Von Andreas Staindl

Die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu Christi wird heute in Kirchen weltweit erzählt. Vor allem Kinder überbringen die frohe Botschaft. In Fürstlich Drehna (Stadt Luckau) übernehmen das Erwachsene. Sie führen die Weihnachtsgeschichte allerdings erst am zweiten Weihnachtsfeiertag ab 10 Uhr in der evangelischen Kirche im Ortsteil auf.

„Seitdem wir das machen, ist unsere Kirche auch am zweiten Feiertag gut besucht“, erzählt Petra Schulz. „Die Aufführung hilft, auf unsere Kirchengemeinde und unsere Kirche aufmerksam zu machen. Sie belebt unser kirchliches Leben.“

Einwohner des Dorfs, aber auch umliegender Orte spielen mit. Seit Wochen schon wurde geprobt. „Ich genieße die wöchentlichen Proben“, sagt Ina Stoppe. „Sie sind eine schöne Auszeit vom hektischen Alltag gerade vor Weihnachten. So muss die Adventszeit sein. Und mit unserer Aufführung bereiten wir den Besuchern ein schönes Erlebnis am zweiten Feiertag. Darauf freue ich mich schon.“

Die Weihnachtsgeschichte in Fürstlich Drehna wird modern erzählt. Selbst das Rettungspaket der Kanzlerin spielt eine Rolle. Immer wieder gibt es Aussagen der heutigen Zeit, die geschickt in den klassischen Text integriert wurden. „Wir haben aktuelle Themen mit eingebaut, auch lustige Textstellen drin, jedoch ohne den eigentlichen Sinn zu verfälschen“, sagt Petra Schulz. „Es ist uns wichtig, den Besuchern eine Botschaft mit auf den Weg zu geben, ihnen Einblick in das kirchliche Leben zu ermöglichen. Das kam bisher sehr gut an.“

Elf Frauen und Männer spielen mit. Bernd Kugel hat gleich mehrere Aufgaben übernommen. Er ist der Sprecher, führt quasi durch die Geschichte, kümmert sich um die Elektrik und die Dekoration. Auch Uwe Schulz engagiert sich. „Ich mache das gern, denn es bringt unserer Kirche Aufmerksamkeit.“ Er spielt am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Engel – gemeinsam mit Helmar Stoppe. Dass diese Rollen in Fürstlich Drehna Männer übernehmen dürfen, spricht für die Harmonie in der Gruppe, auch wenn Bernd Kugel die Zügel während der Proben fest in der Hand hat. Wer ist wann dran mit seinem Text? Und wo muss er dann stehen? Damit alle Besucher die Weihnachtsgeschichte gut verfolgen können, die Akteure nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen sind, ist eine kleine Bühne im Altarraum aufgebaut. Diese und auch die anderen Requisiten haben die Mitwirkenden selbst angefertigt.

Das Projekt in Fürstlich Drehna ist auch für Nichtchristen spannend. „Ich bin Atheist, aber dennoch mit Begeisterung dabei“, sagt Helmar Stoppe. „Es ist doch für unser Dorf. Und da bringe ich mich gern ein, zumal auch meine Frau mitspielt.“ Christiane Köhn hat ebenfalls eine Rolle übernommen. Für sie ist es eine Premiere. „Ich genieße den Kontakt zu den anderen Mitwirkenden, zu den Leuten in der Kirche. Es ist ein schönes Gefühl, so, als wenn man nach Hause kommt.“ Christiane Köhn stammt aus Berlin, wohnt noch nicht lange in Fürstlich Drehna. Der Kontakt zur Kirchengemeinde sei über die Pfarrerin vor etwa einem Jahr entstanden. „Ich war zum Basteln und fand das wunderschön. Als ich gefragt wurde, ob ich die Weihnachtsgeschichte mitspiele, habe ich gern zugesagt. Es bedeutet mit viel, das, was Kirche ausmacht, an andere Menschen weiterzugeben. Die Kirchengemeinde ist eine Bereicherung für mich“, sagt Christiane Köhn. „Sie erleichtert mir das Ankommen und Einleben hier im Ort.“

2011 wurde die Weihnachtsgeschichte zum ersten Mal von Erwachsenen unter Führung des Gemeindekirchenrats in Fürstlich Drehna aufgeführt. Inzwischen wird alle zwei Jahre dazu eingeladen. Am 26. Dezember ab zehn Uhr in der evangelischen Kirche in Luckaus Ortsteil ist es wieder so weit. Dann erzählen erneut Mitglieder des Gemeindekirchenrats und andere Bürger die Geschichte von der Geburt Jesu Christi.