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| 18:02 Uhr

Dürre und Förder-Probleme
Bauern fordern schnelles Handeln

Auf seiner Tour zu Ökolandbetrieben machte Minister Jörg Vogelsänger (3.v.r.) unter anderem Station bei der Muri GmbH in Lübben. Der Betrieb ist Mitglied im Anbauverband Biopark und hat 550 Mutterkühe in elf Herden im Spreewald stehen. Die im Vorjahr stark vernässten Flächen sind für Landwirt Jürgen Piesker (r.) in diesem Jahr „ein Glücksfall“. Dennoch wisse er nicht, ob seine Tiere noch bis Mitte November ausreichend Futter finden werden.
Auf seiner Tour zu Ökolandbetrieben machte Minister Jörg Vogelsänger (3.v.r.) unter anderem Station bei der Muri GmbH in Lübben. Der Betrieb ist Mitglied im Anbauverband Biopark und hat 550 Mutterkühe in elf Herden im Spreewald stehen. Die im Vorjahr stark vernässten Flächen sind für Landwirt Jürgen Piesker (r.) in diesem Jahr „ein Glücksfall“. Dennoch wisse er nicht, ob seine Tiere noch bis Mitte November ausreichend Futter finden werden. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau/Lübben. Dürreproblem und verzögerte Auszahlung von Fördermitteln bringen Ökolandwirte in Not. Von Birgit Keilbach

Das extreme Wetter in diesem Jahr bringt Landwirte deutschlandweit in Nöte. Das vielerorts bereits geerntete Getreide ist nur mit hohen Verlusten eingefahren worden. Für die Tierhalter wird auch das Futter knapp. Tiere müssen bereits in Größenordnungen verkauft werden, der Fleischpreis sinkt. Morgen treffen sich die Agrarminister der Länder, um über die Extremsituation mit ihren Folgen zu beraten. Thema wird sein, welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit Agrarbetriebe nicht aufgeben müssen.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) machte sich vor Ort ein Bild bei Ökolandbetrieben im Landkreis Dahme-Spreewald. Mit einem Flächenanteil von 31,4 Prozent ist er nach Angabe des Ministeriums seit Jahren der Landkreis mit dem bundesweit höchsten Flächenanteil im Ökolandbau. Landesweit werde jetzt eine Fläche von 155 000 Hektar ökologisch bewirtschaftet, gegenüber 2017 sei dies eine Steigerung von 10,7 auf 11,4 Prozent, „eine sehr erfreuliche Entwicklung“, stellte der Minister fest.

Weniger erfreulich ist jedoch die aktuelle Situation der Landwirte. Sie sprechen eine Reihe von Kritikpunkten an, und nicht nur die Dürre in diesem Jahr spielt dabei eine wesentliche Rolle. Denn bei Heinz Peter Frehn, der in Schöneiche einen Biohof und gemeinsam mit seinem Sohn Christian einen Bio-Obsthof betreibt, seien noch nicht einmal die Fördermittel für das Jahr 2017 angekommen.

„Die Liquiditätslücke ist groß, die Banken gehen nicht darauf ein, dass irgendwann Fördermittel fließen“, verdeutlichte er die Situation.

Landwirte bräuchten verlässliche Termine, „zu denen die Gelder aus dem Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) und Öko-Förderung fließen“, unterstrich dies Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. Diese große Verzögerung von Seiten des Landesamtes für Landwirtschaft sei für die Bauern nicht nachvollziehbar. Die Gründe dafür seien diskutiert worden, erklärte Irene Kirchner, Referatsleiterin für Ökolandbau. „2019 sollen sie im ersten Quartal ausgezahlt werden“, sicherte sie zu.

Angesichts der Dürre in diesem Jahr müsse es doch möglich sein, Fördermittel auch für Bewässerung sowie für Regenwasser-Rückhaltebecken einzusetzen, schob Heinz Peter Fehn nach. 2017 habe es ein Hilfsprogramm gegeben, aber die wenigsten Betriebe könnten davon profitieren, weil es nicht auf die konkrete Situation in den unterschiedlichen Betrieben anwendbar sei, brachte Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg die Problematik auf den Punkt. Denn die Zeit drängt, vor allem für die Tierhalter. Wo Futter knapp wird, muss es zugekauft werden. Liquiditätsdarlehen haben nicht wenige von ihnen aufnehmen müssen. „Wir dürfen nicht so lange warten, bis auch die gut wirtschaftenden Betriebe in Existenznöte kommen“, mahnte er zügiges Handeln an.

Das könne er nicht allein entscheiden, erklärte der Minister und setzt auch auf die Unterstützung in der Landesministerkonferenz: „Hier erwarte ich auch eine Beteiligung des Bundes. Wir müssen das Krisenjahr auch nutzen, um Widerstände zu überwinden“, so Vogelsänger.

Was die Hilfen für Ausfälle und Schäden durch die Dürre betrifft, müsse jeder Betrieb auch einzeln betrachtet werden. Härtefälle sollten jetzt beim Amt für Landwirtschaft angemeldet werden, damit sie geprüft werden können und Ende August ein Überblick vorliegt.