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Blutbuchen, Platanen, Fichten, Eichen

Ardo Brückner (vorn rechts) hat die Gruppe gestern durch den Schlosspark in Fürstlich Drehna geführt.
Ardo Brückner (vorn rechts) hat die Gruppe gestern durch den Schlosspark in Fürstlich Drehna geführt. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Fürstlich Drehna. Eine Wanderung durch den Schlosspark in Fürstlich Drehna (Stadt Luckau) ist offensichtlich interessant. Erst recht, wenn es Tipps und Erläuterungen vom Experten gratis dazu gibt. Etwa 40 Leute sind gestern Vormittag in Luckaus Ortsteil gekommen, um sich durch den Park führen zu lassen. Andreas Staindl / asd1

Der Schlosspark in Fürstlich Drehna ist längst auch überregional bekannt. Er zählt zu den schönsten ländlichen Parkanlagen in der Lausitz. Dass sich dennoch so viele Leute an der Wanderung auf fürstlichen Wegen beteiligten, überraschte dann aber schon. Vor allem auch deshalb, weil fast alle Teilnehmer aus der Region stammen, den Park zumindest vom Hörensagen kennen, wie sie erklärten.

Eine geführte Wanderung ist eben doch etwas anderes. Wenn die Gruppe dann auch noch von Ardo Brückner angeführt wird, ist das wie ein Streifzug durch die Biologie der Pflanzenwelt, vor allem aber der Bäume, und der Welt der Adelsfamilien - der Herrschaften in Fürstlich Drehna. Brückner ist der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Fürstlich Drehna. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Schlosspark. Ihm und den anderen Vereinsmitgliedern ist es zu verdanken, dass der Park heute ein attraktives Aussehen hat und zum Flanieren und Wandern einlädt. Schon in den 1980er Jahren hatte sich ein Parkaktiv für den Erhalt der grünen Oase eingesetzt. Leicht war das nicht. "Wir hatten keine Pläne wie der Park früher einmal aussah", erzählt Ardo Brückner. "Reichlich Skeptiker gab es auch."

Und doch machten sich die anfangs zwölf Leute des Parkaktivs auf den Weg, dem Schlosspark wieder ein schmuckes Erscheinungsbild zu geben. Durch den herangerückten Tagebau waren schon 22 Hektar Fläche überbaggert, Wege zerfahren, wie der Vereinschef sagt. Mit ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen und viel Weitsicht hatte das Parkaktiv gegengesteuert. Der Schlosspark wurde saniert. Alte Restbestände wurden gesichert. Die Pflege der Altbestände musste intensiviert, Schad- und Bruchholz beseitigt, Nachpflanzungen realisiert werden. Zudem wurde das Parkwegenetz instandgesetzt.

Die sanierten Wege machen das Erkunden des Parks heute problemlos möglich. Der Schlosspark ist sicherlich zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Die derzeitige Herbststimmung ist allerdings schon etwas ganz Besonderes, wie gestern deutlich wurde. Der leichte Frühnebel und der teils bedeckte Himmel sorgten für eine besondere Atmosphäre. Hin und wieder blinzelte die Sonne durch die Wolkendecke und tauchte einzelne Bäume in ein spektakuläres Licht. Ardo Brückner wies immer wieder darauf hin. Auch auf die farbige Baumreihe am Eingang des Parks. Der Herbst färbt die Blätter der Bäume allmählich bunt.

Das Bild, das sich so ergibt, sei nicht zufällig entstanden, sondern mit der Pflanzung der Bäume bewusst inszeniert worden, erklärt der Vereinschef. Durch prägende Bäume im Park ergeben sich mehrere Sichtachsen. Einer Douglasie, ursprünglich in Nordamerika beheimatet, kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie wurde 1886 von Karl von Wätjen gepflanzt, dem damalige Besitzer der Herrschaft Fürstlich Drehna. 2006 wurde der Baum zum bisher letzten Mal vermessen. Damals war er 38 Meter hoch. "Keine andere Douglasie in der Niederlausitz ist so alt wie unsere", sagt Ardo Brückner.

Er führte die Teilnehmer gestern auch entlang der Grenze zum ehemaligen Kippengelände, wo der Park um zwölf Hektar erweitert wurde. Der dortige Kammweg ist ihm zufolge einer der schönsten Wege im Schlosspark. Doch er darf aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden.

Der begehbare Park lässt sich allerdings auf gut geführten Wegen erschließen. Lichtungen wechseln mit Baumgruppe und einzelnen Bäumen. Der Schlosspark in Fürstlich Drehna ist geprägt von riesigen Blutbuchen, Platanen, Fichten, Goldpappeln, Eichen und anderen imposanten Bäumen. Zu fast jedem kann Ardo Brückner eine Geschichte erzählen. Das macht die zweistündige Wanderung kurzweilig und lehrreich.

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