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Bei "First Choice" geht das Licht aus

In den Anfangsjahren lockte Maik Ecksteins Laden junge Kunden aus dem gesamten Umkreis. Heute shoppen sie online.
In den Anfangsjahren lockte Maik Ecksteins Laden junge Kunden aus dem gesamten Umkreis. Heute shoppen sie online. FOTO: Berg
Luckau. Heute Abend schließt Maik Eckstein die Tür zu seiner Boutique "First Choice" an der Langen Straße in Luckau für immer. Fast 17 Jahre bot er junge Mode an. Doch das lohnt sich für ihn nicht mehr, es fehlen die Kunden. Carmen Berg

"Räumungsverkauf - alles muss raus", ist auf einem Aufsteller vor der Eingangstür zu lesen. Schilder wie diese sind in der Gartenstadt keine Ausnahme mehr. "Es scheint, das Ladensterben schreitet in Luckau gerade schneller voran als anderswo", gab Karsten Köhler, Vorsitzender des bürgeroffenen Gewerbevereins "Wir sind Luckau", vor dem vergangenen Gewerbeausschuss einen Eindruck wieder. Fast 20 leere Geschäfte hatte ein Leser unlängst in der Altstadt gezählt.

Maik Eckstein, Jahrgang 1972, hatte "First Choice" 1999 in der Lindenstraße eröffnet. "Jeder wollte damals coole Markenmode und dafür nicht extra bis Berlin fahren", erinnert er sich. Auch ihm sei das so gegangen, daraus entstand die Geschäftsidee, die anfangs gut funktionierte. "Aus einem Umkreis von Luckenwalde bis Doberlug kamen Kunden zum Einkaufen nach Luckau", erzählt Maik Eckstein. Nach und nach aber sei es schwieriger geworden. Nebenan machten der Bäcker und die Gaststätte zu. Die Schüler, eine Hauptzielgruppe der Boutique, stiegen nicht mehr an der Lindenstraße in den Bus. "Um uns herum wurde es leer", sagt Maik Eckstein. Vor gut einem Jahr zog er deshalb an die Lange Straße in Busplatz-Nähe. Doch die Hoffnung auf mehr Laufkundschaft, besonders unter den Schülern, erfüllte sich nicht. "Die junge Generation ist gewöhnt, alles online zu erledigen", so der Geschäftsmann. Seit sieben Jahren betreibt er neben der Boutique einen Online-Shop. Machte der Internethandel früher zehn Prozent des Umsatzes aus, so waren es zuletzt 90 Prozent, sagt er. Den Online-Shop will er vorerst aufrecht erhalten. Dort wird auch die neue Frühjahrskollektion zu haben sein, die bereits geordert war. Doch auch im Netz könnten kleine Anbieter sich kaum gegen die großen Händler behaupten, die jeder aus der Werbung kennt, sagt er.

Schädlich für die Läden sei zudem die Abschaffung des Sommer- und des Winterschlussverkaufs gewesen, sagt er weiter. "Gerade in der Modebranche haben diese Aktionen Sinn gemacht. Die großen Ketten geben das ganze Jahr Rabatte, das können wir nicht", so Maik Eckstein.

Entscheidend für ihn sei aber, dass immer weniger junge Leute in Luckau bleiben. Das liegt aus seiner Sicht nicht an fehlenden Jobs. "Es ist einfach zu wenig los", glaubt er und erzählt: Als er selbst in den Zwanzigern war, gab es an den Wochenenden große Partys. Zu Motorsportspektakeln auf der Altenoer Mehrzweckanlage kamen mehrere Zehntausend Fans in die Stadt. "Nicht jeder Ältere mochten den Trubel. Aber wir Jungen fanden es in Luckau toll. Nie wollten wir hier weg." Nun wird Maik Eckstein mit seiner Familie wohl doch gehen. In Bergen, einer 14 000-Einwohner-Stadt, eröffnen sich für die Familie neue Perspektiven.

In Luckau weist die Statistik des Gewerbeamtes für das vergangene Jahr 64 Gewerbeabmeldungen aus, denen 55 Neuanmeldungen gegenüber standen. Im Handel gab es sieben Neuanmeldungen, 18 und damit fast drei Mal so viele Abmeldungen waren zu verzeichnen.