Von Benjamin Wepprich

Betriebliche Übung nennt man den Sachverhalt, wenn man etwas aus der regelmäßigen Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen ableitet und man auch in der Zukunft sicher gehen kann, dass diese Verhaltensweise beibehalten wird. Mitnichten gehört das Basteln in der besinnlichen Voradventszeit ausnahmslos dazu, zumindest wenn man sich die Klickzahlen der moderneren Bastel-Videoanleitungen aus dem Internet betrachtet.

Wer dabei aber nicht allein in seiner Kemenate versauern will, dem bietet Angela Wolf-Lusici mit ihrer Engelwerkstatt im Kinder-Kunst-Atelier der Niederlausitzer Musik- und Kunstschule ein geselliges Forum. „Die Engelswerkstatt findet regelmäßig vor dem Advent hier in Luckau statt und eigentlich richtet sie sich an Erwachsene, die sonst keine Zeit haben etwas zu basteln. Die mitgebrachten Kinder werden dabei selbstverständlich mit aufgefangen“ so die Veranstalterin. „Wir wollen aus fast nichts oder wenig Material etwas erstellen und dann diese kreative Idee weiterentwickeln.“

Allerhand Hände der großen sowie kleinen Bastelfreunde durchforsten gemeinsam die aufgestellten Kisten nach den passenden Holzteilen: Benötigt wird ein längeres Stück für den Körper, ein kleines für den Kopf und möglichst zwei Gleiche als Surrogat für die Flügel. „Mir ist wichtig, dass die Proportionen des Holzes zueinander passen“ erläuterte Matthias Richter, der gemeinsam mit seiner Tochter Frieda die Engelwerkstatt besuchte, um mit Ihr Zeit zu verbringen.

Einen großen Anteil des Holzes sammelt Wolf-Lusici beim Bildhauersymposium in der Lübbenauer Altstadt direkt bei den anderen Künstlern ein. „Ein Opa, der das letzte Jahr seine Enkelin zum Basteln hier herbegleitete, war so begeistert, dass er uns dieses Jahr eine Kiste mit Holz zugeschickt hat.“

Eine gute Handvoll erwachsener Menschenkinder, nebst kindlichem Anhang, nahm das Angebot wahr und bearbeitete liebevoll und mit Ausdauer das Konstrukt mit unterschiedlichsten Werkzeugen. „Dass diese Veranstaltung für Erwachsene ist, habe ich nicht gleich mitbekommen. Leider gibt es so wenig gemeinsame Angebote für Eltern und Kinder. Ich habe meine beiden Kinder Max und Theo mitgebracht und nun basten wir zusammen“, sagte Katja Zegenhagen. Ein bisschen Phantasie benötigt man dabei schon, um sich das spätere Kunstwerk vorstellen zu können und so wird das Holz immer wieder neu arrangiert und zusammengehalten.

Holzspäne fliegen auf dem großen Werktisch umher und mit einer Heißklebepistole wird das in Form gebrachte Holz hübsch zusammengeschustert. Gegenseitig unterstützten sich Jung und Alt in der Arbeit, und wenn die Grenze der Ausdauer erreicht war, übernahm ein anderer die weitere Gestaltung. Zum Abschluss wurde Farbe aus Flaschen und Tuben gedrückt und mit dem Pinsel aufgetragen. Nach und nach erreichte die anfängliche Phantasie ihr endgültiges Erscheinungsbild.

„Ich bin jedes Jahr hier, um Engel zu bauen und habe schon jede Menge selbst Gebastelte zu Hause. Die großen Engel nutze ich als Dekoration, man kann aber auch kleine machen und die verschenke ich. Die Eltern sollen ja eigentlich hierher kommen, um sich ein bisschen abzulenken, heute unterstütze ich meine Oma“ erzählte die 13jährige Mara Bauer. Ein großes Dankeschön ist an die Sparkasse gerichtet, ohne deren Unterstützung die Durchführung nicht möglich wäre.