| 02:51 Uhr

Besorgte Bürger, coole Experten

Klaus Freytag
Klaus Freytag FOTO: Karen Grunow
Münchehofe. Die geplante Gasförderung im Raum Märkisch Buchholz hat im Mittelpunkt einer Diskussionveranstaltung in Münchehofe gestanden. Eine engagierte Bürgerinitiative befürchtet, dass das Grundwasser gefährdet ist. Karen Grunow

Bis auf den letzten Platz besetzt war der große Saal der Gaststätte in Münchehofe zur zweiten Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative "Bürger in Bewegung..." (BI). Deren Akteure engagieren sich gegen die geplante Gasförderung in der Region. "Unser Wasser ist unser Leben" war das Thema des Abends, zu dem die BI mehrere Gäste aufs Podium geladen hatte: Klaus Freytag, Präsident des zuständigen Landesamtes für Bergbau, sowie Helge Albert, Leiter der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald, und Gunnar Assmann, Projektleiter von Gas de France Suez, das nun in Märkisch Buchholz und Münchehofe Gas fördern und aufbereiten möchte.

"Wer das Wasser gefährdet, gefährdet die Identität unserer Region", betonte zunächst Robert Rupp von der BI. Dazu wurde eine kurze Dokumentation des NDR über Gasbohrungen in Rotenburg an der Wümme gezeigt. Der Film erzählt von der Sorge der Menschen über die Kontamination des Grundwassers durch Benzol und Quecksilber, die bei der Gasförderung mitgeführt werden. Ein kurzer Film, der die Besucher in Münchehofe spürbar erschütterte. "Wiegt die Ausbeute das Risiko auf?", fragte Rupp, bevor Bergbau-Experte Klaus Freytag die geologischen Voraussetzungen der Region für die Gasförderung erläuterte. "Die Lagerstätte ist altbekannt, schon in den 60er-Jahren wurde hier gebohrt", so Freytag. Dabei sei Gas aus nahezu 3000 Metern Tiefe befördert und untersucht worden. Nach der Wende erhielt Gas de France (GdF) für ein definiertes Konzessionsfeld das Bergbaurecht.

Wie sehr die BI mit dem Thema des Abends den Nerv der Menschen getroffen hatte, zeigten dann die teils aufgebracht vorgetragenen Fragen, mit denen sich vor allem Wasserexperte Helge Albert konfrontiert sah. So müssen sich sämtliche Haushalte des Märkisch Buchholzer Ortsteils Köthen selbst über das Grundwasser versorgen. "Wir gehen nicht davon aus, dass durch Gasförderung an sich Grundwasser verunreinigt wird", so Albert. "Ich persönlich halte es für gut und sicher, wenn das Wasser dorthin gebracht wird, wo es herkommt", erklärte Freytag in Bezug auf mögliche Versenkbohrungen für das an diesem Abend viel diskutierte Lagerstättenwasser.

Er erläuterte den Zeitplan des Genehmigungsverfahrens für die GdF-Förderpläne: Im Herbst werden Fachbehörden beteiligt, im Winter 2016 finde die reguläre Öffentlichkeitsbeteiligung statt. Frühestens im Jahr 2017 solle dann eine Entscheidung fallen. Klaus Freytag versprach, die Ergebnisse der ersten Fachbehörden-Beteiligung im Herbst öffentlich zu präsentieren. Den rund 130 Bürgern wurde bei der Diskussionsrunde in Münchehofe außerdem von Freytag und Assmann zugesichert, dass das Lagerstättenwasser und das Grundwasser der Region aktuell analysiert und die Ergebnisse vorgestellt werden.