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| 18:27 Uhr

Bahnübergang: Potsdam lässt hoffen

Dicht an dicht rumpeln die Laster über den maroden Bahnübergang. Bei den betroffenen Anwohnern liegen die Nerven blank.
Dicht an dicht rumpeln die Laster über den maroden Bahnübergang. Bei den betroffenen Anwohnern liegen die Nerven blank. FOTO: be
Langengrassau. In Langengrassau schlagen die Wogen hoch. Die Sanierung des maroden Bahnübergangs über die Bundesstraße 87 scheint wieder offen, nachdem die Landesbahnaufsicht einen Rückbau der Gleise untersagt hat. Doch Potsdam lässt auf eine Lösung hoffen und kündigt ein klärendes Gespräch mit dem Bahnbetreiber an. Carmen Berg

"Wenn sich nicht bald etwas tut, fürchte ich, dass es zu unkontrollierten Aktionen kommt", beschreibt Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) den Zorn der Lärm geplagten Anwohner. Rund 4000 Laster befahren Berechnungen zufolge täglich die Rumpelschienen. Seit Monaten ist der Übergang wegen Bodenabsenkungen halbseitig gesperrt, ohne dass daran gearbeitet wurde.

Nach langem Hin und Her schien Abhilfe zum Greifen nahe. Die Deutsche Regionaleisenbahn GmbH als Streckenbetreiber und der Landesbetrieb für Straßenwesen, der für die Fahrbahn zuständig ist, hatten sich auf einen Rückbau der Gleise und die Sanierung des Straßenaufbaus verständigt. "Die Vereinbarung stand. Es sollte losgehen", sagt Gerhard Curth, Geschäftsführer des Streckenbetreibers. Frank-Dieter Manteufel, Leiter Planung/Entwurf beim Landesbetrieb, bestätigt eine Übernahmeerklärung für die Hälfte der Kosten gemäß Eisenbahnkreuzungsgesetz. Doch in die Erleichterung platzte die Hiobsbotschaft vom Verbot des Gleis-Rückbaus. Zwar hatte die Landesbahnaufsicht im August der Eisenbahngesellschaft gestattet, den Betrieb auf Teilabschnitten der Strecke Beeskow-West-Falkenberg einzustellen. Ein Rückbau der Bahnanlagen jedoch dürfe ohne Genehmigung nicht erfolgen.

"Ich war von diesem Schreiben genau so überrascht wie die betroffenen Bürger", sagt Dahme-Spreewald Landrat Stephan Loge (SPD). Er habe sich umgehend mit Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) ins Benehmen gesetzt. Demnach beziehe sich das Verbot auf die Strecke, die Verkehrssicherungspflicht an den Übergängen sei davon nicht betroffen, ein Rückbau dort sei also erlaubt. Womöglich habe der Bahnbetreiber den Bescheid aus Potsdam missverstanden, vermutet der Landrat.

Gerhard Curth will, wie er gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, eine Demontage der stillgelegten Abschnitte einschließlich der Übergänge. Es sei bundesweit üblich, solche Strecken abzubauen. Sonst hätten Metalldiebe leichtes Spiel. Bei Groß Leuthen sei bereits auf zwei Kilometern Schienenmaterial gestohlen worden, sagt Gerhard Curth.

Lothar Wiegand, Pressesprecher im Brandenburger Infrastrukturministerium, stellt ein klärendes Gespräch mit dem Eisenbahnunternehmen in Aussicht. "Auch wir haben ein Interesse, die Gleise am Bahnübergang zu beseitigen", betont er. Wie der Sprecher weiter erklärt, bleibe normalerweise eine Bahnstrecke als solche gewidmet, auch wenn kein Verkehr mehr darauf fährt. Gleise dürften dann nur entfernt werden, wenn dem ein Planfeststellungsverfahren vorausgehe. Ein Antrag liege nicht vor. "Wir werden schauen, dass wir eine Lösung hinbekommen", so Wiegand.

Falls keine Einigung zustande kommt, werde der Langengrassauer Bahnübergang, wie Gerhard Curth ankündigt, "nur notdürftig repariert". Eine ähnliche Flickaktion vom Oktober 2012 hatte nur Wochen gehalten.