Von Philipp Brendel

Heutzutage muss alles brandneu, verrückt und möglichst großartig erscheinen. Es geht darum, das Neueste zu haben und das Größte zu besitzen. Dabei verlieren wir viel zu oft den Blick für das besondere Detail. Gerade viele der jungen Generation glauben ihr Glück einzig und allein in den Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München zu finden, denn eben nur dort seien Vielfalt und Lebensqualität anzutreffen.

Aber das Problem des ländlichen Raumes liegt nicht allein an der oft ungenügenden Infrastruktur oder den fehlenden Betätigungsmöglichkeiten. Es liegt auch daran, dass wir in der heutigen Zeit den Blick für die besonderen Kleinigkeiten und die noch so kleinen Details, die sich als großartig erweisen können, verloren haben.

Wenn man öfters mal gestresste Städtetouristen in unseren Straßen sieht, würde man diesen einfach mal mehr Gelassenheit wünschen und ihnen einfach sagen: „Du musst jetzt nicht hetzen. Du musst nicht alles knipsen.“ Doch auch wir selbst ertappen uns ja des Öfteren, wie kopflos wir durch unsere schöne Landschaft, unsere urigen Städte – unsere Heimat – gehen.

Wo bleibt der Blick für das Besondere? Wo der Blick für das, was eine Stadt auszeichnet – was ihrer Seele entspricht? Denn auch Kleines kann großartig sein.

In der Luckauer Altstadt wirkt alles wie im Miniaturformat

Man fühlt sich vielleicht an die Modelleisenbahn aus Kindertagen erinnert, wenn man durch die Gassen der Luckauer Altstadt läuft. Alles wirkt wie im Miniaturformat: Die liebevoll gepflegten Häuschen entlang der gepflasterten Wege laden zum Träumen ein. Und Zeit zum Träumen hat man hier allemal, denn Stress ist im beschaulichen Luckau keineswegs angesagt – wer Hektik und Trubel sucht, ist hier fehl am Platz.

Wer aber die besonderen Details der Luckauer Gassen entdeckt, auf den warten wahre Abenteuer. So versteckt sich zwischen der Hauptstraße und der Lange Straße ganz unauffällig die winzige und schmale Finkengasse – wohl eine der schmalsten Gassen in der Stadt, durch welche man gerade so hindurchpasst.

Wer es sich zutraut, durch diesen doch etwas ungewöhnlichen Weg durchzuschlüpfen, der wird durch den Anblick des Gebäudes der Theaterloge belohnt, die mit ihrem kunterbunten Programm reichlich Stimmung in das oft so verschlafen wirkende Städtchen bringt.

Barocke Bürgerhäuser am Luckauer Marktplatz

Klein und unbedeutend? – Keineswegs! Am Luckauer Marktplatz wird gerade das Kleine zu etwas ganz Großartigem, wenn man sich die Zeit nimmt. Reichhaltige und filigrane Details werden an den barocken Bürgerhäusern sichtbar. Präsentiert sich der eine Prachtbau mit lebhaften Einblicken in die Natur, so hält ein anderer Bau den Anblick manch kurioser Grimasse bereit – Inspiration für die Fantasie des Betrachters sind sie allemal.

Äußerst auffällig sticht am Marktplatz der Hausmannsturm mit der  kleinen Georgenkapelle hervor. Manch einer wird sich fragen, was denn bei diesen Bauherren falsch gelaufen ist: Der Kirchturm ist  im Vergleich zum Gotteshaus viel zu hoch.

Die Besonderheit liegt in den verschiedenen Bauzeiten der Objekte. Während die Ursprünge der spätromanischen Georgenkapelle um das Jahr 1200 liegt, wurde der Hausmannsturm erst im 17. Jahrhundert erbaut. Immer wieder wurde der Turm, der zu Sicherheitszwecken errichtet worden war, auf seine heute stattliche Höhe von 47 Metern erweitert. Im Vergleich zu diesem Riesen erscheint die Georgenkapelle tatsächlich wie eine Puppenstube, welche aber gerade der Altstadt ihr besonderes Gepräge gibt.

Luckau hat manche Größen zu bieten

Aber auch eine Puppenstube wie Luckau hat so manche Größen zu bieten. Für ganz Brandenburg herausragend ist sicherlich die zu großen Teilen noch erhaltene rund 1800 Meter lange Stadtbefestigungsanlange. Sichtbarer Höhepunkt der Stadtmauer ist der wuchtig wirkende, circa 30 Meter hohe Rote Turm, der Luckaus Gäste aus nah und fern am Eingang der Altstadt begrüßt. Wer seinen Blick fürs Detail schon geschult hat, entdeckt vielleicht den ursprünglichen Eingang des alten Wehrturmes.

Eine vielfältige Geschichte erlebte auch das ehemalige Dominikanerkloster aus dem 13. Jahrhundert. Ein Gebäude kann vielen Zwecken dienen: Im Falle des Klosters waren es religiöse Zwecke, Notwendigkeiten der Justiz und heute eine kulturelle Nutzung als Kulturkirche mit Bibliothek, Museum und Veranstaltungssaal.

Kommt man schließlich von der Kulturkirche zur Nikolaistraße, so kann man wohl einen der schönsten Anblicke in der Altstadt bestaunen: Gesäumt wird die kleine Pflasterstraße von lieblichen Häusern, während einem am Ende des Weges die mächtige Nikolaikirche schon empfängt. Die vom 13. bis zum 15. Jahrhundert erbaute gotische Hallenkirche erlitt über die Jahrhunderte schwere Zerstörungen, wie einen Brand im Jahr 1644. Danach wurde sie im Inneren im üppigen Barock ausgestattet.

Die Puppenstube Luckau hat also nicht nur manch herausragende Größenordnungen zu bieten, sondern besticht gerade wegen der kleinen Details, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.