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Auf Luthers Spuren in Dahme

Am Eröffnungstag fanden die Texte auf den fünf Metall-Stelen bereits reges Interesse bei den Kirchenbesuchern.
Am Eröffnungstag fanden die Texte auf den fünf Metall-Stelen bereits reges Interesse bei den Kirchenbesuchern. FOTO: be
Dahme. Martin Luther, der vor 500 Jahren mit dem Anschlag seiner 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche die Reformation ausgelöst hat, ist nie in Dahme gewesen. Doch seine Lehre, die sich rasch ausbreitete, stieß auch bei den Einwohnern hier auf Resonanz. Carmen Berg

Offen bekennen konnten sich die Vorfahren um 1520 dazu aber nicht. Die Hintergründe dafür und andere spannende Geschichten aus jener Zeit vermittelt die Open-Air-Ausstellung "Dahme im Wandel der Reformation", die als Projekt von Kulturland Brandenburg seit Sonntag in der Flämingstadt zu besichtigen ist. Fünf große Stelen aus Metall stehen auf der Wiese an der Hauptkirche St. Marien. Sie laden Einheimische und Gäste zum Lesen ein. Die Texte haben die Historiker Nele Diekmann und Dr. Marcel vom Lehn in Kooperation mit Museumsleiter Tilo Wolf zusammengetragen.

"Anfangs schien es sehr unwahrscheinlich, dass in Dahme der lutherische Glaube einziehen würde. Schließlich gehörte die Stadt im 16. Jahrhundert zum Erzstift Magdeburg, dessen katholischer Erzbischof Albrecht IV. mit seinen Ablassgeschäften Luthers Thesen erst ausgelöst hatte", sagt Tilo Wolf. Dennoch sollte ein Dahmenser, der um 1503 geborene Georg Buchholzer, einer der bedeutendsten Reformatoren Brandenburgs werden. In Wittenberg war der junge Buchholzer während seines Studiums schnell in Kontakt mit dem Kreis um Luther und Philipp Melanchthon gekommen. Als Pfarrer im damals sächsischen Schöna, unweit von Dahme, predigte er die neue Lehre. "Die Leute aus der Stadt gingen heimlich über die Grenze zum Gottesdienst, denn der Dahmer Burghauptmann war treuer Gefolgsmann der katholischen Kirche", sagt Tilo Wolf.

Aufhalten ließ sich der Wandel letztlich nicht. Tilo Wolf nennt einige Beispiele, die davon zeugen. So zerstörte im Jahr 1563 ein Brand an der Hauptstraße die Kirche, die an der Stelle des heutigen Rathauses stand. "Für die Ruine hatte das Erzbistum, das bereits in Auflösung war, keine Verwendung mehr und schenkte sie der Stadt", erzählt er. In dem Zusammenhang berichtet die Chronik auch vom schon "wüst stehenden Kloster". Und Umbruch pur: "Der letzte Prior von Dahme hatte den Abt von Luckau hier getraut", so der Museumsleiter.

Georg Buchholzer amtierte in Schöna elf Jahre, er heiratete in dieser Zeit und hatte sechs Kinder. Der brandenburgische Kurfürst Joachim II. berief ihn anschließend als Propst nach Berlin, wo er am 1. November 1539 die erste lutherische Predigt und das Abendmahl nach neuem Ritus hielt. Das gilt als Beginn der Reformation in Brandenburg.

Die Stelen werden dauerhaft vor der Kirche bleiben. Aber nicht in erster Linie als Monumente historischer Rückschau. Dahmes Pfarrer Carsten Rostalsky sieht vielmehr im Reformationsjubiläum für die Kirche einen Anlass selbstkritischer Betrachtung. "Die Kirche muss gewillt sein, bedrängende Probleme der Zeit ernst zu nehmen, den Menschen Hilfestellung zu geben." Sie müsse ein wesentlicher mitgestaltender Faktor in der Gesellschaft sein, so der Seelsorger in Bezug auf das Erbe Luthers. Amtsdirektor Frank Pätzig (parteilos) sagt, es habe bereits gute Tradition in Dahme, sich an Projekten von Kulturland Brandenburg zu beteiligen, die über den Tag hinaus Bestand haben. Die neue Ausstellung werde auch in kommenden Jahren Interessierte anziehen, "weil sie informativ ist".

Zum Thema:
Die Schau ist ein Beitrag der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen" Brandenburgs zum Kulturland-Jahr unter dem Motto "Wort & Wirkung. Luther und die Reformation in Brandenburg". Sie wurde gefördert aus Mitteln des Kultur- und des Infrastrukturministeriums. Einen Abstecher in die Kirche St. Marien wert sind ein Porträt Buchholzers in einem restaurierten Bleiglasfenster sowie Informationen zu Persönlichkeiten der Reformation und ein Brief Luthers an Buchholzer.