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| 15:38 Uhr

Antrag ans Land
Dahme wehrt sich gegen Wölfe

 Dahme erklärt sich zur wolfsfreien Zone und fordert, Isegrim in das Jagdrecht aufzunehmen.
Dahme erklärt sich zur wolfsfreien Zone und fordert, Isegrim in das Jagdrecht aufzunehmen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Dahme. In Dahme wächst der Unmut über wachsende Wolfspopulationen in der Region. Die Stadtverordnete der märkischen Stadt fordern wolfsfreie Zone und sogar Abschussmöglichkeiten für den Isegrim. Von Carmen Berg

Die Dahmer Stadtverordneten haben sich am Donnerstagabend einstimmig für einen möglichen Abschuss von Wölfen ausgesprochen. In einem Beschluss erklärt sich die Stadt mit  Ortsteilen gegenüber dem Land Brandenburg als „wolfsfreie Zone“. Den Antrag stellte der Kemlitzer Ortsvorsteher Fred Tzschoppe. „Es geht nicht darum, einen Zaun um unser Gebiet zu ziehen“, erklärte er.

Doch sei der Wolf nicht mehr vom Aussterben bedroht. Deshalb sollte das Tier mit Jagdzeiten und Abschussquoten in das Jagdrecht aufgenommen werden. An Tierweiden müssten Tierhalter und örtliche Jäger das Recht bekommen, angreifende Wölfe zur Gefahrenabwehr zu töten, so der Antragsteller.  Dahme fordert die Landesregierung auf, im Wolfsmanagementplan das Stadtgebiet als nicht zur Besiedlung durch den Wolf geeignete Zone auszuweisen. Rückzugsgebiete, in denen Isegrim unbehelligt bleibt, könnten demnach beispielsweise Naturreservate, Truppenübungsplätze und Tagebaukippen sein.

Die Dahmenser folgen mit ihrer Initiative anderen Gemeinden. Fred Tzschoppe spricht von einer „Bewegung von unten.“ Sie kommt in der Flämingstadt  nicht von ungefähr.

Der Revierförster im Ruhestand und Jäger Reinhold Born aus Dahme befasst sich intensiv mit dem Wolf, seit er im Jahr 2000 im Schnee bei Gebersdorf die ersten Spuren fand. „Damals haben Kollegen noch gesagt, ich spinne“, erinnert er sich.

Bei dem Dahmenser laufen Meldungen von Jägern und Bürgern über Sichtungen und Risse zusammen, die er an Wolfsbeauftragte und das Landesumweltamt weitergibt. „Ich bin nicht gegen den Wolf, das Tier hat seine Daseinsberechtigung wie jedes andere“, stellt er zu dem Thema klar, an dem sich die Geister scheiden. Doch sieht er den Zuwachs mit Sorge.

Die Statistik geht von etwa 1000 Wölfen in Deutschland aus, jedoch sehr unterschiedlich verteilt. „In Südbrandenburg gibt es keine wolfsfreie Gegend mehr“, sagt Reinhold Born. Rudel seien auch im Bereich Schwarzenburg, Altsorgefeld sowie im Raum Schwebendorf-Rosenthal, im Raum Görsdorf-Prensdorf und ein Pärchen in der Gegend des Körbaer Teiches angesiedelt, insgesamt rings um Dahme mehr als 20 Tiere, zählt er auf.

Ein Wolfspaar ziehe im Jahr durchschnittlich zwischen vier und sechs Welpen auf, verweist er auf die Entwicklung.  Laut Reinhold Born wurden in Brandenburg von 2007 bis 2015 17 Rissmeldungen mit 64 betroffenen Nutztieren aufgenommen, im Jahr 2018 waren es 153 Meldungen mit 401 Nutztieren.

Franziska Sallmann aus dem Kemlitzer Gemeindeteil Altsorgefeld denkt an ihre sechs Ponys. Die junge Frau hat den Isegrim schon am hellichten Tag am Zaun ihrer Koppel stehen sehen. Ihre Tiere holt sie nachts und auch tags immer dann in den Stall, wenn niemand ein Auge auf sie haben kann. Entferntere Weidegründe werden maschinell gemäht, „obwohl dort eigentlich die Ponys grasen sollten“, sagt sie.  Altsorgefelder Schulkinder trauten sich nicht mehr wie früher mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle nach Kemlitz, weil die Straße durch den Wald führt. „Der Wolf verliert seine Scheu“, so die Altsorgefelderin. „Wir wollen ihn ja nicht ausrotten, aber es muss Regelungen geben, die allen Seiten gerecht werden.“

 Reinhold Born beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten intensiv mit Wölfen und ist auch als Referent gefragt.
Reinhold Born beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten intensiv mit Wölfen und ist auch als Referent gefragt. FOTO: LR / Carmen Berg
 Dahme erklärt sich zur wolfsfreien Zone und fordert, Isegrim in das Jagdrecht aufzunehmen.
Dahme erklärt sich zur wolfsfreien Zone und fordert, Isegrim in das Jagdrecht aufzunehmen. FOTO: dpa / Patrick Pleul
 Reinhold Born beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten intensiv mit Wölfen und ist auch als Referent gefragt.
Reinhold Born beschäftigt sich seit rund zwei Jahrzehnten intensiv mit Wölfen und ist auch als Referent gefragt. FOTO: LR / Carmen Berg