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| 02:40 Uhr

Auf Spurensuche im Landschaftspark

Anschaulich und faktenreich erläuterte Ardo Brückner (r.) vom Kultur- und Heimatverein den Neujahrswanderern die Geschichte von Schloss und Park, während Naturpark-Rangerin Monika Gierach (2.v.r.) auf Spuren der tierischen Bewohner aufmerksam machte.
Anschaulich und faktenreich erläuterte Ardo Brückner (r.) vom Kultur- und Heimatverein den Neujahrswanderern die Geschichte von Schloss und Park, während Naturpark-Rangerin Monika Gierach (2.v.r.) auf Spuren der tierischen Bewohner aufmerksam machte. FOTO: Keilbach/bkh1
Fürstlich Drehna. Ein gestalteter Landschaftspark ist zu jeder Jahreszeit schön. Im Winter erschließen sich dem aufmerksamen Beobachter zudem Einblicke, die sonst unter dichtem Laub verborgen sind. Diesen Eindruck gewannen die Teilnehmer einer inspirierenden Wanderung am Neujahrstag. Birgit Keilbach / bkh1 bkh1

Ardo Brückner, Vorsitzender des örtlichen Kultur- und Heimatvereins, lenkte die Augen der Teilnehmer mit Sachkenntnis auf Sichtachsen und Einzelbäume im ursprünglichen und dem nach Ende des Bergbaus neu gestalteten Parkteil. Mit anschaulichen Geschichten brachte er das Engagement der Fürstlich Drehnaer für den Erhalt dieses wertvollen Kulturgutes aus eigenem Erleben anschaulich nahe. Monika Gierach, Rangerin des Naturparks Niederlausitzer Landrücken, machte während des Spaziergangs auf sichtbare und verborgene Spuren tierischer Bewohner der Parklandschaft aufmerksam.

Beispielsweise sind Eichhörnchenkobel und Taubennester im unbelaubten Geäst der Parkbäume zu dieser Jahreszeit gut erkennbar. Ein genauer Blick auf den Erdboden lohnt sich gleichfalls. Am Fuß einer Stieleiche, einer der ältesten Bäume des fast 200 Jahre alten Landschaftsparks, wies sie die Wanderer auf die Anwesenheit eines Käfers hin. "Hier sehen sie viel Mulm, das bedeutet, hier lebt ein Eremit, eine besonders seltene und geschützte Käferart", erklärte sie. Nur selten verlasse der Käfer seine Baumhöhle, nur zur Paarungszeit sei er mit etwas Glück zu entdecken, erläuterte dann die Rangerin.

Wie die über 30 Meter hohe Stieleiche prägt bis heute eine Reihe markanter Bäume den historischen Teil des Parks, wie Ardo Brückner erläuterte. Von der Schlossbrücke aus fällt der Blick auf zwei Blutbuchen, in deren Mitte eine ahornblättrige Platane steht. Alle drei Bäume stammten aus der Anfangspflanzung für den Landschaftspark im englischen Stil, dessen Gestaltung ab 1819 durch den damaligen Besitzer der Standesherrschaft, Graf Moritz zu Lynar, erfolgte. 22 markante Bäume seien durch Dendrologen im Jahr 1909 dokumentiert worden, fünf davon seien heute noch vorhanden, brachte Ardro Brückner den Zuhörern die Historie nahe. Eine Erweiterung habe der Park Ende des 19. Jahrhunderts durch Carl Wätjen erfahren. Dessen Vater, der Bremer Reeder Christian Heinrich Wätjen, hatte den Besitz 1877 für ihn gekauft. Er ließ vor allem Koniferen anpflanzen, eine nachweisbar im Jahr 1886 "als sechsjährige Pflanze, wie er selbst unter einem Bild notierte", sagte der Heimatvereinsvorsitzende.

Eindrucksvoll erhebt sich diese jetzt fast 135-jährige Douglasie gen Himmel, ein tiefer Riss zieht sich in der Höhe an der Rinde entlang. Diese Folge eines Blitzeinschlags heilt der Baum noch immer. Das dafür produzierte Harz entdeckten die Wanderer am Fuß des Baumes als großflächige, hellblaue Flecken auf der Rinde. Eine Erklärung für die blaue Farbe habe er nicht, antwortete Ardo Brückner auf deren Frage. Allerdings sei dieser Baum ein wahrer Überlebenskünstler, denn vor rund 30 Jahren befand er sich nur 20 Meter entfernt vom aktiven Tagebau. Nach wenigen Schritten erreichte die Gruppe dann auch die einstige Abbaugrenze des Bergbaus. Dahinter fielen rund 22 Hektar des ursprünglichen Landschaftsparks der Braunkohle zum Opfer. Durch engagierte Fürstlich Drehnaer, die sich 1983 zu einem Parkaktiv zusammenfanden, konnte der alte Parkteil gerettet werden. Sie holten sich fachliche Unterstützung durch den Cottbuser Garten- und Landschaftsarchitekten Prof. Helmut Rippl, der auf die Gestaltung des neuen Parkteils nach dem Ende des Bergbaus maßgeblich Einfluss nahm.

So bilden alter und neuer Teil heute eine Einheit mit neuen Sichtachsen, dem Neuteich und seinen drei Inseln. Den umfassenden Blick darauf eröffnete Ardo Brückner den Spaziergängern aus dem leicht erhöht stehenden Pavillon, ergänzt um die Geschichte der Rettung des Kleinods aus dem Park in Saßleben und dessen Restaurierung und Wiederaufbau dann in Fürstlich Drehna.

"Ich kann mich noch gut erinnern, wie der Park während der Bergbauzeit gedürstet hat", sagte Sybille Sauerbrei, die dessen Entwicklung seit Jahrzehnten verfolgt. "Alle Hochachtung gegenüber den Einwohnern, die sich schon so lange für ihren Park engagieren." Besonders gefielen ihr die zahlreichen schönen Bänke zum Verweilen. "Mich verbinden viele schöne Erinnerungen mit dem Park, wie das Sommerfest im vergangenen Jahr." Mehr über die Parkgeschichte wollte Claus Mauersberger aus Luckenwalde erfahren und sah seine Erwartungen erfüllt. "Es war eine sehr faktenreiche und interessante Führung mit vielen Details über die historischen Zusammenhänge", resümierte er.

Zum Thema:
Ausführlich beschrieben ist die Geschichte von Schloss und Park in Fürstlich Drehna in einer 140-seitigen Broschüre "Der Schlosspark Fürstlich Drehna - Seine Urheber, Förderer, Bewahrer, Wiederbeleber". Das von einem Autorenkollektiv des Kultur- und Heimatvereins verfasste Buch ist im Cottbuser Regia-Verlag erschienen und im Haus der Naturparkverwaltung in Fürstlich Drehna erhältlich. (ISBN: 978-3-86929-061-4, 9,95 Euro) bkh1