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| 18:26 Uhr

Ernteverlust bis zu 50 Prozent
Dürre-Zeiten auf den Feldern

In der Spreewaldregion hat die Getreideernte mehrere Wochen früher als üblich begonnen. Die Bauern beklagen gravierende Ernteausfälle
In der Spreewaldregion hat die Getreideernte mehrere Wochen früher als üblich begonnen. Die Bauern beklagen gravierende Ernteausfälle FOTO: LR / Ingvil Schirling
Luckau. Bauern der Region haben mit der extremen Trockenheit zu kämpfen. Es drohen zum Teil enorme Ernteausfälle. Von Anja Brautschek

Der Blick aus dem Fenster dürfte so einige Landwirte am Dienstagmorgen erfreut haben. Nach einer wochenlangen Trockenperiode regnete es. Doch Aufatmen können Landwirte der Region deshalb nicht. Für das Wochenende sind erneut Temperaturen um die 26 Grad Celsisus angesagt. Dabei hat die lange Trockenphase  dem Getreide bereits erheblich zugesetzt. Ähnliches droht dem Mais, wenn die kommenden Wochen erneut trocken bleiben.

Der Bauernverband Südbrandenburg rechnet mit Ernteausfällen zwischen 30 und 50 Prozent bei Getreidepflanzen, bei Raps sogar bis zu 60 Prozent. „Es ist deprimierend. Wie holen Ernte rein, die es so nicht gibt“, beklagt Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg, die Situation. Aufgrund des fehlenden Regens sind die Pflanzen nur wenig gewachsen und wurden zeitig notreif. Rund zwei Wochen eher als normal begann in der Region aus diesem Grund die Ernte. Auf manchen Feldern war das Getreide dann nur Kniehoch. Und auch die Körner weisen eine schlechte Qualität auf. Die Ähren sind klein und mit wenigen kleinen Körnern besetzt – auch Schmachtkorn genannt. „Für uns Landwirte ist die Situation außerordentlich schwer. Wir haben dadurch verheerende finanzielle Einbußen“, sagt Norbert Zittlau von der Agrargenossenschaft Uckro.

Viele Landwirte stellen sich aufgrund des steigenden Drucks breiter auf. Sie setzen nicht nur auf die Pflanzenproduktion verschiedener Kulturen, halten zunehmend auch Tiere. Die Agrargenossenschafft Uckro will ihren Milchkuhbestand bis 2020 auf mehr als 800 Tiere aus eigener Reproduktion erweitern. Auch eine Biogasanlage und Fotovoltaik nutzt der Betrieb als zusätzliche Einnahmequelle. „Das entspannt die Situation etwas. Trotzdem ist die diesjährige Ernte bitter.“ Denn auch das Grünland wächst kaum noch. Wo Landwirte jetzt  im Juli normalerweise den dritten Schnitt ansetzen, ist das Gras in diesem Jahr nach dem zweiten Schnitt kaum noch gewachsen.

Selbst der Mais ist bislang nur schlecht gewachsen. Es droht an einigen Stellen ebenfalls die Notreife. „Manche Kollegen überlegen deshalb, ihre Felder schon jetzt abzuernten“, beschreibt Norbert Zittlau die dramatische Situation. Viele Bauern nutzen den Mais als Futter für ihre Tiere. „Wir produzieren Bio-Mais. Zukaufen ist kaum möglich, weil es davon in der Region nur wenig gibt“, sagt Andreas Bulligk, Chef der Agrargenossenschaft Radensdorf. Reiche der Mais für seine Tiere nicht mehr aus, so muss auf Gras zurückgegriffen werden. Das versorgt die Tiere jedoch mit weniger Energie – sie produzieren weniger Milch. Der Agrargenossenschafts-Chef hat deshalb bereits über eine Beregnung seiner Felder nachgedacht. „Aber das ist aufwändig und teuer. Und aus unserer Sicht nur eingeschränkt sinnvoll. Denn es fehlt trotzdem an wichtigen Nährstoffen im Boden.“

Doch nicht nur die Trockenheit selbst macht den Landwirten zu schaffen. Jetzt in der Erntesaison gehen regelmäßig Notrufe bei der Feuerwehr aufgrund von Flächenbränden ein. Schon der kleinste Funken genügt, und das ausgetrocknete Getreide fängt Flammen. „Wir haben immer ein Güllefass mit Wasser gefüllt bereit stehen und bei der Ernte eine zusätzliche Brandwache eingerichtet. So können Feuer zwar nicht verhindert, aber schnellstmöglich eingedämmt werden“, berichtet Andreas Bulligk. Für die Bauern bedeutet ein Brand: weiterer Verlust der Ernte. Ohnehin nehmen Wetterextreme in der Region immer mehr zu. Nach verregneten Sommern mit zum Teil überfluteten Feldern nun die extreme Dürre. „Ein normales Erntejahr: Was ist das?“, fragen sich die Landwirte.

Unterstützung ist bislang nicht in Sicht. „Die versprochenen Hilfsprogramme der Bundesregierung funktionieren nicht, da die meisten Landwirte die Voraussetzungen dafür nicht erfüllen“, sagt Bauernverbandschef Thomas Goebel.

Die Ernte funktioniert auch mit altem Gerät noch gut.
Die Ernte funktioniert auch mit altem Gerät noch gut. FOTO: Birgit Schönherz