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| 11:02 Uhr

Biogasanlage in Gröditsch umstritten

Groß Leine. Eine Bioethanolgasanlage will ein Investor im alten Speicher nahe des Bahnhofs Groß Leuthen, noch auf Gröditscher Gebiet, einrichten. Die Anlage soll sich dort mit der Produktion von Kiefernnadelöl ergänzen. Am Dienstagabend hat Siegfried Silbe von der Biogastechnologie GmbH Berlin den Gemeindevertretern Märkische Heide und ihren Gästen das Vorhaben erklärt. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. Die Haltung des Gremiums bleibt skeptisch. Von Ingvil Schirling

Schon im vorangegangenen Hauptausschuss hatte sich quer durch die Parteien eine zögerliche Haltung abgezeichnet. Einerseits könne man nicht alles ablehnen, wiederholte Dieter Freihoff (SPD) am Dienstagabend, und "so ein Investor kommt ja nicht alle drei Tage vorbei", so Klaus-Dieter Grocholeske (Pro Bürger). Andererseits "kann ich mir kaum vorstellen, dass es ohne Staub- und Geruchsbelästigung abgeht", so Gerd Kulla (Pro Märkische Heide). "Ich bin sehr skeptisch, dass in dieser Nähe von Wohnbebauung so eine Anlage errichtet werden sollte." Der Ortsbeirat habe sich jedenfalls dagegen ausgesprochen, informierte er. Dessen Votum spielt bei Entscheidungen der Gemeindevertretung Märkische Heide in der Regel eine große Rolle. Ob es denn nicht in der Nähe von Beeskow andere, ebenso geeignete Gebäude gebe, fragte Kulla. Aus Beeskow sollen die Holzabfälle kommen, die für die Produktion des ätherischen Öls benötigt werden. Wie Siegfried Silbe von der interessierten Biogastechnologie GmbH Berlin informierte, wird dazu der Bastanteil in der verarbeitet. 175 Liter Kiefernnadelöl sollen pro Jahr auf diese Weise hergestellt werden, wozu nach Silbes Angaben 3500 Tonnen Holzabfälle aus Beeskow gebraucht würden, ebenfalls pro Jahr, wie er auf Nachfrage sagte. Gekoppelt werden solle dies mit der Erzeugung von Wärme und Energie über Biogas, wofür einerseits die Reste der ausgekochten Rinde verwertet würden, andererseits 1000 Tonnen Roggen pro Jahr und in der Anfangsphase 20 Kubikmeter Rindergülle pro Tag. Personell sollen die beiden Anlagen mit sieben Arbeitskräften besetzt werden. "Kiefernnadelöl ist eine sehr gefragte Sache", sagte Siegfried Silbe über die Absatzchancen. Es werde gesundheitlich eingesetzt, aber auch zur Lack- und Farbenherstellung benötigt. Die Gebäude gehören nach seinen Angaben dem Land Brandenburg, welches auch bereit sei, sie an die Biogastechnologie GmbH zu verkaufen. Ihm gehe es nun darum, so Silbe, mit den Gemeindevertretern im Vorfeld zu klären, ob die Produktion dort stattfinden könne. Dass sich Pläne von Investoren ändern können, haben diese allerdings schon einmal im Zusammenhang mit einer Biogasanlage erfahren. Entsprechend vorsichtig waren die Reaktionen. "20 Kubikmeter Rindergülle in der Anfangsphase", nahm Bernd Neumann (SPD) den Faden auf, "wie viele sind es denn nach der Anfangsphase?" Auch Peter Ostwald (Pro Bürger) machte die mögliche Geruchsbelästigung Sorgen. Biogastechnologie-Geschäftsführer Alfred Schymalla erklärte, dass Gülle für die Biogasanlage dann sinnvoll sei, wenn sie "nebenan" produziert würde und nicht lange angefahren werden müsse. Das sei beim geplanten Standort nicht der Fall. "Wir arbeiten sehr effektiv mit Roggen", sagte er und rief dessen Getreide-Geruch in Erinnerung. Die Rinde werde feucht angeliefert und staube daher nicht, so Silbe. Beide versicherten, dass nach der Anfangsphase keine Gülle verwendet werden soll. "Aus unserer Sicht entsteht also keine sehr große zusätzliche Belastung für die Anwohner", so Schymalla. Jürgen Nowigk (Pro Märkische Heide) schlug vor, gemeinsam eine Anlage zu besuchen, "die der geplanten wirklich vergleichbar ist", um sich ein eigenes Bild von Staub und Geruch machen zu können.