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| 12:08 Uhr

Beratung und Begegnung
Eine Annäherung entwickelt sich

 An jedem Freitag ist Vorlesestunde im Quartier 53. Aus, Yara und Len schauen sich die Bilder an und lauschen abwechselnd Marita Riehm, die auf Deutsch vorliest, und der Arabisch-Lehrerin Rana Al Houran, die den Text in arabischer Sprache liest (v.r).
An jedem Freitag ist Vorlesestunde im Quartier 53. Aus, Yara und Len schauen sich die Bilder an und lauschen abwechselnd Marita Riehm, die auf Deutsch vorliest, und der Arabisch-Lehrerin Rana Al Houran, die den Text in arabischer Sprache liest (v.r). FOTO: Birgit Keilbach
Seit April bietet der Verein „Mensch Luckau“ gemeinsam mit Diakonie und Caritas Beratung und Begegnung im Quartier 53 am Luckauer Mühlberg an. Erste positive Effekte sind spürbar.   Von Birgit Keilbach

Freitagnachmittag ist Vorlesestunde für Kinder im Quartier 53. Erwartungsvoll sitzen die siebenjährige Len, die neunjährige Yara und der achtjährige Aus auf ihren Plätzen im Begegnungszentrum. Marita Riehm vom Verein „Mensch Luckau“ und Rana Al Houran, die an der Luckauer Grundschule Arabisch unterrichtet, lesen abwechselnd aus einem zweisprachigen Buch vor. „Es ist wichtig, dass die Kinder auch ihre Muttersprache lernen, damit sie sich später gut in ihren Heimatländern integrieren können“, erläutert die Lehrerin. Um ihre Kenntnisse zu vertiefen, lesen die Kinder anschließend selbst die Texte. „Selber lesen macht Spaß und die Geschichten sind immer schön“, erzählt Aus.

Ausgesucht haben sich die syrischen Kinder die Geschichte „Herr Hase und Frau Bär“. Darin geht es um die nicht ganz einfache Nachbarschaft der zwei ganz unterschiedlichen Bewohner eines Hauses. Herr Hase ist sehr ordentlich und ärgert sich über Frau Bär, die es eher gemütlich mag und mit dem Haushalt weniger am Hut hat. Doch wenn ihre Brüder kommen, wird musiziert und getanzt. Das gefällt auch Herrn Hase. Und so nähern sich die zwei ungleichen Nachbarn allmählich an, helfen sich schließlich gegenseitig.

Nachbarschaft gemeinsam zu gestalten, das ist auch die Idee hinter dem Quartier 53 im Wohngebiet Am Mühlberg. Hier haben viele geflüchtete Familien ein Zuhause gefunden. Der Stadtteilladen ist Anlaufpunkt für Alteingesessene und Neubürger gleichermaßen, wie Susanne Herms, Vorsitzende des Vereins „Mensch Luckau“ betont. Gemeinsam mit dem Migrationsfachdienst von Caritas und Diakonie bietet der Verein Beratung, Unterstützung und Möglichkeiten der Begegnung.

„Wir bieten jetzt an drei Tagen in der Woche fachliche Beratung an einem Ort an“, sagt Heike Kötter, Regionalleiterin des Migrationsfachdienstes der Diakonie. Das umfasse eine individuelle Beratung von Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, ebenso wie die Unterstützung von Migranten, die schon länger in Deutschland leben und Dinge im Zusammenhang mit ihrem Heimatland klären wollen. Ergänzt werde das Angebot von einer sozialen Beratung, bei der Themen wie Familiennachzug, Wohnungssuche, Arztbesuche und weitere im Fokus stehen. Vorteilhaft sei die Wohnortnähe. „So können die Menschen spontan mit ihren Fragen zu uns kommen.“ Das Angebot von „Mensch Luckau“ biete eine gute Ergänzung. „Wenn der Verein nicht weiterhelfen kann, kommen die Leute in unsere fachliche Beratung“, zeigt Heike Kötter den Effekt auf.

Jeden Dienstag halte der Verein die Tür für vertrauliche Gespräche zu Fragen des alltäglichen Zusammenlebens für alle Luckauer offen. „Da kommen Nachbarn, die sich über zu große Lautstärke beschweren oder wenn die Treppenreinigung nicht funktioniert. Wir helfen auch bei allem, was für die Bewerbung nötig ist, bei Anträgen für Kindergeld, Wohngeld oder Arbeitslosengeld“, nennt Susanne Herms Beispiele. Der Raum sei auch für Gespräche im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs nutzbar. Zudem kümmerten sich die Vereinsmitglieder um Ansprüche aus dem Teilhabe- und Berechtigungspaket, beispielsweise Zuschüsse für die Mitgliedschaft in Sportvereinen. Sehr gern werde der vom Unternehmen UKA gesponserte Bus ausgeliehen. „Senioren nutzen ihn für Fahrten zu Veranstaltungen, Kitas leihen ihn aus, Vereine, die Kirche, der CVJM“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Jeden Mittwoch öffnet das Begegnungscafé des Vereins im Quartier 53. Hier können sich die neuen und alten Nachbarn zwanglos begegnen. Auch erste deutsche Bewohner des Wohnviertels kämen bereits, um zu helfen. „Annäherung ist ein Prozess, der sich allmählich entwickeln muss“, sagt Susanne Herms. Dass der Verein auch am Wochenende die Räume offen hält, sei noch nicht so bekannt. Daher plant der Verein ein Sommerfest. Möglich seien auch Filmabende für Kinder, Kindergeburtstage und andere Dinge. „Wir brauchen noch Mitstreiter, die selbst die Initiative ergreifen.“ Palwasha Obaidy brachte ganz spontan eine Idee ein. Im Vorübergehen entdeckte sie die freitägliche Vorlesestunde. „Man könnte die Lesestunde auch in Persisch und Deutsch machen. Dann könnten auch die afghanischen Kinder kommen“, regte die aus Afghanistan stammende Lehrerin an. Das Vorlesen in Persisch würde sie sehr gern übernehmen.