ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:29 Uhr

Streit um Windkraft
Windparks: Dahmensern reicht’s

Windraeder_4c
Windraeder_4c FOTO: LR
Dahme. In naher Zukunft sollen sich rund um die Stadt mehr als 200 Anlagen drehen.

Es soll keine Ausnahmen von der Veränderungssperre im Windpark Heinsdorf geben. Die Dahmer Stadtverordneten haben sich bei ihrer vergangenen Sitzung dagegen ausgesprochen. Dabei geht es um mehr als um die beiden Windtürme, die der Investor beim Landesumweltamt beantragt hat, während das Bebauungsplanverfahren für das Gebiet noch nicht abgeschlossen ist. Es reicht mit der Mühlendichte in der Region, so der Tenor der Debatte, angestoßen von der Fraktion Landleben.

Fraktionsvorsitzender Hans-Georg Nerlich zeigt eine Karte, die die Region als „mit Windparks reichlich bestückt“ beschreibt. Mehr als 150 Mühlen drehen sich demnach bereits im Umland, weitere 40 bis 50 seien in der Planung oder im Genehmigungsverfahren. „Acht Prozent der Amtsfläche sind mit Windrädern bebaut oder beplant“, sagt Hans-Georg Nerlich. Er spricht von einer „Belagerung“ mit Auswirkungen für Mensch und Tier.

So seien im Vorjahr in Berlin-Brandenburg 22 Weißstörche, 49 Seeadler, 86 Rotmilane von Rotorblättern getötet worden, zitiert Susanne Boy eine Statistik des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Das seien allerdings nur die gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer sei um einiges höher.

Andere Redner geben zu bedenken, dass es zu den Auswirkungen des Infraschalls auf die Gesundheit des Menschen Forschungsdefizite gibt. Günter Ukro, Ortsvorsteher von Niebendorf-Heinsdorf, berichtet: „Die Leute haben Angst, nachdem in der Niebendorfer Siedlung nahe am Windpark Hohenseefeld zwei gleichartige Krebsfälle aufgetreten sind.“

Die Vorteile der alternativen Energien seien hingegen für die Bürger noch nicht spürbar, so Hans-Georg Nerlich. „Dazu brauchte es praktikable Speichertechnologien, die nicht in Sicht seien. Über die EEG-Umlage zahlen Haushalte dem Fraktionsvorsitzenden zufolge rund 300 Euro Stromkosten zusätzlich im Jahr.

Im Ortsteil Rosenthal stehen die Windräder laut Ortsvorsteher André Weigt 1300 Meter entfernt von den letzten Häusern. Anwohner Christoph Heider berichtet: „Als die großen Windtürme anliefen, dachte ich, ich hätte vergessen, in meiner Werkstatt Geräte auszuschalten.“ Wer nicht dort wohne, könne sich den Lärm nicht vorstellen, so der Rosenthaler. Die Einführung der 10-H-Regelung in Brandenburg sei aus seiner Sicht das Mindeste zum Schutz der Bürger. Soll heißen, der Abstand der Wohnbebauung müsste bei mehr als 200 Meter hohen Türmen gut zwei Kilometer betragen, derzeit gilt als Mindestabstand 1000 Meter.

Eine weitere Forderung: Von den Windkrafteinnahmen im Stadthaushalt sollten die betroffenen Orte entschädigt werden. Wie Kämmerin Bärbel Schmidt auf Nachfrage bestätigt, geht es um 250 000 Euro, die nicht zweckgebunden in den Gesamthaushalt eingeflossen sind.

Die Verwaltung wehrt sich gegen Vorwürfe der Windkraftkritiker, Beschlüsse würden mit Verweis auf die Gesetzeslage einfach durchgewunken. Bürgermeister Thomas Willweber (Freie Wähler) erklärt, die Bebauungspläne seien die einzige Möglichkeit für die Kommunen, sich eine Mitsprache bei Höhe, Anzahl und Platzierung der Anlagen zu bewahren. Verhindern könne sie Windparks in Gebieten, die vom Land als geeignet ausgewiesen wurden, nicht.

 Hans-Georg Nerlich sieht am Beispiel Heinsdorf die Gefahr, dass Investoren parallel zu den laufenden Bebauungsplan-Verfahren in den Kommunen Bauanträge beim Landesumweltamt stellen und die örtlichen Pläne sich dem anpassen. Laut Bauamtsleiterin Christina Denkel sieht der vorliegende B-Planentwurf acht Windräder vor. Die beantragten seien zwei davon. Sie liegen im Wald innerhalb des ausgewiesenen Sondergebietes Windenergie und entsprechen den Vorgaben des Bebauungsplan-Entwurfes, deshalb habe die Verwaltung Zustimmung empfohlen.

„Wenn wir jetzt die Veränderungssperre aufheben, denken die Leute doch, wir sitzen im Tollhaus“, ärgert sich Iris Schulze (Landleben). Günter Ukro fordert: „Wir sollten uns nicht länger erpressen lassen.“ Hans-Georg Nerlich sagt, zwar würde ein Fortbestand der Sperre das Genehmigungsverfahren für die zwei Anlagen beim Landesumweltamt nicht aufhalten. Wohl aber könnten sie vorerst nicht errichtet werden. Das Votum gegen die Aufhebung der Sperre fiel einstimmig.