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Charmantes altes Gärtnerhaus lädt in Lübben zum Verweilen ein

Anett Körner betreibt seit zehn Jahren das Restaurant und Café im alten Gärtnerhaus im Ernst-von-Houwald-Damm in Lübben.
Anett Körner betreibt seit zehn Jahren das Restaurant und Café im alten Gärtnerhaus im Ernst-von-Houwald-Damm in Lübben. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Lübben. Das Gärtnerhaus im Ernst-von-Houwald-Damm gehört zu den ältesten Gebäuden in Lübben. Das dort beheimatete Restaurant ist längst kein Geheimtipp mehr. Einheimische und Touristen schätzen den Charme des Hauses und die kulinarischen Angebote. Anett Körner führt das Kleinod inzwischen seit zehn Jahren. Andreas Staindl/asd1

Das alte Gärtnerhaus ist anders. Es ist kein klassisches Restaurant, sondern vielmehr eine kulinarische Wohlfühloase mit Wohnzimmeratmosphäre. Hohe Regale mit unzähligen Büchern zum Ausleihen, zum Schmökern und zum Tauschen stehen dort, auch gemütliche Sessel, ein Sofa und rustikale Möbel. Die zwei Gasträume sind klein, aber gemütlich, jeder nicht viel größer als die gute Stube im eigenen Heim. Anett Körner hat die Räume nach ihren Vorstellungen eingerichtet. Sie pflegt einen mediterranen Stil - optisch und kulinarisch. Die 49-Jährige führt das Lokal seit zehn Jahren. Seit etwa zwei Jahren gehört ihr auch das Haus, das eines der ältesten Gebäude in der Kreisstadt Lübben ist. Schon 1829 ist es auf einem Grundriss der Stadt Lübben als Wohnhaus eingetragen. Das Haus ist das einzige seiner Art, das sich unmittelbar vor der Stadtmauer und in der Nähe des Schlosses befindet. Für Anett Körner ist es "mein zweites Zuhause. Ich bin unheimlich gern hier."

Im alten Gärtnerhaus kann sie sich verwirklichen und ihre Leidenschaft ausleben. Sie steht dort in der Küche, bedient sechs Pfannen auf offener Flamme gleichzeitig. "Ich koche für mein Leben gern." Ihr Arbeitsbereich hat etwa die Größe einer Neubauküche. Und doch zaubert die Chefin dort leckere Gerichte. Die Karte ist überschaubar und dennoch vielseitig. Nudelgerichte, Rumpsteak, Fisch, Hähnchen- und Schweinefleisch. Als Nachtisch gibt es beispielsweise Apfelstrudel mit Eis und Vanillesoße, nachmittags auch selbst gebackenen Kuchen. "Wir haben zwar eine feste Speisekarte, gehen aber auch auf die Wünsche unserer Gäste ein", sagt Anett Körner. "Wer möchte, dem brate ich auch ein Schnitzel. Und Küchenschluss ist dann, wenn der letzte Gast satt ist."

Über die Nachfrage kann sich die Chefin nicht beklagen. 30 Sitzplätze hat sie drinnen und noch einmal 40 Plätze im Biergarten. Zu manchen Zeiten geht ohne Vorbestellung nichts. Vor allem dann, wenn attraktive Veranstaltungen Gäste nach Lübben locken. "Während des Spreewaldmarathons kommen seit Jahren 20 Radler das gesamte Wochenende bei mir essen", erzählt die Wirtin. "Sie haben schon wieder Plätze reserviert, bestellen immer Nudeln." Die 49-Jährige hat Stammkunden inzwischen auch aus Berlin und benachbarten Kreisen. Im Obergeschoss gibt es neben einer Ferienwohnung inzwischen auch einen kleinen Vereinsraum.

14 Gäste finden dort Platz. Auch wenn sich die Nutzung der Räume über die Jahrzehnte verändert hat, der Charme des Hauses ist geblieben. Zudem wurde der ursprüngliche Grundriss bewahrt. Das alte Gärtnerhaus besitzt ortsgeschichtliche, bauhistorische und städtebauliche Bedeutung. Es vertritt in seinem spätklassizistisch geprägten Äußeren den Baustil der seit der Biedermeierzeit immer beliebter gewordenen Sommerhäuser. Das Gebäude wird als Gärtnerhaus bezeichnet, weil angenommen wird, dass es zum Schlossbereich gehörte und vom Schlossgärtner bewohnt wurde.

Sein jetziges Aussehen hat es etwa seit 1880. Das alte Gärtnerhaus hatte verschiedene Eigentümer und Bewohner, bis es die Stadt Lübben erworben hatte. Eine Berliner Künstlergruppe hat das Gebäude 1996 gekauft; 1998 wurde es rekonstruiert. Die Garten- und Landschaftsarchitektin Christa Ringkamp aus Berlin hat ein Jahr später eine gastronomische Einrichtung, das Ladencafé, im Objekt eröffnet.

Die heutige Besitzerin erinnert sich an das Konzept: "Ein bisschen Süppchen, etwas Kuchen, ein kleiner Laden etwa mit Kräutern, Tees und anderen Dingen." 2004 bot die Architektin es Anett Körner an, anfangs zur Betreibung und später dann zum Kauf. Die Lübbenerin nahm an. "Ich habe immer gern in der Gastronomie gearbeitet. Jetzt konnte ich mein eigenes Konzept umsetzen und das Lokal nach meinen Vorstellungen weiterführen."

Im März 2005 feierte sie Eröffnung und ist zehn Jahre später "sehr zufrieden" mit ihrer damaligen Entscheidung.