ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:43 Uhr

Bauleute und Archäologen im gleichen Baufeld

Die Reste des rund 700 Jahre alten Knüppeldamms werden von den Archäologen dokumentiert, die Tiefbauarbeiten gehen in der Hauptstraße sukzessive weiter.
Die Reste des rund 700 Jahre alten Knüppeldamms werden von den Archäologen dokumentiert, die Tiefbauarbeiten gehen in der Hauptstraße sukzessive weiter. FOTO: Hoberg
Dahme. Die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt Dahme (B 102) gehen voran. Die Zusammenarbeit der beteiligten Firmen, Institutionen und Behörden funktioniert gut, schätzt Bauüberwacher Uwe Kaschig ein. Für Anlieger, insbesondere Geschäftsinhaber, zählt jeder Tag. Ingrid Hoberg

Wer eine gute Nase hat, kann den leichten Benzingeruch spüren, der vor dem Autohaus in der Hauptstraße in der Luft liegt. Dort befand sich in den 1920er/30er-Jahren eine Tankstelle und es war damit zu rechnen, dass es aus dieser Betriebszeit Rückstände im Boden gibt. "An solchen Stellen ist bei den Erdbauarbeiten besondere Sorgfalt gefragt", sagt Bauüberwacher Uwe Kaschig von der Voigt Ingenieure GmbH Luckau. Es wurde deshalb eine Probe entnommen und zur Untersuchung eingeschickt. Von diesem Ergebnis werden dann weitere Maßnahmen abgeleitet.

Die Arbeiten auf der Baustelle werden archäologisch begleitet. Die Funde aus Keramik und Metall sowie Tierknochen, die bisher im Straßengraben zutage kamen, werden nach der Dokumentation und Reinigung später ans Archäologische Landesmuseum Brandenburg übergeben. Während Grabungstechniker Marcus Wandelt und weitere Helfer vom Büro ABB Bräunig aus Berlin am Freilegen, Vermessen und Dokumentieren des Knüppeldamms arbeiten, gibt es auch so manchen "Beifund", der für Schmunzeln sorgt. So wurde vor dem Haus Hauptstraße 11 der Porzellankopf eines Bierflaschenverschlusses der Brauerei Emil Meyer gefunden. Um 1900 habe es zwei Brauereien in Dahme gegeben, sagt Klaus Schulz. Auch emaillierte Preisschilder der Tankstelle sind gefunden worden, wie der Polier von Wolff und Müller Tief- und Straßenbau erzählt. Im Internet gibt es historische Postkarten von Dahme zu entdecken.

Uwe Kaschig hat am Freitagvormittag auf der Baustelle in Dahme den aktuellen Stand eingeschätzt. "Die Arbeiten laufen planmäßig - unter Beachtung der Vorgaben durch die archäologische Begleitung", sagt er. Seit Ende des vergangenen Jahres ist den Winter über in der Hauptstraße gebaut worden. Das habe sich günstig ausgewirkt. Die Tiefbauarbeiten konnten auch an Frosttagen ausgeführt werden. "Wir befinden uns beim Regenwasserkanal mit der Rohrsohle auf 2,60 Meter. Der Aushub geht bis zu 2,80 Meter tief", erklärt er. Das bedeutet aber auch, dass eine Grundwasserabsenkung für die Arbeiten erforderlich ist. Der Horizont des Regenwasserkanals liegt im Grundwasser.

Die Zusammenarbeit auf der Baustelle mit der Baufirma und den Archäologen sieht er positiv. So sei die Zahl der archäologischen Mitarbeiter auf bis zu fünf erhöht worden, um zügig voranzukommen. Für Anwohner ist Polier Klaus Schulz Ansprechpartner. Abgestimmt wurde beispielsweise die Müllentsorgung. "Die Tonnen werden rausgestellt und unsere Leute fahren sie zum Abholplatz vor", sagt er.

Bis zum Sommer soll der Straßenbau mit der Asphaltierung der Fahrbahn abgeschlossen sein. "Die Nebenanlagen werden dem historischen Stadtbild angepasst", wie Uwe Kaschig erklärt. Daran kann unter Umständen auch noch gearbeitet werden, wenn der Verkehr auf der Straße schon wieder rollt.

Zum Thema:
Der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg ist Bauherr für die Erneuerung der B 102 in Dahme (Hauptstraße). Dazu gehören auch die Regenentwässerung, Gehwege, Parkflächen und Brücken. Bis Ende Juni 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, laut Baustelleninfo des Landesbetriebs im Internet. Der Lkw-Verkehr wird umgeleitet über Lebusa - B 87 - Schlieben - Hohenbucko - Luckau und umgekehrt. Die Stadt Dahme ist am Gehweg- und Parkflächenbau sowie der Regenwasserableitung beteiligt. Der Trink- und Abwasserzweckverband Luckau verlegt einen neuen Abwasserkanal und eine neue Trinkwasserleitung.