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| 12:07 Uhr

Bräuche aus Omas Zeit
Spinntefrauen pflegen Geselligkeit

In gemütlicher Runde treffen sich Frauen aus der Umgebung während der Wintermonate auf dem Höllberghof zu den Spinnteabenden. Dabei werden auch viele Tipps zu den Handarbeiten weitergegeben.
In gemütlicher Runde treffen sich Frauen aus der Umgebung während der Wintermonate auf dem Höllberghof zu den Spinnteabenden. Dabei werden auch viele Tipps zu den Handarbeiten weitergegeben. FOTO: Birgit Keilbach
Langengrassau. Brauchtumspflege auf dem Höllberghof hat eine lange Tradition.

 Es ist wieder Spinnteabend im Freilichtmuseum Höllberghof. 17 Frauen sitzen am Freitagabend im Kossätenhaus, stricken, sticken, häkeln und tauschen dabei die Neuigkeiten aus den Dörfern aus, diskutieren auch über die aktuelle Politik – von der Groko bis zum kommunalen Dauerthema  Trink- und Abwassergebühren. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Handarbeiten. Verschiedenste Dinge, die von den Frauen an den langen Winterabenden gefertigt wurden, machen die Runde und werden begutachtet.

Schon vor längerer Zeit hat Angelika Wirth in Streichholzschachteln Miniaturen arrangiert. Winzig und sehr detailgetreu sind Küche und Schlafzimmer nachgebildet, dafür gibt es Anerkennung von den Frauen. Jetzt allerdings hat sich die Bornsdorferin ans Strümpfe stricken herangewagt. „Die Wolle hat mir gut gefallen, und so probiere ich es einfach mal“, erzählt Angelika Wirth. Als sie mit dem Nadelspiel beim Stricken der Ferse nicht weiterkommt, hilft ihr Sieglinde Hering. Auch Renate Klinkmüller aus Pitschen-Pickel lässt sich von der Riedebeckerin noch ein paar Tipps für gelungene Strümpfe geben.

Hannelore Thiele stickt am liebsten. Einen Tischläufer verziert sie mit geübter Hand am Freitagabend. Sie kommt seit dem Beginn im Jahr 1993 zur Spinnte auf den Höllberghof. „Mir gefällt das gemütliche Beisammensein in der vertrauten Runde und es würde mir etwas fehlen, wenn es die Spinnte nicht mehr gäbe“, sagt die Langengrassauerin. Erinnerungen an früher kämen dabei auf, an jene Zeit, als die Frauen noch auf Strohballen im Kuhstall des historischen Dreiseitenhofes ihre Brauchtumspflege betrieben, beispielsweise. „Ich kann hier immer gut entspannen“, ergänzt Hannelore Thiele.

Irmgard Loos fand vor drei Jahren zur Spinnterunde. Die Zieckauerin hat einen Blumentopf mitgebracht, in dem sie gehäkelte Pilze arrangiert hat. „Das habe ich irgendwo mal gesehen und dann einfach selbst probiert.“ Auch sie schätzt die regelmäßigen Zusammenkünfte mit Gleichgesinnten. „Es ist eine schöne Gemeinschaft, wir geben uns Tipps und tauschen uns über viele Ideen aus.“

Eine davon holt Edelgard Haschke aus ihrer gut gefüllten Tasche voller Handarbeiten: umstrickte Ostereier aus Plastik. Eine Anregung, die gerade rechtzeitig kommt, um sie noch umzusetzen. Dazu ein gestrickter Osterhase als weitere Idee. Die Beesdauerin strickt nicht nur, sie spinnt, webt und näht auch schon seit vielen Jahren. Eine selbst gefertigte Jacke aus Schafwolle und ein wärmendes Tuch hat sie zur Anschauung mitgebracht. Viel Zeit und handwerkliches Geschick stecken darin, das wissen die Frauen aus eigener Erfahrung. Edelgard Haschke ist seit Dezember im Ruhestand und zum zweiten Mal auf dem Höllberghof dabei. „Ich probiere jetzt aus, was am besten zu mir passt“, erzählt die Beesdauerin, die auch schon bei der Domowina-Spinnte in Lübbenau war.

Vor zehn Jahren sei sie schon zur Spinnterunde auf dem Höllberghof gekommen, doch beruflich musste sie dann bis Frankfurt/Main pendeln. „Da hatte ich keine Gelegenheit, freitagabends zu kommen“, sagt die Beesdauerin.

Die Spinnte ist auch ein kulinarischer Abend. Jede der Frauen bringt etwas Leckeres aus der eigenen Küche mit. Schmackhafte belegte Brote mit Wurst, Käse, Fisch, Gänse- und Wildschwein-Griebenschmalz werden auf den Tisch gestellt. Fruchtspieße, Obstsalat, eine kleine Torte und ein noch warmer Zwiebelkuchen werden zu Tee und Kaffee vernascht. So manches Rezept wird dabei ausgetauscht.

Der letzte Spinnteabend dieses Winters findet am Freitag, 23. Februar statt. Ihren Abschluss findet die Wintersaison auf dem Höllberghof am Freitag, 16. März, mit dem Spinnteball. Beginn ist jeweils um 18 Uhr im Kossätenhaus des Freilichtmuseums.