ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:23 Uhr

Mit spitzer Feder
2019 wird „richtig lustig“

 Ohne Worte: Karl-Heinz Schoenfeld blickt mit seiner Karikatur aus den 1960er Jahren auf den Kalten Krieg. Sie ist Teil der aktuellen Ausstellung „Kinder, wie die Zeit vergeht“ im Museum für Humor und Satire.
Ohne Worte: Karl-Heinz Schoenfeld blickt mit seiner Karikatur aus den 1960er Jahren auf den Kalten Krieg. Sie ist Teil der aktuellen Ausstellung „Kinder, wie die Zeit vergeht“ im Museum für Humor und Satire. FOTO: Karl-Heinz Schoenfeld
Nach thematischen Schauen 2018 wird es im Cartoonmuseum Luckau 2019 persönlich. Von Liesa Hellmann

„Kinder, wie die Zeit vergeht“: Je älter ein Mensch ist, desto häufiger wird man diesen Satz wohl von ihm hören. Stammt er jedoch aus dem Mund – oder besser der Feder – eines Karikaturisten, kann man davon ausgehen, dass mehr dahinter steckt als eine zum wiederholten Mal erzählte Erinnerung. Die gleichnamige Ausstellung im Cartoonmuseum in Luckau wirft auch einen Blick in die Vergangenheit, allerdings einen hochgradig politischen. Von den 1960er Jahren bis in die Wendezeit reichen die Cartoons und Karikaturen, die das Museum noch bis zum 24. Februar ausstellt. „Die Arbeiten zeigen die politischen Konstellationen vor und bis kurz nach der Wende und den Zerfall des Systems“, erklärt Andreas Nicolai, Leiter des Museums. Nicolai hat die Ausstellung in wochenlanger Arbeit konzipiert und musste eine Auswahl aus den nunmehr fast 30 000 Stücken der Sammlung treffen. „Es ist erschreckend, dass manche Themen auch nach Jahrzehnten noch immer oder wieder aktuell sind. Das betrifft besonders Kriege und Konflikte“, erklärt er. Das Besondere: Zu manchen Themen, etwa der militärischen Aufrüstung oder der Pressefreiheit, werden ost- und westdeutscher Blick direkt und unkommentiert nebeneinander gestellt.

Die Sammlung des Vereins Cartoonlobby, der das Museum betreibt, hatte lange Zeit einen Fokus auf ostdeutsche Karikaturen. Viele der in der Kollektion vertretenen Künstlerinnen und Künstler haben während der DDR-Zeit etwa für das Satiremagazin Eulenspiegel gearbeitet. Einige Ausstellungsstücke zeigen deshalb „den damaligen Zeitgeist und wie die Partei SED die Gesellschaft sehen und zeigen wollte“, erklärt Nicolai. Das Interessante daran sei, so Nicolai weiter, dass „die Politik der 60er, 70er Jahre und der nachfolgenden Jahrzehnte so gezeigt wird, wie sie damals gesehen wurde.“

Die Cartoonlobby ist beständig daran interessiert, ihre Sammlung zu erweitern. Ihre Ausstellungen nutzt sie, „um zu zeigen, welches Potenzial wir haben.“ Im vergangenen Jahr standen deshalb thematische Ausstellungen im Fokus, die eine große Bandbreite an Künstlerinnen und Künstlern zeigten. Unter dem Titel „Frauensache?!“ wurden Arbeiten von 21 Zeichnerinnen aus ganz Deutschland gezeigt, die, wie Nicolai sagt, „sehr gut angenommen“ wurden und möglicherweise als Wanderausstellung zukünftig durch Deutschland touren sollen. Diesen Weg hat etwa die Ausstellung „Manche mögen’s heiß“, die sich mit dem Klimawandel auseinander setzt, genommen.

Im Jahr 2019 wird das Museum einen anderen Schwerpunkt setzen. „Wir wollen zeigen, was für die Sammlung wichtig ist und auch die Geschichte der Karikatur beleuchten“, sagt Andreas Nicolai. Dazu wenden sie sich ausgewählten Künstlern zu und zeigen exemplarische Arbeiten aus ihrem Lebenswerk. Den Anfang macht im März Peter Thulke unter dem Titel „Thulkes Welt“. „Das wird richtig lustig“, freut sich Andreas Nicolai. „Peter Thulke ist ein guter Humorzeichner, seine Familiengeschichten sind einfach legendär.“

Im Juli feiert das Museum den 75. Geburtstag mit Peter Butschkow. Der gebürtige Cottbuser ist, in Nicolais Worten, „eine Legende mit hohem Unterhaltungswert“. Butschkow war Teil der Berliner Cartoonistenszene der 1970er und 80er Jahre, wie auch am Titel der Ausstellung deutlich wird: „Wollta. Hatta. Issa.“ Der Vorname „Peter“ ist übrigens kein Muss, um im Jahr 2019 im Luckauer Cartoonmuseum ausstellen zu können: Den Jahresabschluss bildet im November eine Schau zum Werk Ulrich Forchners, der für seine karikaturistischen Porträts bekannt ist.

2019, so viel ist sicher, wird Luckau also weiterhin Sitz des einzigen Cartoon- und Karikaturmuseums in Berlin und Brandenburg sein. „In Luckau sind wir auf die technischen Voraussetzungen wie Klimaregelung und Sicherheit gestoßen, die unsere Arbeit überhaupt erst ermöglichen. Wir haben hier einen vernünftigen Arbeitsort, der es uns erlaubt, als Museum agieren zu können und eine Öffentlichkeit zu finden“, sagt Andreas Nicolai.

Dass das jedoch nicht immer so sein wird, war schon 2011 zum Einzug in die Erdgeschossräume des Kreisarchivs klar. „Unser Mietvertrag läuft über zehn Jahre, also noch bis 2021. Irgendwann wird das Kreisarchiv auch die Räume im Erdgeschoss benötigen“, erklärt Andreas Nicolai. „Letztlich ist Luckau auch ein bisschen zu weit weg von den Großstädten, das gilt auch für die Wahrnehmung durch die Großstadtpresse.“ Die Standortsuche für ein großes Museum in Berlin geht derweil weiter. „Wie kann es sein, dass Berlin als politisches Zentrum kein Museum für die Karikatur hat?“, fragt Nicolai. Davon profitieren bisher noch die Luckauer – und alle Liebhaberinnen und Liebhaber politischen Humors in der Region.