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| 16:37 Uhr

Grundstein Gelegt
Geborgenheit für Sterbende

Hospitz Luckau
Hospitz Luckau FOTO: Evangelisches Diakonissenhaus/Architekturbüro
Luckau. In Luckau entsteht bis Ende 2019 ein stationäres Hospiz mit zwölf Plätzen. Von Carmen Berg

„Wir können nicht dem Leben mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben.“ Unter diesen Leitsatz stellt das Evangelische Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin sein stationäres Hospiz in Luckau. Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Mittwoch der Grundstein gelegt.

Der eingeschossige Bau wird zwölf Menschen an der Schwelle zwischen Leben und Tod ein letztes Zuhause geben. „Sie sollen hier einen Ort finden, wo sie hervorragende Pflege erhalten, ihnen die Angst vor Schmerzen genommen wird und ihre Wünsche im Mittelpunkt stehen“, erklärt Matthias Blume, Theologischer Vorstand des Diakonissenhauses. Ein Hospiz sei kein Krankenhaus. Die Bewohner seien keine Patienten, sondern Gäste, an denen sich alles orientiert. „Wenn jemand nochmal Regen spüren oder einen Amaretto trinken möchte, darf er das“, so Pfarrer Blume. Kriterium für die Aufnahme ist eine Erkrankung im finalen Stadium.

Superintendent Thomas Köhler beschreibt die Bedeutung des Hauses so: „Es soll nicht mehr sein, dass jemand allein und trostlos stirbt.“ Niemand wünsche sich mehr Zeiten, in denen Sterbende in Krankenhäusern in ein abgelegenes Zimmer geschoben wurden.

Das Evangelische Diakonissenhaus hat langjährige Erfahrungen in der Hospizarbeit. Seine Einrichtung in Lehnin war das erste konfessionell betriebene Hospiz in Brandenburg, hinzu kommt ein weiteres in Potsdam. Dass nun Luckau folgt, sei der Initiative von Bürgereister Gerald Lehmann (parteilos) geschuldet, sagt Matthias Blume.

Der Bürgermeister hatte den Wunsch nach einer solchen Einrichtung für seine Stadt an das Diakonissnehaus herangetragen, das bereits das Krankenhaus betreibt. Gemeinsam sei das Konzept beim Landkreis vorgestellt und nach Fördermöglichkeiten gesucht worden, so der Theologische Vorstand.

Die Idee kam Gerald Lehmann 2012 nach Gesprächen mit früheren Klassenkameradinnen, die sich ehrenamtlich im ambulanten Hospizdienst der Malteser engagieren, erzählt er. Wie Matthias Blume ankündigt, will das stationäre Hospiz eng mit dem ambulanten Dienst zusammenarbeiten.

Das neue Haus in L-Form entsteht hinter dem Krankenhaus zwischen Schanzweg und Hoher Weg. Die insgesamt 14 Gästezimmer mit großen Fenstern sind nach Osten und Süden ausgerichtet und mit Bädern ausgestattet. Außerdem wird es ein gemeinsames Wohnzimmer, den „Sonnenraum“ für Treffen in der Gemeinschaft sowie einen „Raum der Stille“ geben. Auch der Flur wird zum Wohnbereich aufgeweitet. Für hohe Energieeffizienz des Gebäudes sorgt eine eigenständige Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Die Gesamtbaukosten beziffert Michael Blümchen, Geschäftsführer für den Unternehmensbereich Altenhilfe, auf 2,7 Millionen Euro. Eine Million Euro davon ist ein zinsloses Darlehen aus einem Bundesprogramm, 300 000 Euro steuert die ARD-Fernsehlotterie bei, weiteres Geld kommt aus Spenden und Eigenmitteln. Im Herbst/Winter 2019 soll der Bau fertig sein.

Schon jetzt sucht der Betreiber geeignete Mitarbeiter, die er „Berufene“ nennt. Denn es sei ein besonderer Dienst am Menschen, der in einem Hospiz gleistet werde, sagt Pia Reisert, ebenfalls Geschäftsführerin im Unternehmensbereich Altenhilfe. Über 60 Bewerbungen sind seit Februar eingegangen. Vorgesehen sind etwa 30 Stellen, davon 24 in Vollzeit. Benötigt werden dem Träger zufolge neben einer Pflegedienstleitung Pflegefachkräfte, aber auch weitere Pflegekräfte, hauswirtschaftliches Personal sowie Mitarbeiter für den Sozialdienst. Pia Reisert macht weiteren Interessierten Mut, sich zu bewerben. Die künftigen Mitarbeiter, so sagt sie, sollen das Luckauer Haus mitentwickeln. Anfang 2019 werde ein engerer Bewerberkreis eingeladen zu einem Team-Findungsprozess, erklärt sie.

Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge (SPD) sagt, das Hospiz werde das Thema des Sterbens als Teil des Lebens stärker in den Blickpunkt rücken, das in gesunden Tagen jeder gern verdrängt. Es gehe um „Leben bis zuletzt“ und einen Abschied in Geborgenheit und Würde. „Wir sollten uns Gedanken machen, mit diesem oder auch mit anderen Trägern solche Projekte im Landkreis fortzusetzen“, so der Landrat.

Auch eine Rundschau vom Tage kommt in die Schatulle, die Michael Blümchen für die Nachwelt befüllt.
Auch eine Rundschau vom Tage kommt in die Schatulle, die Michael Blümchen für die Nachwelt befüllt. FOTO: LR / Carmen Berg
Bürgermeister Gerald Lehmann bei der Grundsteinlegung. Er regte den Bau eines Hospizes in Luckau an.
Bürgermeister Gerald Lehmann bei der Grundsteinlegung. Er regte den Bau eines Hospizes in Luckau an. FOTO: LR / Carmen Berg