Die 50-jährige Barbara Hackenschmidt aus Finsterwalde im Elbe-Elster-Kreis sitzt seit Herbst vergangenen Jahres für die Sozialdemokraten im Brandenburger Landtag. Seit Februar dieses Jahres steht sie dem Campingwirtschaftsverband vor. Jetzt reist sie durch die Mark, um den Ruf der Campingwirtschaft aufzupolieren.
"Noch immer höre ich auch von Politikern und aus Verwaltungskreisen, Camping sei doch nur Urlaub auf grüner Wiese, nicht wirklich wichtig." Hackenschmidt ärgern solche abwertenden Pauschalisierungen. "Unsere über 70 Verbandsmitglieder haben viele Millionen Euro investiert, um den Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen." Die Ansprüche würden immer höher, die Klassifizierung immer ausgefeilter. "Camper erwarten Standards wie in guten Hotels, dennoch soll möglichst alles naturnah bleiben", erklärt die Präsidentin den Spagat. Für Hackenschmidt ist der Camping-Tourismus längst zum Wirtschaftsfaktor geworden. Christa Berndt bestätigt diese Auffassung: "Wir lassen viel Geld in der Region. Ich habe schon mein zweites Auto in einem Autohaus in Luckau erworben, gehe in der Kleinstadt zum Friseur und zum Einkaufen."

Gäste von nah und fern
Ein Einzelfall ist sie damit nicht, wie Campingplatzchef Rolf Thelen sagt. Seit 1990 betreibt er den Platz bei Kreblitz. 200 Parzellen stehen dort zur Verfügung, inklusive moderner Ausstattung wie etwa beheizbare Sanitärhäuser und ein Behindertenbad. Die Gäste kommen vor allem aus Berlin. Längst haben aber auch Holländer den Campingplatz entdeckt und nutzen ihn als Zwischenstopp nach und von Osteuropa. Zunehmend begrüßt Thelen auch Radtouristen, neuerdings auch Skater. "Die nahe Fläming-Skate hat uns zusätzliche Gäste gebracht", freut er sich.
Thelen setzt auf Synergien mit umliegenden Dienstleistern, versucht deren Angebote mit seinem Konzept zu verbinden. Barbara Hackenschmidt freut das. "Die Campingplatzbetreiber sind oft erste Kontaktpersonen für Touristen und damit Katalysatoren in die eine oder andere Richtung. Sie können eine Region wesentlich bereichern", sagt die Präsidentin mit überzeugter Stimme.
Auf der Anlage "Sonnenberg" würden die Betreiber gern noch mehr tun, etwa für Feste in der Region werben. "Dafür brauchen wir aber unbedingt die Zuarbeit der Veranstalter", sagt Konstanze von Lochow. "Ich kann mir nicht jedes Mal einen Zettel vom schwarzen Brett abreißen, wenn ich zufällig eine Ankündigung sehe." Sie verweist auf die bis zu 500 Gäste ihres Campingplatzes, die an attraktiven Höhepunkten in der Region interessiert seien.
Dauercamper wie Christa Berndt schätzen zudem die ländliche Idylle. "Seit 1990 bin ich jetzt hier und rundum zufrieden", schwärmt die Rentnerin dem Landrat vor. Der nimmt von seinem ersten Besuch in Kreblitz "interessante Anregungen" mit. Etwa die, "dass man Sicherheitsauflagen durchaus einhalten kann, ohne auf Campingatmosphäre zu verzichten". Wille erinnert dabei an Ärger vor allem baulicher Art zwischen Behörden und Campern etwa am Schwielochsee und am Bornsdorfer Teich. "Die heute erhaltenen Informationen", sagt er, "sind mir eine gute Argumentationshilfe für weitere Pro blemfälle."
Auch Barbara Hackenschmidt ist mit ihrem Besuch auf dem "super Platz" in Kreblitz zufrieden und hofft, "dass der Landrat Campingtourismus als wichtige Wirtschaftskraft begreift". In den nächsten Monaten will sie ihre Mission andernorts im Land fortsetzen.