Lange Warteschlangen, wie man sie vor anderen Fieberambulanzen aus den Medien kennt, gibt es im Landkreis Dahme-Spreewald kaum. Das bestätigen die beiden Internistinnen Dr. Christine Wendt aus Lübben und Dipl. med. Heide Zimmermann aus Luckau. Sie bieten spezielle Fiebersprechstunden für Menschen mit Erkältungssymptomen oder Corona-Verdachtsfälle an. Der Praxisalltag läuft ruhig und besonnen ab.

Durchschnittlich werden im gesamten Landkreis pro Tag etwa 33 Abstriche durchgeführt. „Wir werden nicht überrannt“, bestätigt auch Heide Zimmermann. Sie betreut in den Fiebersprechstunden täglich zwischen drei und zehn Patienten. Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Lübben ab. Etwa zehn Patienten behandelt die Lübbener Internistin Dr. Christine Wendt täglich. „Am Montag meist mehr, als an den anderen Wochentagen“, sagt die Hausärztin. Sie hatte als erste niedergelassene Ärztin schon am 23. März, vier Tage nach den Krankenhäusern, eine separate Sprechstunde für Patienten mit Fieber und akuten Erkältungssymptomen eingerichtet. „Unser Gedanke ist es die gegenseitige Ansteckung zwischen den Patienten zu verhindern“, erklärt Wendt. „Denn jetzt kommt es darauf an, zu verhindern, dass alle gleichzeitig krank werden.“

Jeder Patient wird komplett medizinisch untersucht

Deshalb gibt es zwischen der normalen Sprechstunde und der Fiebersprechstunde eine große Pause. Außerdem müssen sich die Patienten telefonisch anmelden. Die beiden Ärztinnen nehmen auch Patienten anderer Hausärzte an, um das Infektionsrisiko in deren Praxen zu verringern. „Die Termine werden so koordiniert, dass einer, maximal zwei Patienten gleichzeitig in unserer Praxis sind“, sagt Christine Wendt.

In Luckau wird darüber hinaus ein separater Raum für die Sprechstunde vorgehalten. „Schon Anfang März, als es mit Corona losging, haben wir begonnen, Erkältungspatienten von anderen Patienten zu trennen“, erklärt Heide Zimmermann. Dafür hat sie analog zu den Fiebersprechstunden Erkältungssprechstunden angeboten, um mögliche Übertragungen zu verhindern. Die Zeiträume wurden jeweils ans Ende des Sprechtages gelegt, damit ausreichend Zeit zur Reinigung und Desinfektion bleibe. Die Patienten erhalten außerdem einen Mund- und Nasenschutz, um herumfliegende Aerosole, also winzige Speicheltröpfchen, weitestgehend einzudämmen.

Jeder Patient werde komplett medizinisch untersucht und nur beim geringsten Verdacht auf eine Coronainfektion ein Abstrich gemacht. Denn die Symptome seien vielfältig. „Fieber, wenig Halsschmerzen oder das Gefühl müde und schlapp zu sein“, zählt sie auf. Aber nicht immer sei das Coronavirus die Ursache, eine Angina zeigt sich ähnlich. Christine Wendt erlebt, dass Patienten erleichtert sind, untersucht zu werden und Handlungsanweisungen zu erhalten.

Ärztinnen und Schwestern arbeiten im Vollschutz

Während der Fiebersprechstunden arbeiten Ärztin und Schwestern selbstverständlich im Vollschutz. Dazu zählen Mundschutz und Schutzanzug, Visiere oder Schutzbrillen, Hauben und natürlich Handschuhe. Um die Infektionsgefahr zu minimieren, werde zwischendurch immer wieder mit weit geöffneten Fenstern gelüftet und nach der Sprechstunde die Praxis desinfiziert. Klar würde mit der Schutzausrüstung gerade sehr sorgfältig gehaushaltet. FFSP2-Masken hätte Christine Wendt von Handwerkern erhalten. Einmalschutzkitteln versucht sie auch ein zweites Mal zu verwenden. Außerdem gebe es viele, die sie unterstützen.

Auch bei Heide Zimmermann mangelt es derzeit nicht an Schutzausrüstung. „Wir können uns nicht beschweren und sicher arbeiten“, sagt Heide Zimmermann. Über die Kassenärztliche Vereinigung wurde die Praxis umfassend mit Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung versorgt. Auch Testmaterial sei nach wie vor ausreichend vorhanden. Die Abstriche werden in ein Cottbuser Labor gesendet. In wenigen Tagen haben Patient, Arzt und Gesundheitsamt Gewissheit, ob eine Erkrankung besteht. „Auch die Zusammenarbeit mit Apotheken funktioniert sehr gut“, sagt die Internistin. Die verschriebenen Medikamente werden bei Bedarf bis zur Haustür geliefert.

Die Abläufe und der Kontakt mit den verschiedenen Einrichtungen und Ämtern habe sich gut eingespielt. Die Luckauer Hausärztin geht davon aus, die Fiebersprechstunden auch in den kommenden Wochen und Monaten weiterhin anzubieten, um Verdachtsfälle großflächig zu testen. „Ich rechne damit, dass es bis Ende des Jahres für uns so weitergeht. Aber Testkapazitäten sind aus heutiger Sicht dafür vorhanden.“

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Schwerpunktpraxen im Landkreis


Folgende Praxen bieten Fiebersprechstunden an:

Dr. Christine Wendt, Lübben. Montag bis Freitag von 13 bis 15 Uhr, Voranmeldung unter 03546 220155

Dr. Beate Kruse, Lübben. Montag bis Freitag von 13 bis 15 Uhr, Voranmeldung unter 03546 2560.

Dipl.-Med. Barbara Zachert, Lübben. Montag bis Mittwoch 8 bis 10 Uhr, Donnerstag 13 bis 15 Uhr und Freitag 8 bis 10 Uhr, Voranmeldung unter 03546 3417.

Dipl. Med. Heide Zimmermann, Luckau. Montag 13 bis 14 Uhr, Dienstag 17 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Freitag 11 bis 12 Uhr. Voranmeldung unter 03544 2218.

Dr. B. Maack und Dr. S. Kiekebusch, Halbe. Montag bis Freitag 10 bis 12 Uhr, Voranmeldung unter 033765 80331.

Gesundheitszentrum Wildau. Montag bis Freitag 8.30 Uhr bis 11 Uhr, Voranmeldung unter 03375 5256310.

Eine stationäre Fieberambulanz ist darüber hinaus auch im Achenbach-Krankenhaus in Königs Wusterhausen eingerichtet.