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| 14:57 Uhr

Mühlentag
Mit Muskelkraft das Korn mahlen

Kraft war gefragt: Die germanische Handmühle durfte die neunjährige Lucienne Peisker selbst drehen und erhielt dabei von Frank Zelmer (l.) Wissenswertes über den Aufbau des Korns und die Mahlgrade des Mehls vermittelt. Das fand auch Robert Schmidt aus Wittenberg interessant.
Kraft war gefragt: Die germanische Handmühle durfte die neunjährige Lucienne Peisker selbst drehen und erhielt dabei von Frank Zelmer (l.) Wissenswertes über den Aufbau des Korns und die Mahlgrade des Mehls vermittelt. Das fand auch Robert Schmidt aus Wittenberg interessant. FOTO: Birgit Keilbach
Görsdorf. Die Bachmühle Görsdorf bietet Einblicke in historische Mühlentechnik. Prensdorfer Heimatmarkt wurde gut angenommen. Von Birgit Keilbach

Die Bachmühle im beschaulichen Dahmetal war am Pfingstmontag Ziel zahlreicher Radler, Biker und anderer Mühlentouristen. Im Mittelalter erstmals erwähnt, wurde hier jahrhundertelang nicht nur Mehl gemahlen. „Bis 1906 trieben zwei oberschlächtige Wasserräder außerdem eine Walk- und eine Ölmühle sowie ein Sägegatter an“, blickt Inhaber Frank Zelmer in die Geschichte. Seit dem Erwerb der Mühle 1999 hat er viel historische Mühlentechnik zusammengetragen. Am Mühlentag erläutert er diese den Besuchern. Ein kompletter Steinmahlgang in einer Holzbütte inklusive des Mühlenkrans zum Herausheben des Mahlsteins wurde am originalen und damit tragfähigen Standort aufgestellt. Denn das Stück wiegt rund eine Tonne.

Die Mehlmischmaschine im hinteren Teil des Raums habe dazu gedient, den Bäckern die gewünschte Mehlqualität zu liefern, erfahren die Besucher. Die pneumatische Schlauchreinigungsanlage aus der Zeit um 1900 in Aktion zu sehen und zu hören, beeindruckte die wissbegierigen Gäste. Ein kräftiger Luftstrom reinigte die Transportschächte von Mehlstäuben und Verunreinigungen, die am unteren Ende der Schläuche in Kästen aufgefangen wurden.

Jüngste Anschaffung des Mühlenchefs ist eine voll funktionsfähige Sack-Ausklopfmaschine von 1907. Durch einen Bekannten, der sie ersteigert hatte, sei er darauf aufmerksam gemacht worden, „doch ich wollte sie erst gar nicht haben“, erzählte Frank Zelmer. „Ich dachte immer, die hatten nur Bäcker. Dann übernachteten hier Mühlenexperten aus Holland. Sie sagten mir, dass früher auch in jeder Mühle so eine Maschine stand. Zum Glück hatte mein Bekannter sie noch unversehrt bei sich stehen“, erzählt er die Geschichte. Solche Sackausklopfmaschinen seien Raritäten. „So habe ich wieder etwas, das zur Mühle gehört und außerdem dazugelernt“, resümiert Frank Zelmer.

Wie das Mahlen mit den großen Steinen funktioniert, konnten Besucher an einer germanischen Handmühle lernen. Aus Vulkangestein gefertigt, sei sie ein Abbild ihrer großen Brüder. Das Mahlen von Hand erfordert viel Kraft. Das merkte auch die neunjährige Lucienne Peisker aus Golßen. „Am Anfang ging es ziemlich schwer, dann wurde es leichter“, teilt sie ihre Erfahrung mit. Von Frank Zelmer erfuhr sie außerdem, dass für richtig feines Mehl sieben Mahlgänge notwendig sind, und bei den Germanen die Frauen fürs Mahlen zuständig waren. Für den Aufbau interessierte sich auch Jürgen Schmidt, denn er hat einen Mühlstein gefunden. „Ich weiß aber nicht, ob es der Lauf- oder der Bodenstein ist“, sagt er. Deshalb kam er mit seinem Bruder Robert aus Wittenberg nach Görsdorf, weil sie Frank Zelmer bereits als Experten kannten.

Inzwischen startete Lucienne Peisker gemeinsam mit Schwester Juliette und den Eltern zur nächsten Mühle. „Wir sind jedes Jahr auf Mühlentour, denn es ist interessant zu sehen, wie die neuen Besitzer die alten Mühlen wieder auf Vordermann bringen“, sagt Vater Heiko Peisker. Sein Opa sei Müller gewesen, habe eine Windmühle in Schlesien betrieben. Elvira und Hubert Obst radeln jedes Jahr von Mühle zu Mühle. „Diesmal sind es 32 Kilometer. Wir genießen die Freude an der Bewegung, die schönen Mühlen und die Natur“, sagt Hubert Obst.

Eine Mühle haben die Prensdorfer nicht mehr. „Die Männer suchten schon lange eine Gelegenheit, ihre alten Traktoren auszustellen und so sagten wir uns: Machen wir einen Heimatmarkt am Pfingstmontag“, erläutert Ines Kafert vom Verein „Freunde des Kirchturms Prensdorf. Die Idee kam gut an, der Platz an der Kirche war gut gefüllt. Auch Radler auf der Fläming Skate nutzten die Gelegenheit zur Rast. „Denn es gibt auf der Strecke zu den Mühlen an der Dahme wenig Möglichkeiten zur Einkehr“, weiß Ines Kafert. Über die Mühlengeschichte des Dorfes war viel zu erfahren – an der Zeittafel in der Kirche. So war 1664 der Bau einer Wassermühle durch das Amt Dahme beschlossen worden. „1914 wurde sie stillgelegt, weil das Wasser nicht mehr reichte“, erzählt Eckhard Schliebner. Heute ist die einstige Mühle ein privates Wohnhaus.