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| 17:23 Uhr

Aufreger
Holterdipolter 100 Jahre zurück

 Ortsdurchfahrt der B 102 in Dahme: Hans Thinius, Frank Donath und Gert Tinius (v.l.) stehen an jener stelle in der Jüterboger Straße, wo Asphalt auf die marode Holperpiste trifft.
Ortsdurchfahrt der B 102 in Dahme: Hans Thinius, Frank Donath und Gert Tinius (v.l.) stehen an jener stelle in der Jüterboger Straße, wo Asphalt auf die marode Holperpiste trifft. FOTO: LR / Carmen Berg
In Dahme ist die Ortsdurchfahrt der B 102 in weiten Teilen ausgebaut worden. Einige Abschnitte sind aber noch immer in einem desolatem Zustand. Anlieger fürchten durchs Sieb zu fallen und haben eine Bürgerinitative gegründet.

Vergleichsweise leise rollt der Verkehr in weiten Teilen auf der neu ausgebauten Ortsdurchfahrt der B 102. Unlängst ist zwischen Luckenwalder und Herzberger Straße ein weiterer Abschnitt übergeben worden.

Bagger und Walzen der Bauleute sind abgerückt. Zwei Abschnitte stadtauswärts in der Jüterboger Straße/Chaussee sowie in der Luckauer Straße/Chaussee aber sind immer noch in desolatem Zustand.

Anlieger der betroffenen Passagen fürchten jetzt, mit ihren Sorgen durchs Sieb zu fallen. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet, mehr als 500 Unterschriften gesammelt und fordern in einem Schreiben an Brandenburgs Infrastrukturministerin Katrin Schneider den Ausbau von Ortsschild zu Ortsschild.

Dieser sei vormals bei einer Projektvorstellung im Klostersaal vom Landesbetrieb für Straßenwesen als Bauherrn in Aussicht gestellt worden, wie sich viele noch erinnern. Doch davon ist mittlerweile keine Rede mehr.

Ortsdurchfahrt in Dahme eng

An der Jüterboger Straße ist die Ortsdurchfahrt eng. Die Fahrbahn ist hier eine wellige, mehrfach geflickte Holperpiste. „Ich bin 1934 geboren. Damals lag schon dieses Pflaster“, erinnert sich Anwohner Gert Tinius. „Es stammt aus einer Zeit, als noch Pferdefuhrwerke das Straßenbild bestimmten“, bringt Frank Donath von der Bürgerinitiative das Problem auf den Punkt.

Einige Nachbarn stehen am Fahrbahnrand. Es knallt und scheppert, wenn größere Autos und Laster den Übergang vom Asphalt auf die Buckelpiste passieren. Und es ist laut, sich normal zu unterhalten ist unmöglich.

Gert Tinius hat in seinem Haus Lärmschutzfenster eingebaut. „Aber nicht jeder kann sich das leisten“, sagt er. Der Lärm beginne morgens um vier und dauere bis in den späten Abend. „Die Leute können ihre Fenster nicht öffnen“, ergänzt Frank Donath. Hans Thinius erzählt, man höre das Dröhnen überall, selbst im Hof.

Zudem beklagen die Anwohner Schwingungen der Straße und Schäden an den Gebäuden. „Da vibriert selbst mein Sessel“, sagt Gert Tinius und versucht es mit schwarzem Humor: „Rückenmassagen in der Physiotherapie kann ich mir sparen.“

Lärmpegel in Dahme teilweise über 85 dB

Frank Donath hat selbst Messungen vorgenommen, deren Lärmpegel teilweise über 85 dB gelegen habe. „Das ist ein Wert, der in Produktionsanlagen das Tragen von Gehörschutz vorschreibt“, so der Anwohner. In ihren Wahlprogrammen zur jüngsten Kommunalwahl haben Parteien und politische Vereinigungen des Stadtparlamentes querbeet die Forderung nach zügiger Abhilfe unterstützt.

Steffen Kleiner, Dezernatsleiter Planung Süd beim Landesbetrieb für Straßenwesen, erklärt auf RUNDSCHAU-Nachfrage, dass entgegen anders lautender Befürchtungen „sehr wohl am vollständigen Ausbau der gesamten Ortsdurchfahrt festgehalten wird“. Darüber sei im Mai auch die Bürgerinitiative informiert worden.

Ein konkreter Zeitrahmen allerdings wird nicht genannt. Wie der Dezernatsleiter ausführt, plant und realisiert der Landesbetrieb aktuell auf der B 102 zwischen Luckau und Jüterbog eine Reihe von Maßnahmen einschließlich der Ortsdurchfahrten. Hintergrund sei in der Regel der Fahrbahnzustand, der den modernen Anforderungen durch den Schwerverkehr nicht mehr genüge.

Kein exaktes Datum für Dahmer Abschnitte

„Insofern sehen wir uns in allen Ortsdurchfahrten mit solchen oder ähnlichen Problemen konfrontiert“, was, so Steffen Keliner weiter, eine anspruchsvolle Aufgabe sei und nach einer Prioritätenreihung verlange.

Da der zeitliche Vorlauf für Straßenplanungen nicht immer exakt zu fassen sei, „wäre es keine solide Aussage, ein exaktes Datum für die Dahmer Abschnitte zu benennen“, so Steffen Kleiner, der zusichert, „dass das Vorhaben sobald als möglich in das Bau- und Planungsprogramm aufgenommen wird“.

Den Anliegern ist das zu vage. „Es ist doch nicht nachvollziehbar, warum nicht mal an einer Stelle ein Vorhaben, das so weit gediehen ist, bis zu Ende geführt wird“, sagt Frank Donath. Die Bürgerinitiative will weiter kämpfen. Ein Schritt sollten zügige, fundiertere Lärmberechnungen sein, so Frank Donath. Bewege sich nichts im Bürgerinteresse, „ziehen wir auch rechtliche Schritte in Erwägung“, kündigt er an.