ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:49 Uhr

Dahmer Streunern droht das Skalpell

Durch Balkongitter können sich Katzen meist einfach durchzwängen – ein Netz erhöht die Sicherheit.
Durch Balkongitter können sich Katzen meist einfach durchzwängen – ein Netz erhöht die Sicherheit. FOTO: dpa
Dahme. Ab nächster Woche will das Dahmer Ordnungsamt herrenlose Katzen an der Luckauer Straße einfangen und kastrieren lassen. Besitzer frei laufender Hauskatzen sollten ihre Tiere während der Aktion beispielsweise mit einem Halsband kenntlich machen, sagt Amtsleiterin Christina Denkel. Carmen Berg

Den ersten zwei fremden Katzen habe sie Futter gegeben und nicht geahnt, was sich daraus entwickelt, erzählt Monika Puppe. An manchen Tagen haben Puppes und ihre Nachbarn an der Luckauer Straße bis zu 15 Streuner auf dem Grundstück. "Sie kommen auf die Terrasse, machen im Garten alles voll. Ich habe Angst, dass meine kleine Enkelin sich von den Tieren Krankheiten holt", sagt Monika Puppe.

Länger als ein Jahr dauert die Invasion. Zunächst hatten sich die genervten Anwohner an das Ordnungsamt gewandt. Doch das sei für wild lebende Katzen nicht zuständig, erklärt Amtsleiterin Christina Denkel. Die Behörde müsse für Unterbringung und Behandlung aufkommen, wenn Stubentiger entlaufen sind, verletzt oder ausgesetzt wurden. "Katzen, die immer frei waren, gehören nicht ins Tierheim. Sie würden sterben", bestätigt Helga Druschke vom Tierheim Langengrassau, die auch Chefin des Tierschutzvereins von Luckau und Umgebung ist. Der Tierschutz setzt gegen die Vermehrungslust der Streuner auf Kastrationen. Der Luckauer Verein bekomme dafür etwa 1000 Euro im Jahr vom Land, sagt sie.

In Dahme hat sich Monika Puppe schließlich selbst gekümmert. Über private Kontakte fand sie einen Tierschutzverein in Düsseldorf, der 500 Euro spendet. Mit diesem Geld werde nach Pfingsten zunächst in der Luckauer Straße gegen die Plage vorgegangen, "wobei es noch weitere Problemgebiete gibt", sagt Christina Denkel. Ein Tierarzt stellt Lebendfallen auf, kastriert die Tiere und lässt sie wieder frei. "Völlig los werden wir die ungewollten Gäste damit wohl nicht, aber es ist ein Anfang", hofft Monika Puppe. "Man braucht einen langen Atem", bestätigt Helga Druschke.

In Luckau betreiben Mitglieder des Tierschutzvereins seit mehr als zehn Jahren fachgerechte Futterstellen mit gefülltem Napf nur zu klar geregelten Zeiten "So kommen wir gut an die Tiere heran", sagt Helga Druschke. Im Laufe der Jahre sei die Katzenplage zurückgegangen, zieht sie Bilanz und lädt Dahmenser ein, im Verein mitzumachen.

"Stadt und Tierschutz ziehen bei der Aufklärung der Leute an einem Strang", nennt Andrea Schulz, Leiterin des Luckauer Ordnungsamtes, eine weitere gute Erfahrung aus der Gartenstadt. "Der einzige Weg, Streuner fernzuhalten, ist es, sie nicht zu füttern. Wildkatzen sind Teil der Natur und finden dort ihre Beute", sagt sie.

Als erste Kommune Brandenburgs will Luckenwalde ab August auch die Halter frei laufender Hauskatzen verpflichten, ihre Tiere kastrieren zu lassen. "Freigänger und Wildkatzen paaren sich, was zusätzlichen Zuwachs bringt", begründet die Luckenwalder Ordnungsamtsleiterin Anette Wolters den Schritt. Die Stadt will für das laufende Jahr 10 000 Euro bereitstellen, um Katzenbesitzer dabei zu unterstützen. Kastrierte Tiere sollen markiert werden. "Gruselig" findet Andrea Schulz, selbst Katzenbesitzerin, diese Idee. Zudem hält sie entsprechende Kontrollen nicht für realisierbar. Auch Christina Denkel ist skeptisch: "Dass eine Hauskatze mal draußen unterwegs ist, gehört zum flachen Land." Damit aber ein wanderlustiges Hauskaterchen nächste Woche in Dahme nicht versehentlich zur Katze wird, sollten Herrchen oder Frauchen ihre Samtpfoten kennzeichnen, zum Beispiel mit einem Halsband oder Chip. Für nicht ausreichend gekennzeichnete Haustiere übernehme die Stadt keine Haftung, so Christina Denkel.

Kommentar von Carmen Berg

Zum Thema:
Eine Katze gebärt zwei bis drei Mal im Jahr vier bis sechs Junge. Um in Dahme die Kastrationen von Wildkatzen auch in weiteren Stadtgebieten fortzusetzen, braucht die Stadt die Spendenhilfe der Bürger. Spenden sind möglich auf das Konto DE831605 0000 36300 20070 bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, BIC: WELADED1PMB unter dem Betreff "Kastration von Katzen".