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Kommunales
Frank Pätzig sagt dem Rathaus ade

Die letzten Tage im Rathaus sind gekommen. Frank Pätzig geht nach 25 Jahren in den Ruhestand.
Die letzten Tage im Rathaus sind gekommen. Frank Pätzig geht nach 25 Jahren in den Ruhestand. FOTO: Csarmen Berg / LR
Dahme. Nach 25 Jahren an der Verwaltungsspitze geht der Dahmer Amtsdirektor in den Ruhestand. Von Carmen Berg

Die Kisten sind gepackt. Nach gut einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Verwaltung geht Amtsdirektor Frank Pätzig (65) in den Ruhestand. Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres wird an seinem Platz Nachfolger David Kaluza sitzen.

Wehmut lässt der scheidende Chef nicht aufkommen. Große Worte zum Abschied sind nicht Frank Pätzigs Ding. „Es ist doch eine natürliche Sache, dass ein Berufsleben irgendwann endet“, sagt er in der Unaufgeregtheit, die als Steuermann des Dahmer Verwaltungsschiffes typisch für ihn war.

Das Ruder, um im Bild zu bleiben, übernahm der Quereinsteiger aus Wahlsdorf in wilder Nachwendezeit. Er kam aus der Landwirtschaft, war bis 1991 Produktionsleiter im Volksgut Petkus. Bei der ersten freien Kommunalwahl 1990 wurde er ehrenamtlicher Bürgermeister seines Heimatortes und ab März 1991 Leiter einer Verwaltungsgemeinschaft, zu der sich Wahlsdorf mit Nachbardörfern zusammengeschlossen hatte. „Wir waren aber mit 2500 Einwohnern zu klein, um Bestand zu haben“, sagt Frank Pätzig.

Am 1. Juli 1992 wurde aus der Kernstadt Dahme und 16 eigenständigen Landgemeinden das Amt Dahme gegründet, Als Dahmes Bürgermeister Hans Thieme (SPD) Frank Pätzig vorschlug, sich als Amtsdirektor zu bewerben, habe er gezögert, gibt der Wahlsdorfer zu. Hatte er doch ein gutes Jobangebot im Landesamt für Flurneuordnung. „Wir waren voller Hoffnung, dass wir für unsere Gemeinden vieles bewegen können“, erklärt Frank Pätzig, warum er sich für das Rathaus entschied.

Beim seinem Amtsantritt war die Lage prekär. Die Wirtschaft lag am Boden, fast jeder Vierte war arbeitslos. „Wir mussten die Weichen für die Zukunft stellen“, sagt er.

Der Bau einer Großkläranlage war eines der ersten Großprojekte. Das Gewerbegebiet, mit 27 Hektar ins Auge gefasst, wurde später auf sieben Hektar reduziert. Die Schlossruine sollte zur Reha-Klinik werden. „Ministerin Regine Hildebrandt sprach von einer Riesenchance für die Region. Es herrschte Euphorie“, erinnert sich der Amtsdirektor.

Der Traum zerplatzte. Ein Klinik-Neubau wurde errichtet, doch Patienten blieben aus. Gut sei es für die Stadt, dass die Procurand-Gesellschaft die Pleite gegangene Klinik pachtete und daraus ein funktionierendes Altenpflegeheim machte. Mit der MED hat sich ein weiterer Heimbetreiber in Dahme etabliert, ein neues Haus gebaut und das alte Krankenhaus saniert. Insgesamt, so schätzt der Amtsdirektor, arbeiten in der stationären und ambulanten Pflege über 500 Menschen.

Firmen wie Schoepe-Display oder die Maschinenbau GmbH behaupteten sich am Markt und expandierten. Die Dahmer Altstadt ist schön geworden. „Wir erkannten sehr bald, welch großes Potenzial in der Städtebauförderung steckt. Es ist das Förderprogramm mit der höchsten Auswirkung auf Aufträge im örtlichen Handwerk“, so der Amtsdirektor.

Mit der Gemeinde-Strukturreform 2003 wurden weitere Dörfer Ortsteile der Stadt Dahme. „Sie haben eigene Wünsche zurückgestellt, so dass wir die Eigenanteile für den Städtebaufördertopf stets absichern konnten. Nie mussten wir Fördergeld zurückgeben. Das war nicht selbstverständlich“, so Frank Pätzig. Die Schlossruine, seine persönliche Herzensangelegenheit, sei nach umfangreichen Sicherungsarbeiten schließlich zur gefragten Kulturstätte geworden. Wenn polnische Denkmalpfleger bei einer Tagung dort voll überschwenglichen Lobs waren, „dann haben wir wohl was richtig gemacht“, sagt er.

Im Großen und Ganzen könne die Region optimistisch in die Zukunft sehen, ist er überzeugt. Erste Herausforderung für den Nachfolger werde es sein, die Verwaltungen des Amtes Dahme und der Gemeinde Niederer Fläming, die zum 1. Januar fusionieren, zu einem funktionierenden Ganzen zu verschmelzen. Windkraft, Abwasserzweckverband werden daneben wohl Themen bleiben, die bewegen. „Die Stadtverordneten müssen Initiativen für die Region, betriebliche wie private, so weit wie möglich zu unterstützen“, gibt der scheidende Chef den Parlamentarieren mit auf den Weg.

Selbst habe er keine Angst, als Ruheständler in ein tiefes Loch zu fallen, sagt Frank Pätzig. „Wir haben ein großes Haus und Grundstück, ich habe schon Aufträge von meiner Frau“, schmunzelt er. Danenben will er sich endlich Zeit nehmen zum Reisen, Zum Lesen und zum Skaten auf der Fläming-Skate. In der Lokalen Aktionsgruppe „Rund um die Fläming-Skate und in der Wahlsdorfer Wärmegenossenschaft will sich Frank Pätzig zudem weiter ehrenamtlich engagieren: „Ich bin zwar aus dem Amt, aber nicht aus der Welt.“