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| 02:41 Uhr

B 96: Radfahren weiterhin gefährlich

Im Ernstfall hat ein Radfahrer an der B 96 zwischen Golßen und Zützen keine Chance zwischen Lkw und Leitplanken, die zur tödlichen Falle würden. Seit mehr als zehn Jahren dauert der Kampf vor Ort für einen sicheren Radweg.
Im Ernstfall hat ein Radfahrer an der B 96 zwischen Golßen und Zützen keine Chance zwischen Lkw und Leitplanken, die zur tödlichen Falle würden. Seit mehr als zehn Jahren dauert der Kampf vor Ort für einen sicheren Radweg. FOTO: asd1
Golßen. Auf den ersehnten Radweg an der B 96 von Golßen nach Zützen heißt es weiter Warten. Die Nachricht löst vor Ort Empörung aus. Ein Baubeginn noch im Herbst ist an juristischen Erwägungen zum Naturschutz gescheitert. Carmen Berg

Zützener Bürger hatten vor Tagen schon am Reportertelefon Ungemach gewittert. Für den Herbst war der Beginn der Arbeiten avisiert. Aber es tat sich nichts. Dabei hatten die Zützener gehofft, dass ihr mehr als zehn Jahre währender Kampf um die sichere Verbindung zwischen der Kernstadt und dem Ortsteil endlich zu einem guten Ende findet. Denn auf der stark befahrenen Bundesstraße leben Radler gefährlich. Im Ernstfall hätten sie zwischen Lastern und Leitplanken, die mindestens auf der Hälfte der Strecke zu finden sind, zum Ausweichen keine Chance. Wie die Betroffenen vor Ort sieht auch der Landesbetrieb für Straßenwesen als Bauherr, "dass der Radweg mehr als notwendig ist und so schnell wie möglich realisiert werden muss", erklärt Steffen Kleiner, Dezernatsleiter Planung Süd. "Die jüngste Entwicklung "tut auch uns weh", sagt er.

Noch im Sommer schien alles gut. Nach jahrelangem Klärungsprozess mit Behörden, Leitungsträgern und Flächenbesitzern lagen erforderliche Genehmigungen vor, Vereinbarungen waren abgeschlossen, sagt der Dezernatsleiter. Es habe Konsens mit allen Beteiligten bestanden, auch mit der Naturschutzbehörde, betont Golßens Bürgermeister Hartmut Laubisch (SPD).

So war es ein Hammerschlag, als die dem zuständigen Ministerium nachgeordnete Planfeststellungsbehörde jetzt für den Radweg das Baurecht versagte. "Die Gründe sind den Bürgern kaum vermittelbar", empört sichHartmut Laubisch.

Gescheitert ist die Baugenehmigung an juristischen Erwägungen. Knackpunkt ist ein kleines Teilstück des 2,3 Kilometer langen Radweges im Bereich der Dahme-Querung, dessen Büsche und Sträucher ganz am Rande ein Flora-Fauna-Habitat-(FFH) Gebiet tangieren. Darunter versteht man spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz.

Nach jüngsten Rechtsprechungen zu einem anderen Fall im Zusammenhang mit einem FFH-Gebiet müsse auch das Golßener Vorhaben neu betrachtet werden, befand die Genehmigungsbehörde. Für den Landesbetrieb heißt das laut Steffen Kleiner: Alle umweltrelevanten Untersuchungen müssen wieder aufgenommen und für das betroffene Teilstück muss ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich ein auwendiges Prozedere. "Unter einem Jahr ist so ein Verfahren kaum zu machen, meist dauert es länger", befürchtet Jens-Hermann Kleine (CDU), Amtsdirektor des Amtes Unterspreewald. Steffen Kleiner will keine Prognose wagen. Er hofft, den Aufschub so kurz wie möglich zu halten. Ob neue Untersuchungen auch neue Erkenntnisse ergeben, scheint zumindest fraglich. Für Hartmut Laubisch ist nicht nachvollziehbar: "dass der Naturschutz mehr gelten soll als Leib und Leben."

Amt und Stadt wollen sich wehren.. "Wir werden umgehend das Gespräch auf höherer Ebene mit dem Ministerium suchen", kündigt Jens-Hermann Kleine an.

Das Idyll trügt. Diese unscheinbaren Sträucher sind zum juristischen Stolperstein geworden.
Das Idyll trügt. Diese unscheinbaren Sträucher sind zum juristischen Stolperstein geworden. FOTO: Stadt Golßen