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Dahmer Oberschüler lernen im Gut Kemlitz

Die Slackline ist eine der Herausforderungen, die Oberschüler in Kemlitz gemeistert haben.
Die Slackline ist eine der Herausforderungen, die Oberschüler in Kemlitz gemeistert haben. FOTO: asd1
Kemlitz. Schüler der achten Klassen der Otto-Unverdorben-Oberschule in Dahme haben ihren Lernort gewechselt. Statt im Klassenzimmer lernen sie während dieser Woche im Gut der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Kemlitz. "Ich-Du-Wir-soziales Lernen in der Schule" ist das Thema der Projektwoche. Andreas Staindl / asd1

Die Achtklässler und ihre Klassenleiterinnen hatten sich gut vorbereitet. Jetzt ging es in die heiße Phase - die Projektwoche. Erlebnispädagogik und Teamtraining stehen im Mittelpunkt. Auch der Gemeinschaftssinn wird gestärkt, Berufe werden vorgestellt. "Die Schüler sammeln hier Erfahrungen, die sie im Schulalltag nicht machen würden", sagt der Schulleiter Henri Kuhl. "Und die Jugendlichen erhalten Denkanstöße während der Projektwoche."

Laura Ley bestätigt ihn. "Wir kommen hier auch mit Mitschülern klar, die sonst Außenseiter sind und eher nicht zu unseren Freunden gehören", sagt die 15-Jährige. "Wir helfen uns bei den unterschiedlichen Aufgaben hier im Awo-Gut." Etwa beim Balancieren über die Slackline - einem Gurtband, das zwischen zwei Befestigungspunkten gespannt ist. "Die Jugendlichen motivieren sich gegenseitig", sagt die Lehrerin Stephanie Fladda. "Sie helfen denen, die nicht so geschickt oder mutig sind. Und sie lernen sich besser kennen."

Die Projektwoche vermittelt auch soziale Kompetenzen. Chris Schneider (14) hat diese Erfahrung schon gemacht: "Wir können die Aufgaben nur gemeinsam lösen. Beim Gehen über Cola-Kästen war Teamarbeit gefragt. Ohne Zusammenarbeit hätten wir die Herausforderung nicht gemeistert."

Andere haben ein Floß oder ein Zelt gebaut. Die Projektwoche verändert die Klasse. "Sie schweißt uns zusammen", sagt Vanessa Lein (14). "Selbst Außenseiter und Integrationsschüler werden hier einbezogen. Ich hoffe, dass das auch im Schulalltag so bleibt und unsere ganze Klasse künftig zusammenhält." Das sei derzeit nicht der Fall. "Es gibt häufig Stress unter den Schülerinnen und Schülern", bestätigt Stephanie Fladda. "Auch, weil sie zu wenig voneinander wissen. Während der Projektwoche lernen sich die Achtklässler von einer ganz neuen Seite und viel intensiver als in der Schule kennen." Sie tauchen zudem in eine Lebenswelt, die einigen von ihnen bisher offenbar fremd war. "Die Jugendlichen frühstücken hier täglich, nehmen auch das Mittagessen gemeinsam ein", erzählt Henri Kuhl. "Für einige von ihnen sind das ganz neue Erfahrungen." Angehende Erzieherinnen und Erzieher der Beruflichen Schule für Sozialwesen der Awo in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) haben die Projektwoche vorbereitet.

Lisa Wassermann ist eine von ihnen. "Es ist ein sehr sinnvolles Projekt", sagt die 28-Jährige. "Die Teilnehmer sind zusammengerückt, einer hilft dem anderen. Sie arbeiten gut zusammen und reflektieren ihr Handeln. Ich denke, wir haben die richtigen Übungen ausgewählt."

Die gesamte Woche ist für die Awo-Schule ein Pilotprojekt, wie der Schulleiter Ulrich Thorhauer sagt. "Wir haben überlegt, welche anderen Schulformen man entwickeln kann, um soziales Lernen zu fördern. Jetzt testen wir das Ergebnis. Das Projekt wollen wir künftig auch anderen Schulen anbieten", sagt er.

Ulrich Thorhauer hat dabei Siebt- und Achtklässler im Blick. Das Awo-Gut ist für ihn als Standort für dieses Projekte ideal: "Wir haben hier sehr gute Bedingungen." Das sieht auch Vanessa Lein so: "Wir konnten lernen, wie man gemeinsam auch schwierige Aufgaben meistert. Und wir haben in verschiedene Berufe reingeschnuppert."

Die Erfahrungen der Jugendlichen fließen auch in Theaterstücke, wie Stephanie Fladda sagt. Der Lehrerin zufolge geht es etwa um Freundschaften und Mobbing. Die Stücke werden zum Ende der Projektwoche aufgeführt.

Zum Thema:
Die Projektwoche wird durch den Europäischen Sozialfonds, die Landesagentur für Struktur und Arbeit Brandenburg und die Agentur für Arbeit finanziert. Sie wird von der Initiative Oberschule der Stiftung Sozialpädagogisches Institut und Sozialarbeitern begleitet. Die Oberschule in Dahme hat sich mit 54 Achtklässlern und drei Lehrerinnen beteiligt.