jahren noch so viele Menschen unterstützen und den Kindern immer wieder Neues anbieten“, sagt Monika Petras.

Das Schau-Spektakel am Dienstag gehört dazu. Dennis Freiwald, Mittelalterfan aus Leidenschaft, hat es mit Oliver Petras, dem Römer, sowie weiteren Historienfreunden auf die Beine gestellt. Viele Kinder wollen sich bei Vera Hämmerlein im Bogenschießen ausprobieren oder auf dem Pferd der Gruppe Ardanwen eine Runde drehen.

Für die erwachsenen Festgäste hat Carola Hannemann mit anderen Helfern eine Tafel mit selbst gebackenem Kuchen gedeckt. Die Ehrenamtliche ist im Vorjahr in Mehlsdorf auf den Arbeitskreis aufmerksam geworden und macht seither mit. Erstmals hat sie an den Wochenenden zudem zwei Gastkinder aufgenommen. „Die Mädchen sind so lieb, es macht Spaß“, sagt sie.

Hendrik Fischer, Staatssekretär im Brandenburger Wirtschaftsministerium, ist von der Hilfe mit Herz beeindruckt. Vor gut einem halben Jahr hatte er Monika Petras beim Empfang von Minsterpräsident Dietmar Woidke (SPD) für verdiente Ehrenamtliche in Potsdam kennenglernt, wo sie ihm begeistert von der Arbeit in Dahme erzählt und ihn eingeladen hatte. Für ihn sei der Arbeitskreis ein typisches Beispiel dafür, wie das Ehrenamt in Brandenburg hilft, die Gesellschaft lebenswert zu machen, sagt er und will eine finanzielle Unterstützung für den nächsten Aufenthalt von Tschernobyl-Kindern 2019 prüfen. Geld, das stets willkommen ist.

Dass die Dahmenser Politiker beim Wort nehmen, erlebt Hendrik Fischer auf humorvolle Weise. „Immer lebe die Sonne“ singen die Kinder auf Russisch für den Gast. Als er erzählt, dass er das Lied von früher kennt, muss er mitsingen.

Ein spannendes Mittelalterfest erleben die Tschernobylkinder an der Schlossruine. Diesen Schaukampf hat der Römer gewonnen und hilft dem Ritter, wieder auf die Beine zu kommen.
Ein spannendes Mittelalterfest erleben die Tschernobylkinder an der Schlossruine. Diesen Schaukampf hat der Römer gewonnen und hilft dem Ritter, wieder auf die Beine zu kommen. FOTO: LR / Carmen Berg