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Luckau
Erste Hilfe für die Seele

Seit 14 Jahren arbeitet Heike Riedewald ehrenamtlich in der Notfallseelsorge von Dahme-Spreewald.
Seit 14 Jahren arbeitet Heike Riedewald ehrenamtlich in der Notfallseelsorge von Dahme-Spreewald. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau. Notfallseelsorger von Dahme-Spreewald stehen Menschen in Extremsituationen bei. Von Carmen Berg

Es wird mucksmäuschenstill an der Kaffeetafel in der Luckauer DRK-Begegnungsstätte, als Heike Riedewald von ihrer ehrenamtlichen Arbeit berichtet. Die 60-jährige Bornsdorferin engagiert sich seit 14 Jahren in der Notfallseelsorge des Landkreises Dahme-Spreewald. Sie gehört zu einem Team von 14 Freiwilligen, die bei tragischen Ereignissen erste Hilfe für die Seele leisten.

Die Notfallseelsorger unterstützen die Arbeit von Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, von Rettungssanitätern und Ärzten. „Wir sind für Menschen da, die gerade den Boden unter den Füßen verloren haben“, sagt Heike Riedewald.

Wohl jeder kennt aus dem Fernsehen Bilder von schweren Zug- oder Busunglücken mit Toten und Verletzten und hofft, dass er so etwas nie erleben muss. Heike Riedewald und ihre Kollegen kümmern sich um Opfer und Angehörige. Sie begleiten beispielsweise aber auch Polizisten, wenn sie Eltern sagen müssen, dass der einzige Sohn bei einem Motorradunfall starb oder leisten Beistand, wenn ein Angehöriger aus ungeklärter Ursache zu Tode kam. Immer sind es außergewöhnlich belastende Situationen, in denen Polizei und Rettungskräfte die Notfallseelsorger um Unterstützung bitten. Dann werden die Ehrenamtlichen über die Rettungsleitstelle informiert. Nach Dienstplan sind sie rund um die Uhr erreichbar, auch an den Wochenenden. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, unterstützen uns gegenseitig“, sagt Heike Riedewald. Hat ein Mitarbeiter aus dem Nordkreis Bereitschaft, und ein Unglück geschieht weitab im Südkreis, „dann springen wir auch füreinander ein, um Wege kurz zu halten“, so die Ehrenamtliche.

„Wir helfen Menschen, deren Welt aus den Fugen geraten ist, über die ersten Stunden. Wir sehen, was wir für sie tun können und bleiben, bis Verwandte oder Freunde sich weiter kümmern“, erklärt sie. Mit dem Verlassen der Unglücksstelle ist die Aufgabe der Notfallseelsorger beendet. Bei Bedarf übernehmen professionelle Beratungsdienste. „Wir sind wie ein Pflaster auf der Wunde. Wir kommen leise, und wir gehen leise“, sagt Heike Riedewald.

In ihrem Einsatzkoffer sind neben Decke und anderen Utensilien Malstifte und Plüschteddys. „Wir hatten schon viele Kinder zu betreuen, deren Eltern verunglückt waren.“ Das gehe dann besonders an die Nieren, erzählt sie.

Zwischen 80 und 100 Einsätzen absolvieren die Notfallseelsorger von Dahme-Spreewald im Jahr. Im Alltag arbeiten sie in unterschiedlichen Berufen, sind Angestellte, Krankenschwester, Sozialpädagogin. „Man braucht Einfühlungsvermögen, und muss bedrückende Situationen aushalten können“, beschreibt Heike Riedewald Grundvoraussetzungen für dieses besondere Ehrenamt. Leute mit Sensationsgier würden im Team nicht gebraucht, fügt sie an.

Bewerber werden vom Team auf ihre Eignung geprüft, müssen einen umfangreichen Fragenkatalog beantworten und in einem Grundkurs praxisnahe Situationen meistern. Nach der Aufnahme schließen sich regelmäßige weitere Aus- und Weiterbildungen an.

Die Gründe, sich für die Notfallseelsorge zu bewerben, seien unterschiedlich, sagt Heike Riedewald. Sie selbst habe die Hilflosigkeit nach Schicksalsschlägen erlebt und eine neue Aufgabe in der Freizeit gesucht, als die eigenen Kinder groß waren. Neben dem Team sei es die Familie, „die mich auffängt, wenn ich von Einsätzen nach Hause komme“. Lange Spaziergänge, klassische Musik helfen, herunterzukommen und abzuschalten. Zudem findet Heike Riedewald Ausgleich in ihrem Hobby, dem Bauchtanz.

Ansprechpartner für Menschen, die sich für eine Mitarbeit interessieren, ist Thomas Köhler, Superintendent des Kirchenkreises Niederlausitz, Telefon 03546 1791422, Mail: superintendent@kirchenkreis-niederlausitz.de.