| 02:52 Uhr

Auf der Suche nach dem Image

Angeregt diskutiert haben im Podium Michael Göbel, Lutz Franzke, Lothar Mahrla , Thorsten Golm, Oliver Zysk und Andreas Wolf (v.l.).
Angeregt diskutiert haben im Podium Michael Göbel, Lutz Franzke, Lothar Mahrla , Thorsten Golm, Oliver Zysk und Andreas Wolf (v.l.). FOTO: G. Irmscher
Wildau. Die Stärken des Landkreises besser nutzen und aggressiver als Flughafenregion zu werben, waren Punkte aus der Podiumsdiskussion innerhalb des Forums Mittelstand in Wildau. Dabei standen die "weichen Faktoren" im Mittelpunkt. Jan Schulte

Der Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) hat kein richtiges Image. Das sagte Michael Göbel, Geschäftsführer der Berliner Unternehmensberatung Regionomica, bei seinem Impulsvortrag am Donnerstagabend im Wildauer Luft- und Raumfahrtzentrum. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe "Forum Mittelstand LDS" referierte Göbel vor mehr als 70 Besuchern über die Bedeutung der weichen Standortfaktoren für Investoren.

Anschließend gab es darüber eine angeregte Diskussion mit Oliver Zysk, Geschäftsführer der Quality-Park Aviation-Center GmbH, Andreas Wolf, dem Geschäftsführer der Oberon GmbH Fiber Technologies, Lutz Franzke, dem Bürgermeister von Königs Wusterhausen und Thorsten Golm, dem Leiter der Geschäftsstelle Schönefeld der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Moderiert wurde der Abend von Lothar Mahrla, dem Geschäftsführer des MAZ-Regionalverlags Dahmeland-Fläming. Bei der von der Wirtschaftsfördergesellschaft Dahme-Spreewald (WFG) organisierten und von der Lausitzer Rundschau unterstützten Veranstaltung wurde deutlich, dass die weichen Standortfaktoren für Unternehmer immer wichtiger werden. Punkte wie die Unternehmensfreundlichkeit der Verwaltung oder schlicht das Stadtbild würden inzwischen bei der Standortwahl mitentscheiden.

"Bei unserer Entscheidung haben die weichen Standortfaktoren einen Anteil von rund 30 Prozent gehabt", sagt Andreas Wolf. Den größten Einfluss hatte für ihn die Technische Hochschule in Wildau. "Dort wird einen Photonik-Studiengang angeboten, der sehr wichtig für unser Unternehmen ist und nur vier bis fünf Mal in Deutschland angeboten wird," sagte Wolf. Doch ansonsten habe der Landkreis Dahme Spreewald noch erheblichen Nachholbedarf.

"Für mich gibt es im Landkreis eine No-Image-Situation", kritisiert Michael Göbel. Bei den meisten Regionen in Deutschland habe er ein klares Image vor Augen, doch in LDS fehle ihm das. Dem stimmte Thorsten Golm zu: "Es gibt schon einzelne Punkte, wie zum Beispiel das A10-Center oder Tropical Island, die sehr wohl wahrgenommen werden", sagte er. Doch dabei denke niemand an die gesamte Region.

Wenn der Hamburger Unternehmer Oliver Zysk Kunden im Ausland die Stadt Wildau als Unternehmensstandort nennt, könne damit in der Regel niemand etwas anfangen. "Erst wenn man sagt, dass Wildau zum Berliner Speckgürtel gehört, haben die Leute eine Vorstellung", erläutert er. "Das Dilemma fängt schon mit der Willkommenssituation an", sagte Andreas Wolf. Er sprach sich unter anderem für eine zweisprachige Beschilderung aus, damit sich auch ausländische Fachkräfte zurechtfinden können. "Wenn ich in Wildau mit der Bahn ankomme, bietet sich mir ein sehr freundlicher Anblick, aber nur eine Station weiter in Königs Wusterhausen ist das Stadtbild ein ganz anderes, da zuckt man am Bahnhof erstmal zurück", sagte er. Beim Stadtbild werde Königs Wusterhausen demnächst einen großen Sprung nach vorne machen, kündigte Lutz Franzke an. "Schon jetzt ist die Stadt an einigen Stellen im Vergleich zu früher nicht wiederzuerkennen", so der Bürgermeister. Auch Franzke weiß, dass der Wettbewerb knallhart sei und es gerade im Ausland schwierig sei, sich von Berlin zu lösen. Er schlug vor, ein Image als Airport-Region inklusive Wohnen im Grünen zu kreieren. "Teltow-Fläming tritt viel aggressiver und besser auf als LDS", sagte Michael Göbel. Auch er rät, die Stärken des Landkreises, wie beispielsweise den Flughafen, noch besser zu nutzen.