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| 10:28 Uhr

Dahmer Post soll an Stadtrand

Seit 100 Jahren hat die Post am Dahmer Rathaus ihren Sitz. Nun soll sich hier der Schalter schließen. Stattdessen will die Deutsche Post zum 3. September eine Filiale in der BHG Handelszentren GmbH in der Bahnhofstraße eröffnen.
Seit 100 Jahren hat die Post am Dahmer Rathaus ihren Sitz. Nun soll sich hier der Schalter schließen. Stattdessen will die Deutsche Post zum 3. September eine Filiale in der BHG Handelszentren GmbH in der Bahnhofstraße eröffnen. FOTO: Foto: Carmen Berg
Dahme. Viele Dahmenser sind empört. Die Postfiliale, die seit 100 Jahren ihren Sitz im historischen Rathausensemble in der Hauptstraße hat, soll schließen und ersetzt werden durch eine Postagentur nahezu am Stadtrand, deren Eröffnung zum 3. September in der BHG Handelszentren GmbH in der Bahnhofstraße vorgesehen ist. Von Carmen Berg


"Für den historischen Stadtkern, in dem es ohnehin schon zu viele leere Fenster gibt, ist das nicht förderlich", ärgert sich Bürgermeister Thomas Willweber über diese Entscheidung der Post, die getroffen worden sei, "ohne einmal mit der Stadt gesprochen zu haben". Die Stadt ist Eigner der Immobilie, die die Post mietfrei nutze. Sie müsse nur die anfallenden Betriebskosten tragen, so der Bürgermeister. Wo die Ersparnis liege, fragt er sich, da beispielsweise der Paketdienst am alten Standort
bleiben solle. Die Verlagerung der Filiale an den Stadtrand sieht Willweber als kundenunfreundlich, besonders für die älteren Bürger.
Den Weg, der in Dahme gegangen wird, haben andere Städte hinter sich. 1993 begann die Deutsche Post, Post- und Postbankleistungen in lokale Einzelhandelsgeschäfte zu verlagern. "Heute betreiben 7500 Partner der Deutschen Post in ihren Geschäften eine Filiale", so Rolf Schulz, Pressesprecher der Deutschen Post für Berlin-Brandenburg. "Sie bieten ein umfangreiches Sortiment von Produkten und Dienstleistungen der Post und Postbank an: vom Verkauf von Briefmarken, Packsets und ausgewählten Büroartikeln, der Annahme von Paketen, Ein- und Auszahlung vom Postbank-Girokonto und -Sparbuch bis hin zu Festnetz- bzw. ISDN-Anschlüssen der Deutschen Telekom."
Schulz benennt als einen Vorteil für die Kunden die künftig längeren Öffnungszeiten der Filiale, montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr und sonnabends von 8 bis 16 Uhr.
Wie er unterstreicht, gelte es für die Deutsche Post, Wirtschaftlichkeit und Service unter einen Hut zu bringen. Der Entscheidung voraus gingen Analysen zur Frequentierung der Dahmer Filiale. Um wirtschaftlich zu sein, müsse in einer Filiale "das Personal durchgängig hinlänglich zu tun haben". "Hätte man mit der Stadt gesprochen," so der Bürgermeister, "hätte sich, wenn schon verlagert werden soll, sicherlich auch ein Partner in Zentrumsnähe gefunden".
"Sorgfältig ausgewählt"
Die Partner würden sorgfältig ausgewählt, müssten über entsprechende Rahmenbedingungen verfügen, sagt Schulz. Man habe vorab die gewerbliche Infrastruktur unter die Lupe genommen, wie er beteuert. Mit der BHG bestünden in der Region zudem bereits gute Erfahrungen bei zwei Filialen in Golßen und Neu Lübbenau.
Gewerbetreibende und Bürger reagierten weitestgehend sauer auf das Vorhaben der Post. "Das ist ein Schlag ins Gesicht", findet Marco Dastig und meint, dagegen sollten die Dahmenser sich wehren. Zum einen, weil die Post an ihrer bisherigen Stelle eine historische Institution gewesen sei. Aber auch wegen des weiten Weges. "Wir haben viele ältere Leute und im Zentrum fast das gesamte Kleingewerbe. Sie alle sollen nun bis ganz da raus fahren." Mit umziehen werden die Schließfächer, wie Rolf Schulz bestätigt.
"Höherer Zeit- und Kostenaufwand"
"Wir sind Selbstabholer, und für uns bedeutet die Verlagerung zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand", sagt Unternehmer Gerhard Schulze. Bisher sei es ein kurzer Weg gewesen. Die längeren Öffnungszeiten, glaubt er, würden diesen Nachteil nicht wettmachen. "An die Zeiten hatten wir uns gewöhnt." "Überhaupt nicht gut finde ich das", schimpft Elke Schmidt, Geschäftsfrau aus der Hauptstraße. Auch für sie würde sich der Aufwand erhöhen. Bernd Lotzmann vom gleichnamigen Reisebüro in der Hauptstraße sagt: "Dann machen wir eben den Weg bis raus in die Bahnhofstraße, für uns ist das nicht so problematisch." Ihn störe mehr, dass bisher alle Briefe bis 17 Uhr abgegeben sein müssen. Lutz van Hal fordert, man sollte an die älteren Menschen denken. "Dahme wird doch immer mehr zu einer Stadt der Rentner."
Selbst Rentnerin und in der Bahnhofstraße wohnhaft ist Hildegard Schenke. "Ich selbst hätte zwar einen Vorteil von der Verlagerung, dennoch finde ich das für die Stadt insgesamt nicht gut", so ihre Meinung.
Da das Vorhaben gründlich geprüft sei, sieht Pressesprecher Schulz die Entscheidung als abschließend an. Bürgermeister Willweber hingegen will sich noch nicht geschlagen geben. "Wir werden tun, was wir können, um doch noch etwas daran zu ändern", kündigte er gestern an.