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Dahme fehlt noch ein Mathelehrer

Dahme-Fläming. Rund 36 000 Kinder und Jugendliche machen sich seit gestern in der Region Dahmeland-Fläming wieder allmorgendlich auf den Weg in die Schule. Darunter sind auch etwa 3000 Erstklässler. Oliver Fischer

Die Zahlen sind im Vergleich zum vorigen Jahr stabil geblieben.

Die gute Nachricht für die Schüler: Ganz gleich, ob ihnen die Schule gefällt oder nicht, sie werden in jedem Fall genügend Lehrer haben. Zumindest auf dem Papier. Und das, obwohl aufgrund höherer Schülerzahlen und höheren Lehrerbedarfs an Inklusionsschulen zahlreiche zusätzliche Lehrkräfte gefunden werden mussten.

Genau genommen fehlen laut Stellenanzeiger des Bildungsministeriums in der Region noch vier Lehrer: Zwei (Deutsch und Informatik) werden für Luckenwalder Schulen gesucht, ein Mathe-Lehrer muss noch für die Otto-Unverdorben-Oberschule in Dahme gefunden werden, und ein WAT-Lehrer wird für die Jüterboger Wiesenschule gebraucht. Eingestellt wurden dagegen in Teltow-Fläming bisher 69?Lehrer, die meisten an Grund- und Oberschulen.

In Dahme-Spreewald wurden nach Angaben des Bildungsministeriums seit Jahresbeginn 77?neue Lehrer in den Schuldienst übernommen und damit ist - anders als in vielen anderen Schulamtsbezirken - der Stellenplan auch voll. "Wir haben tatsächlich nicht nur die altersbedingten Abgänge ersetzt, sondern auch eine sehr gute Stellenausstattung an den Schulen erreicht", sagt Cornelia Orphal vom Staatlichen Schulamt in Cottbus.

Dass die Situation südöstlich von Berlin entspannter ist als in anderen Landesteilen, lasse sich geschichtlich erklären. "Nach 1990 sind die Schülerzahlen gravierend zurückgegangen. Weil wie nie Lehrer gekündigt haben, hatten wir lange eine Überausstattung", sagt Cornelia Orphal. Diese Reserve sei aufgebraucht - und weil über Jahre hinweg keine Lehrer eingestellt wurden, dürften die kommenden Jahre auch im Schulamtsbezirk Cottbus problematisch werden.

Probleme sehen Kritiker aber auch in Bereichen, die sich nicht direkt am Stellenplan ablesen lassen. Gravierend ist der Unterrichtsausfall aufgrund des hohen Krankenstandes. Der wurde nach Ministeriumsangaben im vergangenen Jahr zwar leicht verringert, trotzdem fielen allein im ersten Halbjahr 2016/17 in ganz Brandenburg rund 116 000 Unterrichtsstunden aus.

Das zweite Problem ist die Qualität des Unterrichts, die Kritikern zufolge besonders unter den Quereinsteigern leidet, die das Land seit einigen Jahren verstärkt einstellt, um überhaupt genügend Lehrer zu finden. "Da werden hunderte Leute an die Schulen geholt, die keine Pädagogen sind und die auch keine pädagogischen Nachschulungen bekommen. Das ist der Hammer!", sagt etwa der Luckenwalder CDU-Landtagsabgeordnete Sven Petke.

Tatsächlich hat in Teltow-Fläming jeder vierte neu eingestellte Lehrer keine pädagogische Ausbildung - obwohl es im Bildungsministerium heißt, dass Quereinsteiger "nur in Ausnahmefällen" eingestellt werden. In Dahme-Spreewald ist es jeder sechste. Die Quereinsteiger gelten nicht nur wegen fehlender Qualifikation als Schwachstelle, sondern auch, weil sie teilweise vom Schulalltag überfordert und häufiger krank sind. "Wir haben diese Situation, weil die Ministerien verpasst haben, rechtzeitig auf Ausbildung zu setzen", sagt Petke.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn bestreitet das nicht. Er sieht Brandenburg damit aber nicht allein. "Es fehlen bundesweit Lehrer, überall wurde gepennt", sagt er. Mit den Maßnahmen der vergangenen Jahre sieht er die Bildung im Land aber auf einem guten Weg. "Die Verbeamtungen fruchten und auch das Vertretungsbudget wirkt", sagt er, "natürlich ist es nicht einfach, wenn man viele Quereinsteiger hat. Aber da sind viele hoch motivierte Leute dabei."