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Aus Kunst wird Freundschaft

Junge Luckauer und Slawaer haben nicht nur im gemeinsamen Kunstprojekt eine Woche lang viel Spaß miteinander.
Junge Luckauer und Slawaer haben nicht nur im gemeinsamen Kunstprojekt eine Woche lang viel Spaß miteinander. FOTO: be
Luckau. 20 Schüler aus der polnischen Partnerstadt Slawa verbringen eine Woche an der Luckauer Oberschule An der Schanze. Die Austausche mit gemeinsamen Projekten und Freizeitaktivitäten haben seit über zehn Jahren Tradition. Carmen Berg

Die 14-jährige Esther klebt und malt aus Papierschnipseln ein futuristisches Mosaik. Ein Haus soll es werden, mit einem Herzen als Tür und einem Auge als Fenster. Bei Nachbarin Jennifer "wächst" auf weißem Blatt eine Tulpe. Den Luckauerinnen gegenüber lassen deren polnische Gastschwestern Patrizia und Sara ebenfalls in Mosaiken ihrer Phantasie freien Lauf. Es geht darum, sich von dem katalanischen Stararchitekten Antonio Gaudi inspirieren zu lassen, der für die Synthese von Tradition und mutigen Innovationen steht. "Die Schüler machen das ganz toll", lobt Pädagogin Silvia Balke, Betreuerin des Kunstprojektes. In einer zweiten deutsch-polnischen Gruppe geht es unterdessen musikalisch zu. Stücke aus beiden Ländern werden einstudiert. Die Ergebnisse der Workshops stellen Luckauer und Slawaer beim Abschlussabend Eltern und weiteren Gästen vor.

Die Projekte sind ein fester Bestandteil der Schüleraustausche, die es seit mehr als zehn Jahren gibt, erklärt Koordinator Thomas Neupert. Im jährlichen Wechsel reisen 20 Schüler hinüber und herüber. Sie wohnen in Gastfamilien, lernen bei Ausflügen Land und Leute kennen.

Die Slawaer haben sich nach ihrer Ankunft bei einer Stadtführung Luckau angeschaut. Ebenso auf dem Programm stand beispielsweise eine Tagestour nach Berlin mit Besuch des Naturkundemuseums und des Potsdamer Platzes. Gefördert wird der Austausch vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und von der Stadt Luckau. Gut angelegtes Geld, wie Thomas Neupert sagt, denn wie könnten europäische Nachbarn besser zusammenwachsen als in persönlichen Begegnungen.

Esther und Jennifer waren im vergangenen Jahr in Slawa. "Ich war neugierig, wie Jugendliche in Polen leben, was sie in der Freizeit machen, wie es dort an der Schule so ist", erzählt Jennifer. Fazit der Luckauerinnen: "Es war schön". Genau so gern sollen ihre polnischen Gäste an Luckau zurückdenken, dafür lassen sich Schüler und Gasteltern viel einfallen. So zeigte Jennifer Sara die Lübbener Schlossinsel, mit Esthers Familie hatte Patrizia Spaß im Tropical Islands. Die 14-Jährige freut sich, einen der begehrten Plätze im Austauschprogramm bekommen zu haben. "Ich war mit der Tanzgruppe meiner Stadt schon in Luckau, und es hat mir so gut gefallen", sagt sie. Siebentklässlerin Michelle ist zum ersten Mal Gastgeberin, und ihre Gastschwester Natalia ist zum ersten Mal in der Gartenstadt. Im idyllischen Ortsteil Bergen, wo Michelle wohnt, gehen die beiden Mädchen, wenn Zeit ist, gern mit dem Hund spazieren und erzählen einander mehr über sich. "In Deutsch, in Englisch, zur Not mit Händen und Füßen", sagt Michelle. Auch ein paar Brocken Polnisch hat sie von der neuen Freundin gelernt. Beide hoffen, dass sie sich im nächsten Jahr wiedersehen, wenn erneut Luckauer nach Slawa fahren werden. In Kontakt bleiben wollen Luckauer Oberschüler und junge Slawaer auf jeden Fall. "Es gibt doch Internet", sagt Jennifer.