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Auf den Spuren der Karmeliter

Auch die Geschichte des einstigen Karemeliter-Klosters in Dahme wird im "Brandenburgischen Klosterbuch" beleuchtet.
Auch die Geschichte des einstigen Karemeliter-Klosters in Dahme wird im "Brandenburgischen Klosterbuch" beleuchtet. FOTO: Hanelore Kuschy
Dahme. Die einstige Klosterkirche der Karmeliter ist eines der ältesten Bauwerke Dahmes. Bis in das Jahr 1304 reicht die Geschichte des Dahmer Klosters zurück. Doch wie und wovon lebten diese Menschen, die sich einem religiösen Zweck verschrieben hatten, eigentlich? Welche Rolle spielte das Kloster in der Stadtentwicklung Dahmes? Antworten darauf sind im Brandenburgischen Klosterbuch zu finden. Birgit Keilbach / bkh1

"Der Karmeliterorden entstand in Palästina. Wie er nach Dahme kam, wissen wir nicht", zeigt Professor Dr. Heinz-Dieter Heimann zunächst die Grenze der Forschungsarbeit zu mittelalterlichen Klöstern in Brandenburg auf. Dass sich die religiöse Gemeinschaft von Eremiten (Einsiedler) als einer der zahlreichen Bettelorden im Zuge der Stadtgründung in Dahme ansiedelte, gilt hingegen als sicher. "Die Karmeliter wollten nicht mehr so sehr Eremiten, sondern den Bedürfnissen der Menschen nahe sein", benennt der Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Potsdam den Grund für ihre Ansiedlung in der Flämingstadt. Somit leisteten die Karmelitermönche nicht nur Seelsorge. In ihrem zum Kloster gehörenden Hospital gaben sie den Menschen in der Stadt auch sozialen Beistand. Zudem hätten sie eine Verbindung zur Stadtkirche aufgebaut. "Die Menschen hatten Vertrauen, wenn sie sich an die Karmeliter wandten", resümiert der Historiker vor seinen Zuhörern in der Kulturherberge Klosterkirche.

Das umfangreiche, wissenschaftlich fundierte, dennoch für ein breites Publikum in verständlicher Sprache geschriebene Klosterbuch bietet Einblick in einen Teil brandenburgischer Kulturgeschichte, die laut Professor Heimann noch immer in vielen Bereichen zu kurz kommt. Der Reichtum des Landes beginne "jenseits von Sanssouci" und damit von Preußen, markiert seinen Beweggrund für das umfangreiche und ausschließlich durch Spenden und private Mittel finanzierte Projekt. 70 Wissenschaftler schrieben vier Jahre lang daran mit, auch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum sowie das Landesvermessungsamt brachten ihre Erkenntnisse ein. Die Nachfrage bestätigte den Professor. Ein Jahr nach Erscheinen im Jahr 2007 war die Erstauflage von 100 Stück vergriffen. Zwei Jahre später gelang es, eine weitere Auflage zu finanzieren.

Von Altfriedland bis Zinna reiche die Klosterlandschaft Brandenburgs in seinen mittelalterlichen Grenzen, erläutert er und verweist auf eine besonders auffällige Parallele: 105 Städte weist das Brandenburgische Städtebuch aus, 105 Klöster sind im Klosterbuch beschrieben. Das Entstehen der Städte im 12. und 13. Jahrhundert sei unmittelbar verbunden mit der Ansiedlung der verschiedensten Bettelorden, darunter Augustiner, Dominikaner und Franziskaner, in deren Umfeld. Als Tatsache habe sich deutlich herausgestellt: "Brandenburg ist Bettelordensland, kein Zisterzienserland", widerlegt Prof. Heimann die öffentliche Wahrnehmung aufgrund der bekannten Klöster Chorin, Zinna, Lehnin und Neuzelle.

Insbesondere im ländlichen Raum hätten sich zudem mehr Frauen- als Männerklöster angesiedelt, stellt er ein weiteres Ergebnis der Forschungsarbeit heraus.

Zum Thema:
Das Brandenburgische Klosterbuch zeichnet Geschichte, Bedeutung und Selbstverständnis von über 100 ehemaligen geistlichen Gemeinschaften in den historischen Landschaften Brandenburgs - einschließlich der Alt- und Neumark sowie der Niederlausitz - und in den heutigen Ländern Berlin und Brandenburg nach. Reich illustriert mit Besitzkarten, Lageplänen, Grundrissen und Siegelabbildungen, geben die systematisch aufgebauten Artikel auf mehr als 1500 Seiten Auskunft über die Geschichte und Überlieferung einzelner Klöster. Erschienen ist das zweibändige Werk im be.bra Wissenschafts-Verlag, Berlin. Ein Exemplar davon steht jetzt auch in der Dahmer Bibliothek.