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| 02:50 Uhr

Bleibt das Schwein auf der Strecke?

Glienig. Die früheren Ämter Unterspreewald und Golßener Land bilden seit fast einem Jahr ein gemeinsames Amt. Jetzt soll auch ein neues Wappen her. Diskutiert wurde schon länger darüber. Drei Entwürfe liegen vor. Keiner davon hat jedoch während der Amtsausschusssitzung in Glienig Zustimmung gefunden. Andreas Staindl / asd1

Ein Wappen ist ein Wappen. Nicht mehr und nicht weniger. Es kann aber auch zur Zerreißprobe führen. Das künftige Wappen des Amtes Unterspreewald polarisiert. Während Ausschussmitglieder des alten Amts Unterspreewald mit den Entwürfen hätten leben können, lehnten Mitglieder des früheren Amtes Golßener Land diese ab. Sie beklagen das Fehlen des Ebers in den Vorlagen.

Ein Schwein hatte das Amtswappen des Golßener Lands geprägt, ist auch auf dem Wappen der Stadt Golßen zu sehen. Auf dem neuen Entwurf nimmt die Libelle den größten Raum ein - das Wappentier des alten Amts Unterspreewalds. "Die Prachtlibelle ist sehr dominant", kritisiert Hartmut Laubisch (SPD, Golßen). "Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns als einzige Stadt im Amt auf dem neuen Wappen wiederfinden." Bei der damaligen Kreisgebietsreform sei das auch gelungen.

Golßens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) sagt: "Wenn wir uns schon auf Augenhöhe begegnen wollen, dann müssen auch die Wappentiere beider ehemaligen Ämter auf das neue Wappen, nicht nur die überdimensionierte Libelle." Mit den jetzigen Vorschlägen könne er nicht leben; sie hätten auch bei den Golßener Stadtverordneten keine Begeisterung ausgelöst. "Sie finden das Golßener Land auf dem Entwurf nicht wieder", sagt Kolan. Er kritisiert, dass zu 90 Prozent das alte Amt Unterspreewald vertreten ist.

Jens-Hermann Kleine (CDU) verteidigt die Libelle. "Sie ist ein einmaliges Wappentier, das es deutschlandweit auf keinem anderen Wappen gibt", erklärt der Amtsdirektor. Er habe während früherer Beratungen nie herausgehört, dass der Eber im neuen Wappen eine Rolle spielen soll.

Gerhard Buschick (Krausnick/Groß Wasserburg) bestätigt ihn: "Den Mitgliedern des früheren Amts Golßener Land waren die Mühlenräder bisher wichtiger als das Schwein." Wolfgang Luplow (Steinreich) weist das zurück: "Es ging uns immer darum, im neuen Wappen auch unsere Geschichte zu bewahren. In den jetzt vorliegenden Entwürfen aber ist das Schwein auf der Strecke geblieben." Steinreichs Bürgermeister hätte den Beschluss gern von der Tagesordnung genommen und das Thema in einer kleinen Arbeitsgruppe diskutiert. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt. Manfred Mietusch (Bersteland) befürchtete, dass es während der Sitzung "zur Kampfabstimmung kommt. Und dann bleibt immer etwas hängen." Auch er hätte gern eine Arbeitsgruppe gesehen. Der Ausschussvorsitzende Rainer Kleemann (Schönwald) wollte das Thema während der Beratung diskutieren: "Eine Arbeitsgruppe bringt nichts", betonte er.

Die strittigen Entwürfe stammen von einem Heraldiker. Werner Hämmerling (Schlepzig) ist von dessen Ergebnissen enttäuscht: "Von einem Fachmann hätte ich mehr erwartet." Erwin Hormann (Krausnick) war von der Diskussion sichtlich genervt. "Mir ist es egal, wie das Wappen aussieht." Der Beschluss wurde schließlich zurückgestellt, eine Entscheidung verschoben. Die Verwaltung wurde beauftragt, neue Entwürfe anfertigen zu lassen, auf denen die Libelle und der Eber zu sehen sind.

Zum Thema:
Durch eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung der zehn amtsangehörigen Gemeinden der Ämter Golßener Land und Unterspreewald war zum 1. Januar 2013 ein neues Amt gebildet worden. Es trägt den Namen "Unterspreewald" und hat seinen Sitz in der amtsangehörigen Stadt Golßen. Die beiden Ämter hatten den Weg der Fusionierung freiwillig beschritten. Im einstigen Amtsbereich Golßen leben gut 4600, im früheren Unterspreewald noch 4800 Menschen. Für die Zukunft wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet.