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Bekommt Uckro eine Museumsbahn?

Von der früheren Schönheit des denkmalgeschützten Gebäudes ist nicht mehr viel zu sehen. Eisenbahn-Enthusiasten wollen das ändern.
Von der früheren Schönheit des denkmalgeschützten Gebäudes ist nicht mehr viel zu sehen. Eisenbahn-Enthusiasten wollen das ändern. FOTO: be
Luckau. Ein Museumszug könnte künftig auf den stillgelegten Gleisen der Niederlausitzer Eisenbahn wieder Fahrgäste von Uckro nach Luckau und Lübben befördern. Die kühne Idee eines Fördervereins hat dessen Vize-Chef Ralf Wulf vor dem Luckauer Bau- und Wirtschaftsausschuss vorgestellt. Carmen Berg

Einst verkehrte die eingleisige Nebenbahn zwischen Falkenberg/Elster und Beeskow. Die letzten Waggons, im Volksmund liebevoll "Ferkeltaxi" genannt, ratterten in der Luckauer Region in den 2000er Jahren nur noch zu besonderen Anlässen über die Gleise. "Zur Rochauer Waldweihnacht waren die Wagen proppenvoll", erinnert sich Cornelia Klinkmüller (SPD).

Ein Teil der insgesamt 113 Kilometer Gleisanlagen wurde demontiert. Doch auf knapp 50 Kilometern zwischen Uckro und Lübben seien Schienen noch vorhanden, sagt Ralf Wulf. Mit weiteren Enthusiasten des Fördervereins "Pro Eisenbahn Oderbruch" will er die Anlagen retten und damit zugleich verhindern, dass die Strecke entwidmet wird.

Wie der Vereinsname verrät, hatten Ralf Wulf und seine Mitstreiter eine solche Reaktivierungsidee bereits im Oderbruch. Verhandlungen mit dem Streckeneigentümer seien jedoch gescheitert, sagt er. Für die Luckauer Strecke stehen dem Vize-Vereinschef zufolge die Chancen besser. Sie gehört der Deutschen Regionaleisenbahn (DER). Vorgespräche dort seien Erfolg versprechend verlaufen.

Deshalb suchen die Projektinitiatoren einen Vereins-Sitz und stießen auf den so genannten alten Bahnhof in Uckro. Das Denkmalhaus gegenüber dem Hauptgebäude gehört der Stadt. Es steht leer und verfällt. Bislang fehlten für eine Sanierung Geld und Konzepte. Ralf Wulf könnte sich neben Vereinsräumen ein Eisenbahnmuseum vorstellen. Rückenwind bekommen die Oderbrucher von Luckauer Eisenbahnfreunden, die sich im Förderverein Niederlausitzer Eisenbahn zusammengefunden haben. Deren Vertreter Eckhard Kochte steht Ralf Wulf vor dem Bauausschuss zur Seite.

Kochte selbst hat das frühere Bahnhofsgebäude in Duben umgebaut und weiß: "Auch die anderen Bahnhäuser werden wieder genutzt, das Uckroer Bauwerk ist der letzte Schandfleck." Für die Reaktivierung der Strecke spreche ihre Lage als Bindeglied zwischen den Hauptstrecken Cottbus-Berlin und Dresden-Berlin. Sie habe Potenzial, Touristen zu befördern, vor allem am Wochenende, "denn mit dem Busverkehr sieht es dann oft traurig aus", sagt Eckhard Kochte. Mittelfristig werde außerdem die Möglichkeit offen gehalten, Gleisanschlüsse zu den Gewerbegebieten wieder zu nutzen, fügt er an und stellt ein Zusammengehen beider Fördervereine in Aussicht.

Umsetzung in Teilschritten

Ralf Wulf zufolge wird sich eine Wiederbelebung der Niederlausitzer Eisenbahn nur Schritt für Schritt realisieren lassen, beginnend mit dem Abschnitt Uckro-Luckau. Sinnvoll sei in der Folge die Weiterführung bis Duben und Lübben. Der Museumszug könnte als Touristenattraktion sowie zu besonderen Anlässen verkehren. Der Förderverein verfüge über einige historische Wagen aus den Jahren 1927/1928, so genannte "Donnerbüchsen" mit offener Plattform, sagt Ralf Wulf.

Geld und Unterstützer nötig

Werden die Oderbrucher mit der Stadt einig, wollen sie den alten Bahnhof denkmalgerecht sanieren. Allerdings haben sich die Bahn-Enthusiasten einen dicken Brocken vorgenommen, der, so Wulf, "viel Geld kosten wird". Wenngleich sie beim Ausbau von Gebäude und Strecke Fachwissen und rührige Hände einbringen, werden sie doch Partner brauchen, bis hin zu Fördergeld-Gebern. Bauamtsleiter Michael Krüger sagt, die Verwaltung wolle Vorschläge zu möglichen Formen einer Grundstücksübertragung unterbreiten und könnte dem Verein auch bei Anträgen helfen. "Eine Museumsbahn hört sich gut an", sagt Ausschuss-Vorsitzender Matthias Müller (CDU), wobei ihm besonders der Erhalt der Strecke als Chance für die örtliche Wirtschaft aus der Seele spricht. Cornelia Klinkmüller ist sicher: "Es werden sich Leute finden, die mitmachen. Der kleine Bahnhof war ehemals ein hübsches Gebäude. Es wäre doch schön, wenn er das wieder wird."

Zum Thema:
Das Projekt wollen Ralf Wulf und Eckhard Kochte auch bei einem Treffen der Eisenbahner am Sonnabend, 4. Februar, ab 9.30 Uhr im Bahnhofsgebäude in Luckau vorstellen und sich mit Kollegen darüber austauschen. Wer sich einzubringen möchte, kann seine Kontaktdaten zudem außerhalb des Termins im Luckauer Bahnhof bei Frank Perka, Vorsitzender des Fördervereins Niederlausitzer Eisenbahn, hinterlassen, sagt Eckhard Kochte.