| 02:41 Uhr

Dahmer Jugend hat weiter ihr Gleis 1

Dahme. Die Fraktionen der SPD und der Freien Wählergemeinschaft Dahme (FWG) haben ihren Antrag auf Schließung des Jugendklubs Gleis 1 zurückgezogen. "Der Ausschuss für freiwillige Einrichtungen wird sich vor der nächsten Haushaltsdiskussion erneut mit dem Thema befassen", erklärt FWG-Fraktionsvorsitzender Marco Dastig. asd1

Vorausgegangen war eine intensive Diskussion mit Unterbrechung für interne Beratungen während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. FWG und SPD hatten beantragt, die frei werdenden Gelder - laut Verwaltung rund 14 000 Euro - anderen Vereinen zu geben. "Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis", begründet Matthias Ochs (SPD) den Antrag. "Der Jugendklub wird zu wenig genutzt."

Marco Dastig sieht das genauso. Er könnte sich vorstellen, das frei werdende Geld auch in Aktivitäten der Schulen zu investieren. Hans-Georg Nerlich (LandLeben) kann den Antrag "nicht nachvollziehen. Ich bezweifele, dass es sinnvoll ist, das Geld Vereinen zu geben. Nicht jeder Jugendliche will dort mitmachen." Ihn stört zudem der Zeitpunkt des Antrags: "Nach 20 Monaten ohne Betreuung hat der Jugendklub wieder einen Ansprechpartner. Dank dessen guter Vernetzung haben die jungen Leute die Chance, die Welt hinter unseren Stadtmauern zu erkunden. Es ist ein Unding, jetzt die Schließung zu beantragen. Wir sollten vielmehr die Verwaltung beauftragen, eine effektive Sozialarbeit zu gewährleisten." Jörg-Martin Bächmann (Die Linke) ist ebenfalls gegen eine Schließung: "Ohne Jugendklub diskutieren wir bald wieder über verschmutzte Bushaltestellen." Er hätte sich gewünscht, dass der Sozialarbeiter in die Diskussion einbezogen worden wäre.

Peter Dahlke ist seit 2017 Sozialarbeiter im "Gleis 1". "Von der beabsichtigten Schließung", sagt er, "habe ich aus der Zeitung erfahren." Zwar werde die Einrichtung tatsächlich nur von wenigen Kindern und Jugendlichen genutzt, doch das sei normal. "Sozialarbeit ist Vertrauenssache", sagt Dahlke, "das braucht seine Zeit." Er bezweifelt, dass das Geld etwa im Turn- und Sportverein Empor Dahme besser angelegt sei. "Dort engagieren sich auch nicht mehr junge Leute."

Für Fred Tzschoppe, Ortsvorsteher in Kemlitz, "entzieht sich der Antrag auf Schließung jeder Logik". Der Sozialarbeiter sei ein gestandener Mann. "Er weiß, wie es im Leben läuft." Wenn wir den Klub schließen, "haben wir auch nicht mehr junge Leute in Vereinen", sagt Iris Schulze (LandLeben). Zudem sei der Vorschlag des Ausschusses, den Klub zu schließen, vom Sommer des vergangenen Jahres. Der Ortsbeirat hatte der Idee einstimmig zugestimmt. "Die Jugendlichen sitzen doch nur rum. Wir sollten mit dem Geld lieber Vereine unterstützen", begründet Ortsvorsteher Jürgen Reder (SPD) die Entscheidung. Sven Gloel (SPD) stört sich daran, dass "der Sozialarbeiter für 20 Stunden bezahlt wird, der Klub derzeit jedoch nur acht Stunden geöffnet ist". Peter Dahlke verweist auf Netzwerkaktivitäten und Beratungen mit anderen Sozialarbeitern und kündigt an: "Der Klub kann auch länger geöffnet bleiben. Ich bin flexibel."

Fachbereichsleiterin Bärbel Schmidt warf ein, dass die Zusammenarbeit der Sozialarbeiter beider Schulen und des Jugendklubs wichtig ist." Wenn die Stelle des Sozialarbeiters nicht mehr beansprucht wird, sei es schwer, sie später wieder zu aktivieren", gab auch Amtsdirektor Frank Pätzig (parteilos) zu bedenken. Er würde schauen, wie es bis zum Jahresende läuft und dann entscheiden.