Ihre Augen leuchten, als sie beginnt, über technische Abläufe in einer Branche zu sprechen, die überwiegend von Männern dominiert wird. Ronja Assmann erzählt mit einer Begeisterung über "sequenzielles Getriebe" im Motorsport, wie ein Fischer über den größten Fang seines Lebens. "Es geht nicht mehr ohne Autos", sagt sie.

Mit 15 Jahren fängt ihre Leidenschaft für schnelle Flitzer an. "Alles begann im Luckauer Autohaus von Otto Schwadtke. Er leitet ein ma-con-Motorsport-Team, das in der Formel-3-Serie fährt", erläutert Ronja Assmann. ma-con fördert junge Nachwuchspiloten und begleitet diese auf ihrem Weg in den Rennzirkus. Ronja Assmann bezeichnet sich selbst als Quereinsteigerin, "denn gewöhnlich wählt man den Einstieg in die Branche über die Kart-Serie, was bei mir nicht so war". Für die Golßenerin folgen erste Testfahrten mit ihrem Trainer Ronny Wechselberger unter anderem auf dem Lausitzring. "Ich habe schnell eine Verbindung zum Auto aufgebaut", sagt die junge Frau, die in die 12. Klasse des Luckauer Bohnstedt-Gymnasiums geht. Mit 16 fährt Ronja ihr erstes Rennen, erwirbt die nationale C-Lizenz, trainiert im STC Spreewaldring-Training-Center in Waldow. Ein Führerschein war dafür nicht nötig. "Den habe ich mit 17 im Rahmen des begleiteten Fahrens gemacht", so die Golßenerin. Sie schließt 2012 in einem Lehrgang bei Jörg van Ommen die nationale A-Lizenz ab.

2013 wird ihre erste große Motorsportsaison. Sie erwirbt die internationale C-Lizenz. "Dafür musste ich bei fünf Rennen mitfahren und immer unter die besten 50 Prozent kommen", erklärt Ronja. Sie nimmt am "Renault Clio Cup Bohemia" teil, einer Rennserie, die an verschiedenen Orten wie dem Hockenheimring oder Lausitzring stattfindet. Auf jeder Strecke werden Punkte gesammelt. "In Summe habe ich einen vierten Platz in der Juniorwertung belegt", sagt Ronja stolz. Bei einem Teilnehmerfeld von rund 30 Fahrern. "Außerdem bin ich beim German Tourenwagen Cup gestartet", so Ronja. Hier wird sie Sechste unter 30 Fahrern. Ihr "Arbeitsgerät" ist ein Renault Clio, den sie mit 207 PS und einer maximalen Geschwindigkeit von 210 Kilometern pro Stunde über den Asphalt jagt. "Man sollte immer Respekt haben vor der Geschwindigkeit, der Strecke und dem Auto, aber niemals Angst. Sonst wäre man hier fehl am Platz", sagt Ronja. Die 18-Jährige kennt ihre eigenen Grenzen, wie sie sagt. "Ich weiß, was ich mir und dem Fahrzeug zutrauen kann."

Mutter Bettina unterstützt die Tochter bei ihrer Leidenschaft. "In gewisser Hinsicht habe ich zwar Angst um sie, aber ich vertraue auf die fachmännische Betreuung von Team, Trainer und Umfeld", sagt Bettina Assmann. Laut Ronja zeichnen einen guten Rennfahrer mehrere Dinge aus: "Fitness, Beherrschung des Fahrzeugs, optimale Bewegung im Grenzbereich und das Fahren auf einer Ideallinie." Das ist eine gedachte Linie, die auf einer Rennstrecke den schnellstmöglichen Weg beschreibt. "In Vorbereitung auf Testfahrten und Rennen mache ich Ausdauersport, Krafttraining und muss einen Ernährungsplan einhalten", berichtet die 18-Jährige. Das bedeutet: Kohlenhydrate vor dem Rennen und viel isotonische Flüssigkeit.

Ihren jüngsten Coup hat Ronja gerade bei einem zweitägigen Sichtungslehrgang in Oschersleben erzielt. Dort wurden vier Piloten aus ganz Deutschland für das "Youngster-Racing-Team 2015" des dmsj ausgewählt. Ronja schaffte als einzige Frau den Sprung in die Gruppe. "Wir bekamen eine Theorieschulung und legten eine schriftliche Prüfung ab", erläutert sie.

Am heutigen Samstag darf sich die erfolgreiche Vierermannschaft auf der Essen Motor Show präsentieren. "Dann machen wir ein Training, um uns intensiv auf den Nürburgring vorzubereiten", sagt die Golßenerin. 2014 geht das Quartett in der Rundstrecken-Challenge und der Langstreckenmeisterschaft an den Start. Im Frühjahr 2015 heißt es dann "Ring frei" für das ADAC 24-Stunden-Rennen auf dem Eifelkurs.

Dem Rennsport will Ronja auch nach dem Abitur treu bleiben. "Ich plane ein Studium im Bereich Fahrzeugtechnik. Doch ohne Unterstützung meiner Familie und der Sponsoren geht es nicht", sagt die Rennpilotin.