Von Carmen Berg

Warum die Kuh nicht lila ist, hat Heiko Terno, den Geschäftsführer des Reha-Gutes der Arbeiterwohlfahrt, zwar noch keiner gefragt. Doch manch andere Wissenslücken bei „Stadtpflanzen“ wollen die Gastgeber der Auftaktveranstaltung zur 25. Brandenburger Landpartie am 15. und 16. Juni auf unterhaltsame Weise schließen.

Auf dem Gut sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Unter seinem Vorgänger hatte es für mehrere Jahre keine Landpartie gegeben, bedauert Heiko Terno. Der neue Chef und Vize-Präsident des Landes-Bauernverbandes will das ändern. Erfolgreich bewarb sich der Agrarbetrieb um den Auftakt im silbernen Jubiläumsjahr der lehrreichen Landausflüge. „Wenn schon Neubeginn, dann richtig“, sagt Heiko Terno. Prominenz hat sich angesagt, angeführt von Brandenburgs Ministerpräsidenten. Vor allem aber sind alle großen und kleinen Leute willkommen, die sehen wollen, woher das Essen auf ihren Tellern kommt.

700 Rinder, davon 400 Milchkühe, stehen in den Kemlitzer Ställen. Auf knapp 1000 Hektar wachsen Brotgetreide, Raps sowie Futterkulturen heran. Auf zwölf Hektar werden Kartoffeln angebaut, die im Schälbetrieb vor Ort verarbeitet  und an alle Küchen der Arbeiterwohlfahrt Südbrandenburg zwischen Cottbus und Falkenberg/Elster geliefert werden.

Das Besondere am Reha-Gut: Die Hälfte der rund 40 Mitarbeiter sind Menschen mit Handicap. Sie kommen im Schälbetrieb, aber auch in anderen Bereichen zum Einsatz. „Wir haben eine gehörlose Tierpflegerin in der Milchviehanlage“, nennt Heiko Terno ein Beispiel. „Die Teilhabe funktioniert“, sagt er, und Stolz schwingt mit.

Die Kemlitzer öffnen nicht nur zur Landpartie ihre Türen. Mit Kindergruppen, die sich für Projekttage anmelden oder Zeit im Ferien- und Freizeitzentrum auf dem Gutsgelände verbringen, fährt der Geschäftsführer oft im Kremser durch Feld und Flur. Manchmal sei er erschrocken, gibt er zu. „Wenn selbst Lehrer Kartoffelfelder nicht erkennen und für Blumen halten“, dann zeige das, „wie fremd ihnen Landwirtschaft schon geworden ist“. Unter Folie hat Heiko Terno für die Landpartie-Besucher aus der Stadt einen Schlag Frühkartoffeln anbauen lassen, um den Weg der Knollen vom Feld bis auf den Teller vorzuführen. „Doch sie wachsen nicht, die Nächte sind zu kalt“, sagt er.

Wie das Wetter die Bauern um den Lohn der Mühe bringt, haben die Kemlitzer im vergangenen Dürrejahr erfahren. „Unsere Silos sind leer, die Reserven aufgebraucht.“ Futter sei so teuer geworden, dass die Bauern für den Liter Milch 45 und nicht  35 Cent bekommen müssten, rechnet Heiko Terno vor. Es rege ihn auf, wenn der Handel Lebensmittel zu billig verschleudere und den Erzeugern zu wenig bleibe, um den Mitarbeitern harte Arbeit angemessen zu bezahlen.

Auch Debatten um Agrarbetriebe als Umweltfrevler ärgern den Geschäftsführer. „Wir werden zeigen, dass es zwischen konventionellem Anbau und Bio noch mehr gibt“, sagt er. So setzt Gut Kemlitz auf den reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Schläge seien nicht mehr so groß wie früher. Vor Weizenfeldern gibt es Blühstreifen mit einem Lerchenfenster, einem Streifen, der beim Drillen ausgelassen wird. „Die Vögel brauchen diesen Platz zum Starten und Landen“, erklärt der Landwirt.

Ein Prämium-Produkt bietet das Gut Qualitätsbewussten neuerdings mit einem Partner über eine Internetplattform an: Fleisch und Wurst vom „Märkischen Kartoffelschwein“. Die Tiere werden in kleiner Herde frei laufend gehalten und ausschließlich mit Kartoffeln vom Gut gefüttert.

Kremserrundfahrten zu Feldern und Ställen, ein Regionalmarkt sowie Leckeres aus eigenem Anbau auf den Tellern gehören ebenso zur Kemlitzer Landpartie wie ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm und am Sonntag ein Frühschoppen. Zudem findet an beiden Tagen ein Treckertreffen mit Parade statt, kündigt Heiko Terno an.

Auf einem separaten Gelände können Kinder auf Landmaschinen unter fachlicher Begleitung selbst Runden drehen. Sie können aber auch bei Teichexpeditionen und geführten Streifzügen durch den Park die Natur erkunden sowie Kälbchen streicheln, die der Rinderzuchtverband mitbringen wird. „Der Weg lohnt sich für Groß und Klein“, verspricht der Gutschef.