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| 19:28 Uhr

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Digital zum Arzt mit 65?

Digitalisierung in Gesundheit und Pflege: Wo sind Chancen, wo Grenzen? Dazu befragt ein BTU-Projekt Luckauer der Generation 65plus.
Digitalisierung in Gesundheit und Pflege: Wo sind Chancen, wo Grenzen? Dazu befragt ein BTU-Projekt Luckauer der Generation 65plus. FOTO: fotolia / zinkevych/fotolia
Luckau. BTU-Projekt befragt Luckauer Senioren zu neuen Technologien in Gesundheit und Pflege. Von Carmen- Berg

Digitales Zeitalter und Senioren – geht das zusammen? „Die Antwort ist schwierig“, sagt Horst Brodatzki, der Vorsitzende des Luckauer Seniorenbeirates. Zwar besitze die Hälfte der Beiratsmitglieder ein Smartphone. Doch werde von den Anwendungsmöglichkeiten der Geräte nur ein Bruchteil genutzt. Viele Ältere trauten sich an Smartphone, Tablet und Co. nicht heran – aus Angst, es nicht zu packen. Vom Fachchinesisch der Berater in den Mobil-Shops fühlten sie sich meist überrumpelt. „Dennoch kommt an der der Digitalisierung keiner mehr vorbei“, weiß Horst Brodatzki.

Im Gesundheitswesen beispielsweise, einem Bereich, der ältere Bürger besonders betrifft, haben moderne Kommunikationsverfahren und Technologien längst Einzug gehalten. Kürzlich ist bei einem öffentlichen Forum im Luckauer Krankenhaus diskutiert worden, inwieweit digitale Medizin den Ärztemangel auf dem Land und weite Wege in die nächste Praxis abfedern könnte. Die Online-Kooperation des Krankenhauses mit dem Unfallklinikum Berlin-Marzahn bei der Auswertung von Röntgenaufnahmen ist längst Alltag. Eine andere Sache aber ist es,  sich vom Doktor per Skype „verarzten“ zu lassen. Auch Hilfe bei der Pflege durch Roboter war für die Gäste im Publikum schwer vorstellbar. Sie setzten wie Luckaus Altbürgermeister Harry Müller auf persönlichen Kontakt: „Das hat mit Vertrauen zu tun.“

Ein Projekt des Instituts für Gesundheit an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg will das jetzt genauer wissen. Die Macher unter Leitung von Prof. Dr. Juliane Eichhorn laden Luckauer der Generation 65plus zu einer Gruppendiskussion ein. Es soll an praktischen Beispielen erörtert werden, welche digitalen Lösungen sich Senioren vorstellen können und nutzen würden. Ziel des Projektes sei es, Meinungen älterer Menschen zu sammeln und für Entscheidungen zur Neu- und Weiterentwicklung digitaler Lösungen in Gesundheit und Pflege bereit zu stellen, erklärt Mirko Paul, akademischer Mitarbeiter im Institut für Gesundheit an der BTU. Ursprünglich sei an eine Fragebogenaktion gedacht, doch die Idee verworfen worden.  „Uns geht es darum, die Meinungen und die Probleme von den  älteren Menschen selbst zu hören“, sagt er.

Wer zur gesuchten Personengruppe 65plus gehört und bei der Gesprächsrunde in einem kleinen Kreis vor Ort in Luckau mitmachen möchte, kann sich umgehend bei der BTU unter der Telefonnummer 03573 3693869 melden und unter dieser Nummer auch mögliche Fragen loswerden. Ebenso nimmt Beiratsvorsitzender Horst Brodatzki unter Telefon 03544 557577 Interessenbekundungen entgegen.

Die BTU verweist darauf, dass die Gespräche zwar aufgezeichnet, jedoch vertraulich behandelt werden. Die Tonbänder werden  unzugänglich aufbewahrt und nach entsprechender Zeit vernichtet. In der Abschrift sowie in veröffentlichten Berichten werden keine Namen genannt und keine Hinweise auf Personen auftauchen, so die Uni.

Dass es sich auch in Luckau und Umgebung lohnt, über das Thema nachzudenken,  unterstreicht Nokia-Vertreter Tobias Friedrich mit Verweis auf  ein im Ortsteil Schlabendorf erfolgreich gestartetes Modellprojekt „Moro digital.“  Es habe nachgewiesen, dass schnelles Internet ohne aufwendiges Glasfaserkabel mittels Mobilfunk über größere Entfernungen funktioniert. Jetzt gehe es darum zu zeigen, dass ein entsprechendes Netz in kurzer Zeit aufgebaut und wirtschaftlich sein kann. Fördermittel vorausgesetzt, soll es 2019 losgehen.

Derzeit sind die Initiatoren dabei, die digitalen Einsatzmöglichkeiten in verschiedenen Branchen zu erkunden. Allein in der Landwirtschaft haben sie 40 verschiedene Anwendungsbereiche ausgemacht: Ähnlich breit sei das Spektrum der Möglichkeiten im Gesundheits- und Pflegebereich. Deshalb sei das Projekt der BTU auch für ihn von Interesse, sagt Tobias Friedrich.

„Wenn der Arzt per Handybild sehen soll, ob jemand Röteln hat, müssen Betroffene erstmal über die Fertigkeiten verfügen, solche Aufnahmen zu machen und zu überspielen“, sagt Horst Brodatzki. „Wir Älteren brauchen Menschen, die uns neue Technologien in einfachen Worten erkären.“