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| 02:32 Uhr

Außergewöhnliches Filmerlebnis in Nikolaikirche

Der Stummfilm "Faust" lockte am Samstagabend rund 50 Besucher in die Nikolaikirche in Luckau.
Der Stummfilm "Faust" lockte am Samstagabend rund 50 Besucher in die Nikolaikirche in Luckau. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Luckau. Das Benefizkonzert am Samstagabend in der Nikolaikirche in Luckau war ein Erfolg. Der Spendenerlös in Höhe von 375 Euro kommt dem Verein "Mensch Luckau" zugute. Etwa 50 Besucher sahen sich den Stummfilm "Faust" an. asd1

Die Besucher erlebten einen außergewöhnlichen und spannenden Abend. Die Kirche war dunkel, die Leinwand vor dem Altar die einzige Lichtquelle. Musik kam aus dem Hintergrund. "Faust" ist ein Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1926. Das Geschehen auf der Leinwand untermalte Georg Wendt mit Orgel- und Synthesizermusik; auch Pauken kamen zum Einsatz. Der Kantor aus dem Erzgebirge ist ein Studienfreund des neuen Luckauer Kantors Vocko Hinken.

Die Besucher erlebten eine Version, die es so noch nicht gegeben hatte. "Das war super, mal etwas ganz anderes", sagt Hans Lamich. "Es hat mir gefallen." Der Luckauer unterstützte mit seinem Besuch den Benefizcharakter der Veranstaltung. Gerd Kaufmann vom Verein "Mensch Luckau" hatte zuvor auf den besonderen Anlass verwiesen. Die Spenden sollen Flüchtlingen in der Region Luckau zugutekommen.

Der Film entführt in eine längst vergangene Zeit. Erzengel Michael und Mephisto schließen einen Pakt. Mephisto soll die Erde gehören, wenn es ihm gelingt, die Seele des Gelehrten Faust zu erringen. Als die Pest ausbricht, findet Faust kein Mittel gegen die Seuche. Er ruft die bösen Geister an. Mephisto, der die Pest selbst entfacht hat, bietet ihm seine Hilfe an. Faust lässt sich zunächst auf einen Probetag ein. Das Geschehen nimmt seinen Lauf. Am Ende wird Mephisto durch die Liebe besiegt. "Ich mag solche Filme", sagt Fanziska Dorn aus Fischwasser (Elbe-Elster). Passt Murnaus Werk aber in eine Kirche? "Auf jeden Fall. Die Botschaft des Films ist doch eindeutig." Erlösung durch die Liebe war die zentrale Botschaft des knapp zweistündigen Werks.

Man musste sich allerdings darauf einlassen. Der Einstieg hatte etwas von Hypnose, deutete an, was die Zuschauer erwartete. Dann Trommelwirbel: Film ab! Das Werk hat tatsächlich etwas Mystisches, Sagenumwobenes. Dafür sorgten nicht nur die eindrucksvollen Bilder in Kombination mit eingeblendeten Worten, sondern auch die geheimnisvollen Klänge und Wortbeiträge sowie die in unterschiedlicher Geschwindigkeit eingespielte Musik aus dem Hintergrund. Vom Schlager bis Black Metal wurde eine große musikalische Bandbreite genutzt.

"Sehr gut gemacht", sagt Karen Ascher aus Lübben. "Die Kirche ist durchaus ein geeigneter Ort, um den Film zu zeigen." Fesselnd ist der Stummfilm allemal. Trotz Temperaturen nah am Gefrierpunkt verließ kaum ein Besucher vorzeitig das Gotteshaus. Glühwein half zumindest kurzzeitig. Mit dem außergewöhnlichen Filmerlebnis hat Vocko Hinken zudem für einen gelungen Einstand als neuer Kantor in Luckau gesorgt.