| 15:35 Uhr

Windkraft-Streit
Dahmer Plan soll Mühlen bremsen

Rund 100 Windräder drehen sich im Windpark, der sich von Falkenberg über Kemlitz bis nach Rosenthal-Zagelsdorf erstreckt.
Rund 100 Windräder drehen sich im Windpark, der sich von Falkenberg über Kemlitz bis nach Rosenthal-Zagelsdorf erstreckt. FOTO: Birgit Keilbach
Dahme. Kritiker eines neuen Planverfahrens für Rosenthal II fürchten: „Das Gegenteil wird passieren.“

Für das Sondergebiet Windenergie Rosenthal II soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden.Der Beschlussvorschlag der Verwaltung hat in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabenddie Gemüter gespalten. Gegner fürchten, er werde weiteren Mühlen in diesem Areal Tür und Tor öffnen. Die Verwaltung sieht das anders.

Der Streitpunkt: Für das Windeignungsgebiet 40 mit den Gemarkungen Görsdorf, Kemlitz, Wildau-Wentdorf und Rosenthal waren schon in der ersten Hälfte der 2000er Jahre Bebauungspläne aufgestellt worden. Damit sei die Fläche ausreichend geschützt, sagte Hans-Georg Nerlich, Vorsitzender der Fraktion Landleben, der sich in einer Bürgerinitiative gegen weitere Anlagen in der Region stark macht. Die Verwaltung hingegen befürchtet, dass für Rosenthal II bestehende Dokumente nach heutigen Maßstäben angreifbar sind. Dem soll mit dem neuen Beschluss entgegen gewirkt werden, so Amtsdirektor Frank Pätzig.

Zahlreiche Windräder wuchsen in den zurückliegenden Jahren von Kemlitz bis Wildau-Wentdorf in die Höhe. Jedem, der die Bundesstraße 102 entlang fährt, fallen sie wie ein Wald sofort ins Auge.

In Rosentahl II stehen sechs Windkraftanlagen. Zugleich gibt es dort eine noch unbebaute Fläche der Brandenburgischen Boden Verwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG), die laut Dahmer Amtsverwaltung jetzt Begehrlichkeiten von gleich vier Windmüllern weckt. Die BVVG wolle „Geld mit der Fläche machen“, sie habe eine Firma mit der Beplanung beauftragt, sagte Bauamtsleiterin Christina Denkel. Mit einem neuen Bebauungsplan sowie einer Veränderungssperre will sich das Rathaus nach eigener Darstellung ein Mitspracherecht für künftige Entwicklungen sichern.

Hans-Georg Nerlich (Landleben)

warnte davor, Bestehendes anzutasten. „Wird das Planverfahren wieder geöffnet, kommen mit Sicherheit neue Windkraftanlagen auf uns zu, die noch höher werden“, sagte er.

Der Abgeordnete erinnerte an die jüngste Debatte in Luckau, wo Windräder am Standort Kaden nach 20 Jahren Laufzeit im so genannten Repowering zurückgebaut und anschließend teilweise durch neue, höhere ersetzt werden sollen. Bislang verhindert das dort der Bebauungsplan der Stadt, in dem neben den Mühlen-Standorten auch An-

lagenhöhen festgeschrieben sind.

Die politischen Gremien in Luckau

lehnten es bisher ab, dem Drängen der Windparkentwickler zu folgen und den Plan zu ändern oder aufzuheben. „Auch bei uns haben die Windräder teils schon 15 und mehr Jahre auf dem Buckel, uns dürfte Ähnliches bevorstehen“, sagte Hans-Georg Nerlich.

Verwaltungschef Frank Pätzig zeigte seinerseits die Folgen auf, wenn der alte B-Plan in gerichtlichen Auseinandersetzungen gekippt würde. Windkraftinvestoren könnten sich dann auf den rechstkräftigen Teilregionalplan Havelland-Fläming berufen, der die umstrittene Fläche als Windeignungsgebiet ausweist. „Für die Stadt bestünden kaum Möglichkeiten, neue Anlagen abzulehnen“, so Frank Pätzig.

Zudem argumentierte er mit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die Investoren für in Anspruch genommene Flächen leisten müssen. In ei-

nem B-Plan-Gebiet sei die Chance

größer, dass sie in der Region erfolgen und nicht vom Naturschutzfonds Brandenburg woanders hin verteilt werden. Als aktuelles Beispiel für eine gelungene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme nannte Frank Pätzig die Sanierung des Dahmer Schlossteiches, finanziert von Windparkbetreibern.

In einer von der Fraktion Landle-

ben beantragten namentlichen Ab-

stimmung setzten sich die Befür-

worter eines neuen Bebauungspla-

nes mit zehn Ja-Stimmen bei fünf Nein-Stimmen durch.