Auf eine musikalische Zeitreise von Bach über Mozart und Mendelssohn Bartholdy bis zum zeitgenössischen Komponisten Avner Dorman nahmen die Musiker ihre knapp 900 Zuhörer im Kirchenschiff und auf den Emporen mit. Seine ganz eigene ausdrucksvolle Note erhielt das Abschlusskonzert in Luckau durch die von Avi Avital meisterhaft gespielte Mandoline. Virtuos setzt er das Instrument ein, um eine eindrucksvolle Bandbreite musikalischer Stimmungen zu transportieren, von großer, betont rhythmischer Dramatik bis zu zarten, kaum hörbaren Tönen.

Dem fasziniert applaudierenden Publikum bot er als Zugabe eine temperamentvolle Improvisation melodischer Mandolinenklänge in atemberaubendem Tempo. Nicht minder beeindruckend die musikalische Leistung des Ensembles der Kammerakademie Potsdam, die mit der Schottischen Sinfonie von Mendelssohn Bartholdy das Publikum nachhaltig angeregt in den Abend entließ.

Stadtbild beeindruckt

"Es war eine interessante Erfahrung, die Mandolinenklänge zu hören, in dieser Zusammenstellung von klassischem Bach und einem modernen Stück", sagte die Berlinerin Helga Dau. Seit fünf Jahren nutzt sie gemeinsam mit Anita Fielecke die Gelegenheit, mit den "Klassikern auf Landpartie" zu gehen. "Wir suchen uns immer drei Konzerte aus, nach Geschmack und Ort, damit wir diese näher kennen lernen", erläuterte Anita Fielecke.

Luckau habe diesmal auf dem Plan gestanden, "wegen der Kammerakademie und dem Chefdirigenten." Beim Stadtrundgang hätten sie Luckau näher kennengelernt und seien erstaunt über das mittelalterliche, geschlossene Stadtbild. "Das ist nur noch selten zu sehen. Und auch die Kirche ist erstaunlich groß für diese kleine Stadt", sagte Helga Dau beeindruckt.

Das musikalische Erlebnis stand für Katharina Jähme im Vordergrund. "Ich liebe klassische Musik und diesmal habe ich mich rechtzeitig um eine Karte bemüht. Denn wenn solch ein Ereignis in der Nähe stattfindet, muss man es auch wahrnehmen", sagte die Görlsdorferin, die auch regelmäßig ins Staatstheater nach Cottbus fährt.

Luckaus Pfarrerin Kerstin Strauch hatte vor dem Konzert die Gäste in der Nikolaikirche begrüßt und dabei auf das aktuelle Vorhaben, die Restaurierung der Pastorenbilder aus dem 18. Jahrhundert sowie eines Lutherbildes bis zum Reformationsjubiläum im kommenden Jahr aufmerksam gemacht. Der Vorstandsvorsitzende der Brandenburgischen Sommerkonzerte, Dr. Thomas Schmidt-Ott schätzte die diesjährige Saison als die musikalisch erfolgreichste seit dem Beginn vor 26 Jahren ein. Demnächst werde es einen Nachfolger geben, denn mit dem Ende dieser Saison werde er seinen Vorsitz aus beruflichen Gründen abgeben, informierte er.

Luckau sei von Anfang an ein Aufführungsort des Musikfestivals "und dieser Termin ist ein fester Anker im Kulturkalender der Stadt", sagte Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). Diese Beständigkeit zeuge von Vertrauen in die Menschen hier vor Ort, die stets ein attraktives Begleitprogramm beisteuern.

Auf Entdeckungstour

Dieses wurde auch am Samstag wieder mit großer Resonanz angenommen. Lilo Niepraschk, Dora Grünke und Martina Werner führten drei Gruppen durch die historische Altstadt. Zwei weitere Gruppen besuchten die Schokoladenmanufaktur Edelmond in Zöllmersdorf oder gingen auf Kranich-Entdeckungstour in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen. Gemeinsam mit dem Luckauer Freundeskreis der "Brandenburgischen Sommerkonzerte" bewirteten der Christliche Verein Jungen Menschen (CVJM) sowie das Team der Klosterklause die Musikliebhaber auf der Wiese vor den Schlossbergkellern mit Kaffe, Kuchen, Wein, Gebäck und kräftigerem Imbiss. Musikalisch unterhalten wurden sie dabei von Manfred Gehre und Werner Hennig. Nach dem Konzert fanden sich die Konzertgäste traditionell zum gemeinsamen Abendliedersingen ein, launig moderiert von Udo Lewak. "Das ist eine schöne Idee so ein musikalischer Ausklang und auch eine sehr schöne Atmosphäre hier", war Beatrice von Münchhofen sehr angetan. "Es ist auch ganz toll organisiert mit dem Kaffeetrinken und dem Abendessen, das hat wunderbar geklappt", lobte die Berlinerin.

Die 26. Saison der Brandenburgischen Sommerkonzerte fand vom 11. Juni bis zum 3. September statt. An 27 Orten fanden insgesamt 31 Konzerte statt. An den Nachmittagen vor den Konzerten luden 2016 rund 90 Beiprogramme zum Kennenlernen der Gastgeberorte ein. Darunter Stadt-, Schloss-, Kirchen-, Theater-, Architektur- und Klosterführungen sowie Themenführungen in Museen, auf Gehöften und zu Industriedenkmälern.

Seit der Gründung des Festivals 1990 haben die Brandenburgischen Sommerkonzerte bereits mehr als 600 Konzerte an über 200 Spielstätten im Land Brandenburg veranstaltet.