Von Carmen Berg

Im Rucksack der Stadtverordneten, die sich am Donnerstag mit der konstituierenden Sitzung auf den Weg in die neue Legislaturperiode machen, steckt ein Problem noch aus der alten Wahlperiode. Es geht um Jugendliche, die im Nordhag zwischen Oberschule und Grundschule massiv für Ärger sorgen. Bürger fühlen sich von Pöbeleien teils alkoholisierter Gruppen, lauter Musik und Schmutz belästigt. „Die pinkeln öffentlich an die Wand und lachen darüber“, beklagte ein Anwohner während der letzten Bürgerfragestunde im alten Stadtparlament. In der Mittagsstunde würden sich die Leute nicht vorbei trauen. Er habe selbst das Gespräch gesucht, „aber man steht allein bis zu 20 Leuten gegenüber“. Manchmal dringe er mit seinem Worten zwar durch, „aber kaum sind die einen weg, rücken die nächsten nach“. Gäste der ASB-Tagespflege im Viktoriastift am Nordhag würden wegen der lauten Musik um ihrem Mittagsschlaf gebracht, nannte ASB-Mitarbeiter Jörg-Uwe Lehmann ein anderes Beispiel.

Vor den Ferien und mit Freigabe der Hauptstraße samt Bushaltestelle am Lidl-Markt habe sich die Situation im Nordhag zwar jüngst entschärft, ist zu hören. Doch die Befürchtung bleibt, dass mit dem neuen Schuljahr alles von vorn beginnt.

Ein Knackpunkt sind demnach Oberschüler, die sich zur Bushaltestelle an der Grundschule aufmachen, um im Bus einen Sitzplatz zu ergattern. Wie Henri Kuhl, Schulleiter der Oberschule, sagt, seien rechtlich die Eltern verantwortlich für den Schulweg ihrer Kinder. Sie werden von der Schule darauf hingewiesen, dass die nahe Bushaltestelle an der Trift zu nutzen ist. Trotzdem aber gingen er und andere Pädagogen auf Unverbesserliche zu. Doch es seien nicht nur Oberschüler, die auffällig werden. „Es finden sich auch ältere Jugendliche ein und ziehen die Jüngeren mit“, sagt der Schulleiter.

Die Amtsverwaltung habe das Thema in großer Runde mit Lehrern, Sozialarbeitern, Eltern- und Schülervertretern erörtert, so die für Schulen zuständige Amtsleiterin Michelle Schombach. „Doch die Eltern, um deren Kinder es geht, haben wir damit nicht erreicht“, bedauerte sie.

Abgeordnete forderten, Satzungen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und verschärfte Kontrollen. „Wo es keine Strafe gibt, ändert sich nichts“, betonte Stadtverordneter Marco Dastig. Auch Schulleiter Henri Kuhl sieht das Ordnungsamt in der Pflicht. „Aber es ist wohl einfacher, in den Dörfern jede Hundemarke zu überprüfen“, wettert er.

Satzungen seien das eine, „aber wir brauchen auch das Personal“, so Ordnungsamtsleiterin Christina Denkel. Sie kündigte an, dass ein Sicherheitsdienst zu unregelmäßigen Zeiten Streife laufen soll.

Womöglich könnte den Dahmensern zudem helfen, was in der Nachbarstadt Luckau praktiziert wird. Die Dahmer Amtsverwaltung werde das jetzt prüfen, kündigt Michelle Schombach an. Luckau hat seit mehr als zehn Jahren eine Ordnungsbhördliche Verordnung zu einem allgemeinen Rauch- und Alkoholverbot in ausgewiesenen Bereichen an Schulen und Kitas, die im Vorjahr auf den Bereich des Bolzplatzes und der Schanze erweitert wurde. Der Grund: Probleme hatten sich verlagert. Am Bolzplatz sei es zu Trinkgelagen und Auseinandersetzungen gekommen. Oft blieben zerschlagene Bier- und Weinflaschen zurück, berichtet Ordnungsamtsleiter Thomas Schäfer.

Wie er sagt, gebe die Verordnung Kontrolleuren eine gesicherte Grundlage, Delikte zu ahnden. Bei kleineren Vergehen schwingen die Ordnungshüter nicht gleich beim ersten Mal die „große Keule“, sondern verwarnen die Übeltäter. Im Wiederholungsfall würden Verwarngelder fällig. Thomas Schäfer zufolge gibt es Jugendliche und Eltern, die sich entschuldigen, aber auch andere, die uneinsichtig sind und deren Fälle ins Bußgeldverfahren übergeleitet werden. Ein- bis zweimal im Jahr komme es vor, dass Jugendgerichte eingeschaltet und beispielsweise Sozialstunden verhängt würden.

Das A und O, so der Ordnungsamtsleiter, seien Kontrollen. Sie würden zu unregelmäßigen Zeiten und teils in Zusammenarbeit mit der Polizei durchgeführt. Weil das Smartphone oft schneller ist als die Kontrolleure, sind sie künftig verstärkt in Zivil unterwegs.