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| 18:41 Uhr

Junge Forscher
Gründer geben den Staffelstab ab

  Julia Scholz, Charotte Pomplun, Thomas Hessler, Anilka Scholz und Leonie Exler (v.l.) gehören zu den Geehrten im Wettbewerb um den Bohnstedt-Schülerpreis.
Julia Scholz, Charotte Pomplun, Thomas Hessler, Anilka Scholz und Leonie Exler (v.l.) gehören zu den Geehrten im Wettbewerb um den Bohnstedt-Schülerpreis. FOTO: LR / Carmen Berg
Die Vergabe des Bohnstedt-Schülerpreises am Freitag am Luckauer Gymnasium trug einen Hauch von Abschied. Der Förderverein Naturpark Niederlausitzer Landrücken als Träger des naturwissenschaftlichen Wettbewerbsteils zieht sich zurück. Der Verein löst sich auf. Von Carmen-Sylva Berg

 „Alles hat seine Zeit“, sagt Dr. Hubert Illig vom Naturpark-Förderverein bei der Preisverleihung in der Aula. Mit dem Biologischen Arbeitskreis „Alwin Arndt“ hatte er den Wettbewerb für naturwissenschaftliche Arbeiten vor fast 30 Jahren begründet, später trat der Naturpark-Förderverein die Nachfolge an. Einmal im Jahr werden Gymnasiasten für ihre intensive, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit einem selbst gewählten Thema ausgezeichnet. Seit 2011 prämiert darüber hinaus der Förderverein des Gymnasiums gelungene Beiträge zu Themen der Geschichte, deutschen Sprache, Ethik und Religion, Kunst, Politik und Sport. „Wir wollten auch Schülern eine Chance zum Mitmachen geben, deren Begabungen auf diesen Gebieten liegen“, so die Vereinsvorsitzende.

Gut möglich, dass der Schul-Förderverein den Wettbewerb künftig allein stemmen muss. Wie die Zusammenarbeit von regionalen Naturkundlern und Gymnasium weitergeht, soll in Gesprächen noch geklärt werden, sagt Helmut Donath, Vorsitzender des Naturpark-Fördervereins. Er sichert zu, der Schule verbunden zu bleiben. Doch Jury-Vorsitzender für den naturwissenschaftlichen Part war  er wohl zum letzten Mal.

Wie er sagte, lagen den Juroren 18 Arbeiten aus den Bereichen Biologie, Physik und Geografie vor, „auf einem Niveau von zufriedenstellend bis begeisternd“. Besonders hebt er den Gewinner des ersten Preises, Robin Karras, hervor. Ihm sei es zu seinem Thema „Schallwellen“ gelungen, trockene Physik packend mit Erfahrungen beim Gitarrenspiel zu verbinden. „Man spürt förmlich, wie ihn das Thema fasziniert.“

Von vier zweiten naturwissenschaftlichen Preisen gingen zwei an die Schwestern Anika und Julia Scholz, die sich als Abiturientinnen im vergangenen Schuljahr mit Themen aus der Medizin befasst hatten, Anika mit der Ruptur des vorderen Kreuzbandes, Julia mit Astma Bronchiale – Erkrankungen, mit denen beide eigene Erfahrungen haben. Auch Preisträgerin Leonie Exler war auf ihr Thema „Schlaganfall – eine unvermeidbare Krankheit?“ durch zwei Fälle im persönlichen Umfeld gekommen – einen aus dem Jahr 1988, den anderen aus jüngster Zeit. „Es ist erstaunlich, wie sich die medizinischen Möglichkeiten entwickelt haben, Schlaganfallpatienten können heute schon im Krankenwagen behandelt werden“, sagt sie. Neben Interviews mit Betroffenen und Angehörigen beschreibt Leonie einfache Tests, um die Erkrankung schnell zu erkennen. „Einfache Sätze nachsprechen, die Hände über dem Kopf zusammenführen – wo das Probleme macht, ist Eile geboten.“

Ob mit der Ultra-Szene im Fußball am Beispiel von Energie Cottbus oder der bewegenden Beschreibung vom Alltag mit einem Korsett bei Skoliose – vielfältig war die Palette der 21 Arbeiten, die die Jury des Schul-Fördervereins zu bewerten hatte. Fünf gleichrangige Preise sowie ein weiterer für einen lebendigen Bericht über ein Schülerpraktikum gingen an Neuntklässler des Vorjahres. Auch Jessica Wilde war unter ihnen. Sie punktete mit dem Thema Sekten am Beispiel der Colonia Dignidad. Seelenfänger aller Art seien jederzeit eine Gefahr, sagt Jessica.  „Aber mit einem sicheren sozialen Umfeld, Freunden und Familie, ist man weniger anfällig.“

Geschichte ist die Leidenschaft von  Preisträger Thomas Hessler, Abituerient des Vorjahres. Für seine Arbeit reiste er zurück in die Zeit zwischen 264 und 241 v. Chr., als der Erste Punische Krieg zwischen Karthago und Rom ausgetragen wurde. Wie entstehen Kriege? Warum war zwischen beiden Reichen keine Koexistenz möglich? „Das ist spannend, und man bekommt einen neuen Blick auf die Konflikte heutzutage in der Welt“, sagt Thomas Hessler.

Charlotte Pompllun beschäftigte sich mit einer Frage, die jeden betrifft. Sie ergründete Denk- und Verhaltensweisen, die auf lange Sicht zum Unglücklichsein führen und Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken. „Glücklichsein kann man üben, es ist eine Frage der Perspektive“, hat sie festgestellt und nennt als einen Aspekt Dankbarkeit. „Wir sollten uns bewusst machen, wie gut es uns eigentlich geht und nicht alles für selbstverständlich halten“, gibt die Preisträgerin den anderen mit auf den Weg.