Am Morgen danach ziehen Kunden im Vorraum der Filiale der Mittelbrandenburgischen Sparkasse Geld am Automaten. Ein Mann will weiter in die Schalterhalle, doch die Türen bleiben zu. Auf einem Zettel steht: "Aus technischen Gründen geschlossen." Hinter dürren Worten verbirgt sich ein Drama, das sich am Vorabend kurz nach Schalterschluss ereignet hatte.

Laut Polizei hatten sich zwei unbekannte maskierte Männer über ein Fenster gewaltsam Zugang zu der für den Kundenverkehr bereits geschlossenen Bank verschafft. Sie bedrohten zwei Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter der Bank sowie eine Reinigungskraft mit Maschinenpistole und Revolver und zwangen sie zur Herausgabe von Bargeld. Die Täter fesselten alle Opfer und flüchteten mit ihrer Beute. Die Polizei spricht von einem "hohen Geldbetrag". Eine Zeugin, die Geld vom Automaten abheben wollte, bemerkte den Überfall und setzte einen Notruf ab. "Die Einsatzkräfte waren schnell vor Ort", sagt Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Trotz sofortiger Fahndung mit Fährtenhund und Hubschrauber konnten die Räuber jedoch entkommen. Die gefesselten Opfer befreiten sich selbst. Sie blieben unverletzt.

"Ich habe bemerkt, dass hinter der Tür etwas nicht stimmt", erzählt die Zeugin. Sie sei auf die Straße und mit einem weiteren Zeugen noch einmal in den Vorraum zurückgekehrt, um sich zu überzeugen. Beide hielten später weitere Kunden auf der Straße davon ab, noch an den Automaten zu gehen. "Wir hatten Angst, dass die Räuber beim Rauskommen schießen", so die Frau. Doch offenbar setzten sie sich nach hinten ab. "Wir haben sie nicht gesehen."

Polizeisprecherin Jana Birnbaum geht von Profis aus. Einen vergleichbaren Überfall habe es im Bereich der Polizeidirektion bisher nicht gegeben, sagt sie. Unklar sei, in welche Richtung die Räuber flüchteten und wo sie ihr Fahrzeug abstellten. Vor der Bank befindet sich die Straßenbaustelle der B 102. Der Tatort werde kriminaltechnisch untersucht. Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras seien gesichert worden, so die Sprecherin. Das Kommissariat Schwere Kriminalität ermittelt.

Die Dahmenser bekunden Mitgefühl mit den Angestellten. "Ich zittere, wenn ich daran denke, dass es auch uns in unseren Läden so gehen könnte", sagt Geschäftsfrau Dorothea Hilscher. Einige Händler sind selbst schon Opfer von Einbrechern gewesen. "Wir alle hier haben Angst", so Dorothea Hilscher. Schockiert ist auch Michaela Duwe. "Ich traue mich nach Schichtschluss jetzt nicht mehr auf die Straße. Und dabei habe ich gedacht, in einer Kleinstadt ist es sicher", sagt sie.

Gerd-Reiner Spieker sieht das ganz anders. "Wo der Polizeiposten abends nicht mehr besetzt ist und Einsatzwagen lange Wege haben, ist für Gauner der ideale Platz", so der frühere Polizist. Dahmes Bürgermeister Thomas Willweber (Freie Wähler) bezweifelt zwar, dass ein länger besetzter Posten diesen Überfall hätte verhindern können. Doch auch er fürchtet, viele Menschen machten sich nach den jüngsten Ereignissen noch mehr Sorgen um ihre Sicherheit.

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam nimmt zu den Ereignissen keine Stellung. "Zu Themen, die mit der Sicherheit zu tun haben, sagen wir nichts", so Sprecher Robert Heiduck. Nur so viel ist auf Nachhaken zu erfahren: Die Dahmer Filiale soll erst am kommenden Montag wieder öffnen.

Zum Thema:
Laut Polizei war einer der Männer zwischen 30 und 40 Jahre alt, 1,85 bis 1,90 Meter groß und kräftig. Er trug dunkle Kleidung, Trekkingschuhe und eine blaue Reisetasche. Der zweite Täter war zwischen 30 und 35 Jahre alt, 1,75 bis 1,80 Meter groß, schlank und bekleidet mit hellgrauer Jogginghose, dunkler Oberkleidung sowie kleinen, schmutzigen Sportschuhen. Er trug einen schwarzen Rucksack bei sich. Beide Männer sprachen gebrochen Deutsch mit einem osteuropäischen Akzent. Hinweise zu diesem Überfall werden erbeten an die Polizeiinspektion Teltow-Fläming, Telefon: 03371 600-0.